Ein umfassendes Bild vom IPO-Kandidaten Electrovac AG lässt sich zwar erst mit der Veröffentlichung des in der Regel mehrere hundert Seiten umfassenden Wertpapierprospekts machen. Nach allem, was boersengefluester.de bislang über den Zulieferer von hermetisch dichten Gehäusen zum Schutz von elektronischen Bauteilen vor negativen Umwelteinflüssen unter Extrembedingungen gelesen hat, scheint sich hier aber eine aussichtsreiche Kapitalmarktstory zu formieren. Eingesetzt werden die Produkte von Electrovac in klassischen Industrien wie Automotive (Airbagzünder, Gurtstraffer, Motorsteuerung) oder auch der Medizintechnik. Zu einem runden Investmentcase gehören aber auch die Anwendungen in Trendbranchen wie Defence und Aerospace. So schützen die Spezialgehäuse von Electrovac Lasersysteme von Satelliten, Nachtsichtgeräte, Notfallturbinen oder auch Treibstoffkontrollsysteme.
Terminiert ist der Börsengang im streng regulierten Börsensegment Prime Standard für das zweite Quartal 2026. Der aktuelle Annäherungsprozess im Iran-Krieg dürfte das Zeitfenster entscheidend geöffnet haben. Ein Teil der angebotenen Anteile kommt von Altaktionären – geplant ist aber auch eine Kapitalerhöhung. Den erhofften Netto-Emissionserlös hieraus beziffert das in Salzweg nördlich von Passau ansässige Unternehmen auf rund 30 Mio. Euro. „Der Großteil des Nettoerlöses aus dem Börsengang soll für den Ausbau der globalen Produktionskapazitäten verwendet werden“, heißt es. Im Geschäftsjahr 2024/25 (31. März) kam Electrovac bei Umsatzerlösen von rund 98,3 Mio. Euro auf ein EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) von etwa 9,1 Mio. Euro und einen operativen Cashflow von 9,4 Mio. Euro. Für das gerade beendete Geschäftsjahr liegen gegenwärtig nur Neun-Monats-Zahlen vor. Die zeigen Umsätze von 85,9 Mio. Euro und ein EBIT von 10,5 Mio. Euro.
Ohne die Saisonalitäten oder mögliche andere Sondereffekte zu kennen, scheint sich die Gesellschaft also auf einem soliden Wachstumskurs zu befinden. Mittelfristig will CEO Dieter Thumfart die Umsätze auf mehr als 150 Mio. Euro steigern und dabei eine EBIT-Marge von mehr als 12 Prozent erwirtschaften. Wie es sich für einen mittelständisch geprägten Hidden Champion gehört, plant die Gesellschaft, künftig rund 20 Prozent des Gewinns in Form von Dividenden auszuschütten. Ein starkes Signal findet boersengefluester.de, dass die emissionsbegleitende BankM aus Frankfurt – mit an Bord ist außerdem das Bankhaus Metzler – bei der Transaktion explizit auch Privatanleger berücksichtigt und für eine attraktive Zuteilungsquote sorgt. „Wir freuen uns sehr, dass die Zahl der Privatanleger in Deutschland steigt und es aktuell wieder Börsengänge mittelständischer Unternehmen gibt. Beide Trends möchten wir zusammenbringen, damit das „P“ ein echter Bestandteil im IPO wird. Durch den Einsatz mehrerer Zeichnungsoptionen streben wir eine breite Zugangsmöglichkeit an und unser Research wird für Privatanleger kostenfrei zugänglich sein, um informierte Entscheidungen zu ermöglichen“, sagt BankM-Vorstand Thomas Stewens.
Zur Einordnung: Beim Börsengang von Vincorion Mitte März 2026 wurden Privatanleger mit gerade einmal 2,5 Prozent des Zeichnungsvolumens bedient. Das Listing des U-Boot-Zulieferers Gabler vor rund vier Wochen richtete sich sogar komplett an institutionelle Anleger. Entsprechend gespannt ist boersengefluester.de, wie sich die Dinge bei Electrovac entwickeln werden. CEO Thumfart ist vom Geschäftsmodell überzeugt: „Als einziger vollintegrierter Anbieter mit umfassender Fertigungskompetenz in einem Markt mit begrenztem Wettbewerb und hohen Markteintrittsbarrieren sind wir gut positioniert, um regionale und vertikale Wachstumschancen zu ergreifen.“
Nun kommt es auf das Pricing an. Bleibt zu hoffen, dass sich die Gesellschaft an Unternehmen wie Pfisterer orientiert, die mit einer moderaten Bewertung an die Börse gegangen sind und anschließend entsprechend viel Kurspower entfaltet haben. Zur Peergroup auf dem heimischen Kurszettel dürfte unter anderem die ebenfalls auf explosionsgeschützte Elektrobauteile gehörende R. Stahl AG aus Waldenburg gehören, auch wenn die Überschneidungen nicht wirklich groß sind.
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