Auf der Zielgeraden befindet sich das IPO von Electrovac. Voraussichtlich noch bis zum 27. April 2026 läuft die Zeichnungsfrist für die Aktien des Anbieters von hermetischen Gehäusen zur Einkapselung explosiver Stoffe, wie sie etwa in Airbagzündern von Fahrzeugen, der Luftfahrt, Satellitenprogrammen oder auch im Munitionsbereich eingesetzt werden. Bis zu 4.761.000 Aktien will das Unternehmen platzieren – davon stammen rund 80 Prozent aus einer Kapitalerhöhung. Die Preisspanne haben die emissionsbegleitenden Banken – BankM und Metzler – bei 7,80 bis 10,20 Euro angesetzt. Im Mittel beträgt das Emissionsvolumen damit knapp 43 Mio. Euro. Bei voller Platzierung im streng regulierten Handelssegment Prime Standard käme Electrovac (bei Kursen von 9 Euro) auf einen Börsenwert von 144 Mio. Euro. Knapp 30 Prozent davon dürften dann dem Streubesitz zuzurechnen sein.
Gemessen an jüngeren Kapitalmarktzugängen wie Vincorion, TKMS, Ottobock oder auch Aumovio handelt es sich also um eine vergleichsweise übersichtliche Emission. Größentechnisch passt Electrovac eher in die Kategorie der Anfang März an die Börse gegangenen Gabler Group. Auffälliger Unterschied im Emissionskonzept: Während sich Vincorion und der Marinetechnispezialist Gabler klar auf institutionelle Investoren fokussierten, adressiert Electrovac explizit auch Privatanleger und Family Offices. Folgerichtig haben CEO Dieter Thumfart und CFO Rainer Matzka jetzt auf der von GBC organisierten MKK Münchner Kapitalmarkt-Konferenz präsentiert. Boersengefluester.de war vor Ort und hat die Gelegenheit für ein 1on1 mit dem Vorstandsteam genutzt. Mit dem Emissionserlös will das Management in erster Linie die Präsenz in den USA stärken – vorzugsweise auf dem Weg einer Akquisition. „Ziel wäre, dass wir einen kleineren Wettbewerb übernehmen, den wir dann entsprechend ausbauen können“, sagt Thumfart.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
0,00
0,00
85,25
87,62
98,16
117,00
119,00
EBITDA1,2
0,00
0,00
10,33
9,20
14,69
19,60
19,40
EBITDA-margin %3
0,00
0,00
12,11
10,51
14,96
16,75
16,30
EBIT1,4
0,00
0,00
5,73
4,41
9,11
13,45
12,80
EBIT-margin %5
0,00
0,00
6,72
5,08
9,28
11,50
10,76
Net profit1
0,00
0,00
3,23
1,92
5,18
8,90
8,50
Net-margin %6
0,00
0,00
3,79
2,20
5,28
7,61
7,14
Cashflow1,7
0,00
0,00
6,22
9,46
9,42
10,70
13,20
Earnings per share8
0,00
0,00
0,20
0,12
0,32
0,55
0,53
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,15
0,15
Noch befindet sich Electrovac hier jedoch in einer frühen Phase. Mit einem entsprechenden Vollzug sollten Anleger erst 2027 rechnen. Alles andere wäre wohl ein Glückstreffer, wenn die ersten Gespräche gleich zu einem Abschluss führen würden. Losgelöst davon sollten Investoren wissen, dass Electrovac im wichtigen Bereich Airbagzünder im Wesentlichen mit der nicht börsennotierten Schott AG aus Mainz – gelistet aus dem Verbund ist nur die Schott Pharma – konkurriert. „Rund eine Milliarde Airbag-Anzündersockel werden jährlich produziert. Wir machen etwa 270 Millionen davon“, sagt Thumfart. „Die Märkte wachsen und wir würden die Expansion gern mit Eigenkapital finanzieren, um da noch mehr Fahrt aufzunehmen.“ Entsprechend will das Unternehmen aus Salzweg im Bayerischen Wald mit dem frischen Geld unter anderem auch die Kapazitäten am bestehenden Standort in Thailand ausweiten. Der Börsengang erfolgt also auch, um die ungleich größere Finanzpower von Schott zumindest teilweise auszugleichen.
Gut gefällt boersengefluester.de, dass Electrovac die künftigen Wachstumsraten im Defencebereich durchweg konservativ ansetzt und nicht die komplette IPO-Story darauf abstellt. Ziel ist es, mittelfristig auf Konzernerlöse von 150 Mio. Euro zu kommen und dabei eine EBIT-Marge von über 12 Prozent zu erwirtschaften. Rund 20 Prozent des Gewinns will das Unternehmen als Dividende ausschütten. Das wird nicht für eine überdurchschnittlich hohe Dividendenrendite reichen. Es zeigt aber, dass Electrovac eine gute Mischung aus Wachstum und Substanz hinbekommt. Die Bewertung ist vergleichsweise moderat – zumindest auf Basis der mittleren Preisspanne.
Insofern passt es auch, dass das Orderbuch dem Vernehmen nach gut gefüllt ist. Die Emission sollte also trotz des wackeligen Gesamtmarkts stattfinden. Die Einladungen für die „Bell-Ringing-Ceremony“ auf dem Frankfurter Börsenparkett für den 30. April 2026 sind jedenfalls schon verschickt. Wer als Privatanleger noch zeichnen möchte, kann das über das Direktzeichnungstool der HIER tun. Die Mindestzeichnung beträgt 250 Aktien.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Electrovac
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A420ZL
DE000A420ZL4
AG
144,00 Mio €
30.04.2026
Foto: Freepik
