Starke Präsentation von Blue Cap auf den 14. Hamburger Investorentagen (HIT) Ende August 2025. Dabei war boersengefluester.de zunächst hin- und hergerissen, denn zeitgleich mit Blue Cap lief im Stream B der Vortrag des in der UV-Technik tätigen schwedischen Chart-Highflyers Intellego Technologies AB. Letztlich war es aber eine gute Wahl, sich für die 30 Minuten Druckbetankung mit Blue Cap-Stoff zu entscheiden. Immerhin hat CEO Henning von Kottwitz zurzeit jede Menge wichtige Neuigkeiten, die am Kapitalmarkt – trotz der jüngsten Kursreaktion nach oben – noch gar nicht voll durchgesickert sind, so zumindest der Eindruck von boersengefluester.de. Wichtigste Veränderung bei der auf mittelständische Industrieunternehmen spezialisierten Beteiligungsgesellschaft ist der Mitte August kommunizierte Verkauf der im Kunststoffbereich tätigen Tochter con-pearl aus dem circa 50 Kilometer südöstlich von Göttingen gelegenen Geismar. Den Gesamterlös vor Steuern für die größte Portfoliotochter gibt Blue Cap im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich an.
Die Analysten von SMC Research taxieren die Transaktion auf eine Größenordnung von etwa 70 Mio. Euro. Bezogen auf das eingesetzte Kapital spricht Blue Cap von einem Multiple von 15 auf das eingesetzte Kapital für die 2019 erworbene con-pearl. „Das ist eine wirklich gute Geschichte“, sagt Henning von Kottwitz zu dem mittlerweile dritten Exit aus dem Blue Cap-Portfolio innerhalb der vergangenen 12 Monate. Tatsächlich hat con-pearl mit seinen zuletzt gut 71 Mio. Euro ein derart großes Gewicht im Depot der Münchner, dass die bisherige Konzernprognose für das Gesamtjahr signifikant angepasst werden musste. So rechnet der Vorstand nun mit Erlösen zwischen 120 und 140 Mio. Euro – nach zuvor 200 bis 220 Mio. Euro. Die um Einmaleffekte adjustierte EBITDA-Marge dürfte von bislang avisierten 10 bis 11 Prozent auf eine Spanne zwischen 5 und 6 Prozent sinken.
Letztlich ist die Vorschau aber nur eine Momentaufnahme. „Ich gehe davon aus, dass wir dieses Jahr noch gute Zukäufe tätigen werden“, sagt Vorstand von Kottwitz. Dabei schaut sich das Management dem Vernehmen nach zurzeit Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 50 und 120 Mio. Euro als potenzielle Neuerwerbe an. Grundsätzlich soll zwar der Löwenanteil aus den Exits in das Portfolio reinvestiert werden, fester Bestandteil der Investor-Relations-Strategie ist aber auch eine Bonusausschüttung, sofern es entsprechende Firmenverkäufe gab. Insofern dürfen Anleger davon ausgehen, dass zur Hauptversammlung im Jahr 2026 erneut ein attraktives Dividendenpaket auf die Agenda rücken wird. Zur Einordnung: Für 2024 gab es neben der Basisdividende von 0,65 Euro eine Sonderzahlung von 0,45 Euro je Aktie. Dabei soll allein der Sockelbetrag regelmäßig für eine Dividendenrendite von rund 3 Prozent stehen. Für dividendenorientierte Anleger ist der Titel damit schon per se eine interessante Option.
