Eine nachhaltige und attraktive Dividendenpolitik hat sich die Beteiligungsgesellschaft Blue Cap auf die Fahnen geschrieben. Konkret inkludiert das neben einer Basisdividende von im Normalfall 0,65 Euro je Aktie eine exitabhängige Bonuszahlung. Für 2024 waren das aufgrund der Verkäufe von Nokra und Neschen immerhin 0,45 Euro je Aktie, womit die Blue Cap-Aktie aus dem Bereich der Mittelstands-Holdings zu den renditestärksten Titeln gehört. Und die Chancen stehen gut, dass die Münchner zur Hauptversammlung (HV) am 23. Juni 2026 erneut eine attraktive Ausschüttung auf die Tagesordnung setzen. Noch lässt sich CEO Henning von Kottwitz zwar nicht in die Karten schauen. Bei seiner Präsentation zur Vorlage der operativen Eckdaten für 2025 sagt er jedoch klipp und klar: „Aktionäre dürfen davon ausgehen, dass es erneut eine deutliche Sonderdividende geben wird.“
Damit nicht genug, denn auch Aktienrückkäufe sind für Henning von Kottwitz ein relevantes Thema – zumal der dafür notwendige rechtliche Rahmen gesetzt ist: „Ein Tool, über das wir aktiv nachdenken.“ Dabei betont der Vorstand, dass sich Aktienrückkäufe und Akquisitionen nicht gegenseitig ausschließen müssen. Nun: Nach dem im vergangenen Sommer erfolgten Verkauf der Tochter Con-Pearl (siehe dazu auch unseren Bericht HIER) verfügt Blue Cap zum Jahresende 2025 über eine Netto-Liquidität von etwas mehr als 52 Mio. Euro. Damit ist allein der aktuelle Börsenwert von gut 79 Mio. Euro zu rund zwei Dritteln durch Cash unterlegt. In einer Zeit, in der es „sehr hilfreich ist, genug Cash zu haben“, wie Henning von Kottwitz betont, ist das tatsächlich eine komfortable Ausgangsbasis. Aber natürlich tritt Blue Cap nicht in der Disziplin „Festgeldkonto“ an, sondern will die Kapitalmarktstory durch wachstumsstarke Zukäufe weiterentwickeln.
„Mit einer guten Handvoll Unternehmen“ befindet sich Blue Cap dem Vernehmen nach in der näheren Prüfungsphase – die gesamte Pipeline ist naturgemäß deutlich größer. Ziel ist es, das Portfolio auch kurzfristig zu stärken. Unter Zugzwang sieht sich Henning von Kottwitz aber nicht: „Wir warten auf die richtigen Gelegenheiten. Es gibt keine Schnellschüsse.“ Im Fokus stehen aber klar eigenständige Akquisitionen – es geht also primär nicht um Ergänzungszukäufe für die zurzeit fünf Portfoliowerte aus den Bereichen Industrials und Business-Services. Dabei dürften die Fühler eher Richtung Industrie ausgestreckt sein, zumal Blue Cap mit den beiden Service-Vertretern HY-Line (Elektroniksysteme) und Transline (Übersetzungen) im vergangenen Jahr gerade einmal eine „Schadenbegrenzung“ gelungen ist, wie COO Henning Eschweiler auf der Airtime-Veranstaltung einräumt.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
232,00
267,35
347,51
273,32
205,90
129,10
131,00
EBITDA1,2
34,47
25,41
30,30
15,18
17,95
7,20
7,35
EBITDA-margin %3
14,86
9,50
8,72
5,55
8,72
5,57
5,61
EBIT1,4
21,37
7,82
16,96
-13,51
0,98
23,00
0,00
EBIT-margin %5
9,21
2,93
4,88
-4,94
0,48
17,56
0,00
Net profit1
16,49
4,72
10,44
-20,28
12,23
19,00
0,00
Net-margin %6
7,11
1,77
3,00
-7,42
5,94
14,50
0,00
Cashflow1,7
12,60
12,44
16,99
19,60
13,00
18,00
0,00
Earnings per share8
4,15
1,24
2,78
-4,02
2,96
4,20
1,30
Dividend per share8
1,00
0,85
0,90
0,65
1,10
1,25
0,65
Umso interessanter, dass er den Klebstoffproduzenten Planatol als seinen „Favoriten für die größte Wertsteigerung“ einstuft. Ein Hinweis auf einen möglichen Exit soll das jedoch nicht sein. „Wir sind im Moment nicht im Verkaufsmodus“, sagt Henning von Kottwitz. Für 2026 sehen die Planungen derweil Erlöse in einer Bandbreite von 120 bis 140 Mio. Euro (Vorjahr: 129,1 Mio. Euro) sowie eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 5 und 6 Prozent (Vorjahr: 6,7 Prozent) vor. Das sieht jetzt nicht übermäßig forsch aus, doch eher seitwärts gerichtete Ausblicke werden die Anleger in der laufenden Berichtssaison wohl noch häufiger hören. „Wir gehen nicht davon aus, dass wir marktseitig besonderen Rückenwind bekommen“, sagt Henning von Kottwitz.
Mit dem bis Ende April avisierten Geschäftsbericht für 2025 wird das Unternehmen dann auch den für die Beurteilung der Aktie wichtigen Substanzwert (NAV) aktualisieren. Zum Halbjahr 2025 lag der NAV bei 29,11 Euro je Aktie. Die Aktie notiert also deutlich unter dem NAV. Wichtig dabei: Durch den hohen Cashanteil sollte der NAV auch in der zurzeit wackligen ökonomischen und politischen Gemengelage ziemlich belastbar sein – auch wenn zurzeit noch einige Stresstests in der Wertermittlung der Beteiligungen laufen. Dabei muss man kein Prophet sein, um zu erkennen, dass insbesondere das Segment Business Services unter Beobachtung steht. Insgesamt gefällt boersengefluester.de die Chance-Risiko-Kombination bei Blue Cap unverändert gut. Noch besser wäre es freilich, wenn der Beteiligungs-Newsflow wieder mehr Dynamik bekommen würde.
INVESTOR-INFORMATION
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Blue Cap
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A0JM2M
DE000A0JM2M1
AG
79,40 Mio €
10.10.2006
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