Endlich tut sich was im Aktienchart von Datron – und das nicht ganz zufällig. So hat der Hersteller von CNC-Fräsmaschinen für die Zerspanung von Aluminium sowie Dosiermaschinen zum einen vergleichsweise robuste Geschäftszahlen für 2025 sowie das erste Quartal 2026 vorgelegt. Der eigentlich ausschlaggebende Grund ist jedoch, dass CEO Michael Daniel bei einer insgesamt rund drei Stunden dauernden Präsentation und Werksbesichtigung vor Investoren sowie Analysten am neuen Stammsitz in Ober-Ramstadt – südöstlich von Darmstadt – richtig stark performt hat. Boersengefluester.de kann das gut einschätzen, denn auch wir waren bei der von Solventis organisierten Veranstaltung live dabei. Tatsächlich haben wir den Eindruck, dass sich bei Datron mit dem Umzug von ehemals vier Standorten in Südhessen an die gemeinsame neue Adresse „Am Innovationsfeld 1“ eine neue Dynamik entfalten wird.
Dafür ist Datron mit einer Rekordinvestition von etwa 47 Mio. Euro allerdings auch erheblich in Vorleistung gegangen und hat die bis 2022 traditionell cashpositive Bilanz signifikant verlängert. So stehen liquiden Mitteln von 5,43 Mio. Euro derzeit Bankverbindlichkeiten von 30,58 Mio. Euro gegenüber. Diesen Zustand will Datron so schnell es geht ändern und tilgt jährlich fix 2 Mio. Euro – plus einer variablen Komponente. „In 10 bis 15 Jahren wollen wir damit durch sein“, sagt Michael Daniel. Wichtig: Der laufende Kapitalbedarf erfolgt im Wesentlichen aus dem Cashflow. Zudem weist das Unternehmen momentan – neben dem reporteten EBIT von 0,56 Mio. Euro – für 2025 ein um die Sondereffekte aus dem Umzug bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 3,07 Mio. Euro (Vorjahr: 3,45 Mio. Euro) aus. Die eigentlich bemerkenswerte Kennzahl für einen deutschen Maschinenbauer ist jedoch der im vergangenen Jahr um knapp 14 Prozent auf 63,44 Mio. Euro gestiegene Auftragseingang.
Offensichtlich treffen die kompakten Maschinen von Datron den Geschmack der Kunden – vorzugsweise aus Bereichen wie der Medizintechnik, der Luft- und Raumfahrt, dem Werkzeugbau sowie dem Halbleitersektor. Das Thema Defence kommuniziert Datron nicht explizit. Tatsächlich dürften die Fräsmaschinen von Datron unter anderem aber auch bei der Herstellung von Drohnen oder ähnlichem Gerät Verwendung finden. Insofern passt es ins Bild, dass die im Scale-Segment der Deutsche Börse gelistete Gesellschaft vom 10. bis 14. Juni 2026 zu den Ausstellern auf der Aerospace-Fachmesse ILA in Berlin gehört. Sehr viel substantieller soll zudem die in den Fräs- und Dosiermaschinen integrierte Steuerungssoftware „Datron next“ kommerzialisiert werden. Dabei geht es unter anderem um für die Kunden relevante Themen zur Optimierung der Nutzungsdauer ihrer Anlagen – etwa in Form von vorausschauenden Warnsystemen. Hier hat Datron bislang sehr viel PS auf der Straße liegen lassen. „Unsere Story wird sein, dass sich unser Softwareanteil in den nächsten Jahren verdreifachen wird“, sagt Vorstand Michael Daniel bei der Präsentation.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
42,13
54,16
59,90
63,82
60,59
60,20
66,00
EBITDA1,2
3,34
6,68
7,36
7,21
4,56
2,34
6,50
EBITDA-margin %3
7,93
12,33
12,29
11,30
7,53
3,88
9,85
EBIT1,4
2,15
5,45
6,11
6,03
3,45
0,56
4,60
EBIT-margin %5
5,10
10,06
10,20
9,45
5,69
0,92
6,97
Net profit1
1,48
3,86
4,32
4,55
2,41
-0,29
2,40
Net-margin %6
3,51
7,13
7,21
7,13
3,98
-0,48
3,64
Cashflow1,7
6,17
2,95
2,06
3,21
4,38
4,85
6,50
Earnings per share8
0,37
0,96
1,08
1,14
0,60
-0,07
0,62
Dividend per share8
0,05
0,20
0,20
0,20
0,12
0,10
0,12
So geht Solventis-Analyst Dennis Watz davon aus, dass die digitalen Services mittelfristig von einem derzeit vermutlich niedrig einstelligen Prozentsatz auf eine Bandbreite von 10 bis 15 Prozent steigen sollten. Das wiederum müsste die operative Rendite auf Konzernebene dann spürbar voranbringen. Zur Einordnung: Für 2026 peilt Datron bei Erlösen zwischen 63 und 69 Mio. Euro eine EBIT-Marge in einer Spanne von 5,0 bis 8,0 Prozent an – entsprechend einem EBIT von 3,2 bis 5,5 Mio. Euro. Nach dem Auftaktquartal 2026 hat das Unternehmen dabei ein EBIT von 0,82 Mio. Euro in den Büchern stehen. Für Q2 rechnet CEO Daniel mit einem EBIT zwischen 0,9 und 1,8 Mio. Euro, so dass zum Halbjahr ein Betriebsergebnis von rund 1,7 bis 2,4 Mio. Euro möglich ist. Ein gutes Zwischenresultat für das auf Zwölf-Monats-Sicht avisierte EBIT. „Könnte schon sein, dass wir dieses Jahr in Richtung oberes Ende der Prognosespanne kommen“, sagt Daniel. Doch die konjunkturellen Parameter ändern sich zurzeit so schnell, dass verlässliche Aussagen kaum möglich sind. „Am Ende bin ich vielleicht froh, wenn wir bei 66 Mio. Euro Umsatz landen“, räumt der Vorstand bei seiner Präsentation ein.