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2019
2020
2021
2022
2023
2024
2025
Umsatzerlöse1
225,67
232,00
267,35
347,51
273,32
205,90
131,00
EBITDA1,2
15,01
34,47
25,41
30,30
15,18
17,95
38,00
EBITDA-Marge %3
6,65
14,86
9,50
8,72
5,55
8,72
29,01
EBIT1,4
4,65
21,37
7,82
16,96
-13,51
0,98
23,00
EBIT-Marge %5
2,06
9,21
2,93
4,88
-4,94
0,48
17,56
Jahresüberschuss1
2,82
16,49
4,72
10,44
-20,28
12,23
19,00
Netto-Marge %6
1,25
7,11
1,77
3,00
-7,42
5,94
14,50
Cashflow1,7
1,84
12,60
12,44
16,99
19,60
13,00
18,00
Ergebnis je Aktie8
0,71
4,15
1,24
2,78
-4,02
2,96
4,20
Dividende je Aktie8
0,75
1,00
0,85
0,90
0,65
1,10
1,25
Nicht minder spannend ist zudem der enorme Discount des Aktienkurses zum Substanzwert (Net Asset Value – kurz: NAV) von zurzeit 30 Prozent. Das gilt umso mehr, weil sich durch die con-pearl-Transaktion nochmals ein „leicht positiver Effekt“ auf den NAV von 29,11 Euro je Aktie zum Halbjahr ergeben hat, wie Henning von Kottwitz auf dem HIT bestätigt. Nochmals interessanter wird dieser Zuwachs, weil sich der Cash-Anteil des NAV durch den Verkauf von con-pearl signifikant erhöht hat. Zugegeben: Auch das ist nur ein temporärer Effekt. Für Anleger, die eine Grundskepsis gegenüber offiziellen NAV-Angaben von Unternehmen haben, gibt es aufgrund des hohen Cash-Anteils derzeit aber besonders wenig Angriffsfläche gegenüber der Ermittlungsmethode.
Bewegung kommt derweil in das Dauerthema PartnerFonds. Die seit längerer Zeit in der Auflösung befindliche Gesellschaft hält noch gut 27 Prozent der Blue Cap-Aktien, was alles andere als förderlich für einen liquiden Börsenhandel ist und darüber hinaus stets als potenzieller Aktienüberhang gilt. Keine förderliche Kombination für den Chart der Blue Cap-Aktie. Da sich PartnerFonds mit einer finalen Umplatzierung oder einem Verkauf über die Börse schwertut, hat Henning von Kottwitz, als CEO von Blue Cap und zugleich Abwickler von PartnerFonds, auf der PartnerFonds-Hauptversammlung am 2. Juni 2025 in München einen Tausch von PartnerFonds-Anteilen in Blue Cap-Aktie in die Wege geleitet. Eine clevere, wenn auch in der Durchführung recht komplexe, Variante. Trotzdem: „Dieses Angebot kann eine positive Dynamik freisetzen“, sagt von Kottwitz.
Herausfordernd bleibt die Situation derweil bei dem Portfoliounternehmen Transline, das sich auf Sprachdienstleistungen wie Übersetzungen oder auch Lektorate für professionelle Zwecke spezialisiert hat. Hier schlägt KI mächtig ins Kontor, was 2022 – beim Erwerb von Transline – in diesem Ausmaß so nicht absehbar war. Dabei stand die Automatisierung von Übersetzungen schon damals als übergeordnetes Thema für Transline auf der Agenda. Losgelöst davon überwiegen bei Blue Cap aber klar die positiven Aspekte in der Equity-Story. Die Analysten von SMC Research siedeln das Kursziel bei 31,70 Euro an, was einem Potenzial von mehr als 50 Prozent entspricht.
Summa summarum hat die Aktie damit viel mehr Aufmerksamkeit verdient, als sie tatsächlich bekommt. Insofern ist die Präsentation auf den Hamburger Investorentagen (HIT) ein wichtiger Baustein auf dem Weg, die Marktkapitalisierung von zurzeit etwas mehr als 91 Mio. Euro signifikant voranzubringen. Und boersengefluester.de ist am Ende froh, sich doch nicht für die zeitgleich stattgefundene Präsentation der schwedischen Intellego Technologies auf dem von Montega veranstalteten HIT entschieden zu haben.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Blue Cap
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A0JM2M
DE000A0JM2M1
AG
91,52 Mio. €
10.10.2006
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Foto: boersengefluester.de GmbH