Als CEO André Kolbinger noch ein paar Worte zum Abschluss des KPI-Calls der Smartbroker Holding am 4. März 2026 sagte, war es bereits 13.15 Uhr. Wer – wie boersengefluester.de – dabei war auf der Airtime-Plattform, hat damit immerhin 2 Stunden 15 Minuten Input zu allen wichtigen Themen rund um den angeschlossenen Smartbroker+ sowie den ebenfalls zum Konzern gehörenden Mediabereich (unter anderem wallstreet:online) bekommen. Das ist mehr als doppelt so lang wie sonst üblich bei den obligatorischen monatlichen Infoveranstaltungen der Berliner.
Tatsächlich hatten sich André Kolbinger und Bankvorstand Thomas Soltau diesmal aber auch ein besonders umfangreiches Pensum vorgenommen, da das Unternehmen erst Ende Februar seine finanziellen Eckdaten für 2025 vorgelegt hatte. Die liegen bei Erlösen von 69 Mio. Euro und einem EBITDA (Ergebnis von Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von minus 0,1 Mio. Euro genau im Rahmen der bislang kommunizierten Bandbreiten. Unter dem Strich kommt die Smartbroker Holding damit auf einen auch in dieser Höhe erwarteten Fehlbetrag von 10,4 Mio. Euro. „Alles läuft sehr unauffällig“, sagt Kolbinger. Das Eigenkapital hat sich von 43,9 Mio. Euro zum Halbjahr auf 38,6 Mio. Euro per Ende Dezember 2025 ermäßigt. Die Netto-Liquidität beträgt etwa 17 Mio. Euro und lässt ausreichend Beinfreiheit für das weitere Wachstum. Kapitalerhöhungen sind für Kolbinger jedenfalls kein Thema.
Ein wenig erklärungsbedürftiger ist da schon der Ausblick für 2026, denn trotz eines knackigen Wachstums von geplant 100.000 Neukunden rechnet das Kolbinger mit weitgehend konstanten Erlösen zwischen 66 und 72 Mio. Euro sowie einem ebenfalls seitwärts gerichteten EBITDA in einer Bandbreite von minus 1,5 bis plus 1,5 Mio. Euro. Knackpunkt ist das ab Mitte 2026 geltende gesetzliche Rückvergütungsverbot für die gezielte Platzierung von Wertpapierordern an bestimmte Marketmaker. Im Branchensprech „Payment-for-Order-Flow“ – kurz: PFOF – genannt. Bei Smartbroker+ stehen damit rund 16 Prozent der Erlöse im Feuer. Andere Neobroker sind freilich noch viel stärker betroffen.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
28,21
48,20
52,79
46,54
52,48
68,90
69,50
EBITDA1,2
4,52
3,56
8,77
1,35
8,97
-0,10
1,50
EBITDA-margin %3
16,02
7,39
16,61
2,90
17,09
-0,15
2,16
EBIT1,4
2,03
0,35
-8,41
-5,22
-1,70
-10,40
-8,40
EBIT-margin %5
7,20
0,73
-15,93
-11,22
-3,24
-15,09
-12,09
Net profit1
3,55
-0,54
-10,07
-5,92
-1,39
-10,40
-8,80
Net-margin %6
12,58
-1,12
-19,08
-12,72
-2,65
-15,09
-12,66
Cashflow1,7
1,18
13,93
5,04
0,19
9,99
4,30
7,00
Earnings per share8
0,25
-0,04
-0,64
-0,38
-0,08
-0,62
-0,52
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Nun: Das Team um Thomas Soltau hat scheinbar eine Lösung gefunden, die dem Namen „Smartbroker“ alle Ehre macht. Jedenfalls wird sich für die Kunden des Smartbroker+ preislich gar nichts ändern und es müssen auch keine neuen AGB unterschrieben werden. Lediglich die Verträge mit Drittkunden – also Zulieferern bzw. Dienstleistern – müssen angepasst werden. Da aber de facto Erlöse wegfallen werden, gleicht die Smartbroker Holding diese Lücke durch allgemeine Effizienzsteigerungen aus. Insofern ist 2026 alles andere als ein Jahr des Stillstands. Das gilt insbesondere auch für den Ausbau der IT-Infrastruktur, für die der Vorstand einen zusätzlichen Etat von 4 Mio. Euro freimacht. „Technologie ist das alles entscheidende Thema“, sagt Kolbinger – vom Onboarding über die Personalisierung von Content bis hin zum Bestandskundenmarketing. Für Kolbinger handelt es sich also um definitiv sinnvoll investiertes Kapital, auch wenn die bisherigen Ergebnisplanungen damit zunächst einmal entsprechend niedriger ausfallen.
Interessant aus Bewertungssicht werden für die Smartbroker-Aktie demnach wohl erst die Jahre ab 2028 mit einem vom Vorstand skizzierten EBITDA (nach Kundengewinnungskosten) von 17 Mio. Euro – nach 4 Mio. Euro für 2027. Bis 2030 soll das EBITDA dann – bei Erlösen von 130 Mio. Euro – auf 44 Mio. Euro klettern. Mit Blick auf den aktuellen Börsenwert von rund 213 Mio. Euro wäre das natürlich ein starkes Argument für einen Einstieg in die Aktie. Klare Worte findet Kolbinger auch, was den zuletzt über das Börsenparkett spukenden KI-Geist angeht: „Künstliche Intelligenz ersetzt keinen Broker. KI wird auch nicht zum Broker. Sondern: KI wird von Brokern an vielen Stellen eingesetzt.“ Die Befürchtung, dass es perspektivisch kinderleicht sei, eine Brokersoftware zu programmieren, greift übrigens auch deshalb zu kurz, weil es sich um einen hochregulierten Markt handelt. Ähnlich pointiert hatte sich zuletzt übrigens auch flatexDEGIRO-CEO Oliver Behrens (HIER) geäußert.
Per saldo sind die 135 Minuten KPI-Call der Smartbroker Holding im XXL-Format gut angelegte Zeit für Aktionäre gewesen – davon waren nämlich auch einige digital eingewählt. Vor dem Hintergrund des hohen Rohertrags, den jeder Neukunde zurzeit einbringt, kommt die offensive Wachstumsstrategie plausibel rüber. Aber klar: Schön wäre es natürlich schon, wenn der zeitliche Abstand Richtung 2028er-Gewinne schon ein wenig kürzer wäre. Andererseits hat die Smartbroker-Aktie schon deshalb Potenzial, weil den meisten Kunden des Smartbroker+ vermutlich gar nicht so bewusst ist, dass sie auch in die Aktie des eigenen Brokers investieren können. Die Analysten von Warburg Research haben das Kursziel zuletzt bei 18,60 Euro angesetzt. Das sind solide 45 Prozent Potenzial.
INVESTOR-INFORMATION
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Smartbroker Holding
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
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A2GS60
DE000A2GS609
AG
213,12 Mio €
22.02.2006
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