Zusätzlichen Schwung könnte die Datron-Story derweil durch eine mögliche Akquisition bekommen. Mit Abstand am interessantesten wäre dabei ein Hersteller von Spindeln – dem zentralen Antriebselement von Fräsmaschinen. Bislang muss Datron nämlich ausgerechnet diese Komponente zukaufen. Doch der Markt ist eng, und die nur rund 80 Kilometer entfernt in Ober-Möhrlen ansässige Jäger-Gruppe hatte sich 2023 die japanische NSK Nakanishi geschnappt. Nicht wirklich entscheidend für ein potenzielles Engagement in der Datron-Aktie – aber doch zumindest erwähnenswert – ist die Dividendenstrategie: Zur Hauptversammlung (HV) am 26. Juni 2026 soll eine um 2 Cent auf 0,10 Euro je Aktie gekürzte Dividende auf die Tagesordnung. Bezogen auf den aktuellen Kurs von 7,70 Euro ergibt sich daraus eine eher unauffällige Rendite von rund 1,3 Prozent. Mit Blick auf die durch den Umzug spürbar belasteten operativen Kennzahlen schüttet Datron für 2025 aber trotzdem eine höhere Quote als sonst üblich aus.
Mit Blick nach vorn stellt der Vorstand aber schon jetzt nachhaltig attraktive Dividendenquoten in Aussicht. Das gilt wohl auch vor dem Hintergrund der Aktionärsstruktur mit der Familie des langjährigen CEO Arne Brüsch als Ankerinvestor (Anteil: 63,6 Prozent). Die restlichen Stücke befinden sich im Wesentlichen im Streubesitz. Insgesamt eine stabile Konstellation, die allerdings auch mit einer sinnvollen Handelsliquidität für institutionelle Anleger kollidiert. Hier eine ausgewogene Balance zu finden, wird eine der zentralen Investor-Relations-Aufgaben. Zunächst einmal ist derweil schon jetzt eine gute Nachricht, dass der Vorstandsvorsitzende Michael Daniel die – in den vergangenen Jahren wenig ausgeprägten – IR-Aktivitäten wieder intensivieren will. Das repräsentative neue Stammwerk in Ober-Ramstadt ist dabei ein guter Aufhänger: „Wir können jetzt alles zeigen“, sagt Daniel.
Von den Produkten her am ehesten vergleichbare Unternehmen auf dem heimischen Kurszettel sind Klassiker wie Hermle oder auch DMG Mori – die allerdings mit deutlich voluminöseren Maschinen daherkommen als der Aluspezialist Datron. Zu den engeren operativen Marktbegleitern gehört die durch ihr Motorsport-Engagement bekannte kalifornische Haas Automation. Solventis setzt das Kursziel für die Datron-Aktie bei immerhin 15,75 Euro an, das entspricht einem potenziellen Verdoppler. Das wäre ein All-Time-High für die im April 2011 zu 12,50 Euro an die Börse gekommene Datron-Aktie. Fazit boersengefluester.de: Die Datron-Aktie ist alles andere als ein schneller Zock – das passt auch gar nicht zur mittelständisch ausgeprägten Firmenkultur. Der Fieldtrip ins neue Stammwerk hat uns aber sehr deutlich gezeigt, dass sich bei Datron einiges grundlegend verändert. Am Kapitalmarkt ist das für unseren Geschmack noch nicht wirklich angekommen. Wir bleiben an der Story dran.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Datron
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A0V9LA
DE000A0V9LA7
AG
30,80 Mio €
13.04.2011
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Foto: boersengefluester.de (Datron-CEO Michael Daniel (links) mit boersengefluester.de-Gründer Gereon Kruse)
