Frühestens Ende 2028 wird es die Binect AG nicht mehr geben. Normalerweise eine Horrorprognose für eine börsennotierte Company. In diesem Fall stammt die Einschätzung jedoch von der Gesellschaft selbst und ist nicht einmal zwingend eine schlechte Nachricht. Grund: Das auf das Dokumentenmanagement spezialisierte Unternehmen verkauft sein in der Binect GmbH gebündeltes operatives Geschäft an die hpc DUAL Österreich GmbH mit Sitz in Wien – insbesondere bekannt für ihren dualen Zustellungsdienst BriefButler. Den Verkaufserlös aus der Transaktion will Binect dabei nicht in neue geschäftliche Aktivitäten investieren, sondern – soweit wie möglich – an die Aktionäre rückführen. Für den Vorstand einer Aktiengesellschaft ist so eine Entscheidung natürlich die Ultima Ratio. Nachvollziehen kann boersengefluester.de die Beweggründe von CEO Frank Wermeyer aber durchaus.
Trotz vieler operativer Fortschritte in den vergangenen Jahren hat die Investmentstory an der Börse nicht wirklich gezündet. Und es spricht einiges dafür, dass das auch in absehbarer Zukunft so geblieben wäre. Eher unwahrscheinlich jedenfalls, dass Binect die für die weitere Digitalisierung nötigen Finanzmittel aus eigener Kraft hätte stemmen können. Schließlich ist die Kombination aus Microcap und einem Aktienkurs, der sich zeitweise gefährlich nahe der 1-Euro-Marke bewegte, alles andere als beliebt bei Investoren. Insofern ist der vor geraumer Zeit angestoßene Verkaufsprozess für das operative Geschäft eine legitime Option. Den Zuschlag hat hpc DUAL insbesondere deshalb bekommen, weil die Wiener das „mit erheblichem Abstand attraktivste indikative Angebot“ gemacht haben, wie es in den Unterlagen zur Hauptversammlung (HV) am 30. Juli 2026 heißt, wo über den Deal entschieden werden soll.
Laut der offiziellen Pressemitteilung fließen der Binect AG aus dem Verkauf der Tochter und der Rückführung von Darlehen in Summe 6,3 Mio. Euro zu. Zum Vergleich: An der Börse wird das Unternehmen zurzeit mit knapp 5,31 Mio. Euro bewertet. Liegt der Kapitalmarkt hier also zurzeit falsch, oder wie lässt sich die Lücke erklären? Nun: Der reine Kaufpreis für die Binect GmbH beträgt 3.529.965 Euro – davon sind 1.000.000 Euro als Sicherungseinbehalt allerdings erst am 30. Juni 2028 zu zahlen. Darüber hinaus stellt hpc 2.770.035 Euro für die Ablösung von Gesellschafterdarlehen aus alten MAX21-Zeiten zur Verfügung. Demnach fließen am 1. September 2026 – dem geplanten Vollzugstag – also zunächst einmal 5,30 Mio. Euro auf die Konten von Binect.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
9,08
10,11
12,48
14,78
20,96
22,13
23,00
EBITDA1,2
1,15
0,63
0,74
0,85
0,76
0,77
0,50
EBITDA-margin %3
12,67
6,23
5,93
5,75
3,64
3,47
2,17
EBIT1,4
0,45
0,19
0,32
0,35
0,02
0,03
-0,20
EBIT-margin %5
4,96
1,88
2,56
2,37
0,10
0,15
-0,87
Net profit1
0,45
0,10
0,15
0,10
0,08
0,12
15,22
Net-margin %6
4,96
0,99
1,20
0,68
0,38
0,54
-0,22
Cashflow1,7
0,85
-0,46
1,45
0,97
0,54
0,23
0,18
Earnings per share8
0,17
0,03
0,05
0,03
0,03
0,04
1,10
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Zusätzlich bestehen aus Investorensicht aber der bereits erwähnte Kaufpreiseinbehalt 1,00 Mio. Euro, die für 2026 bis zum Vollzugstag aufgelaufene Konzernumlage von rund 430.000 Euro sowie die Einnahmen von bis zu 225.000 Euro aus einem mit hpc vereinbarten Beratervertrag. Außerdem weist die Bincect AG im HGB-Einzelabschluss per Jahresende 2025 liquide Mittel von rund 845.000 Euro aus. Alles in allem ergibt sich hieraus eine Summe von rund 7,80 Mio. Euro. Davon abzuziehen sind AG-Kosten für die Jahre 2026, 2027 und 2027 von insgesamt vermutlich 1,47 Mio. Euro. Auf Basis dieser Kalkulation ergibt sich ein potenzieller Ausschüttungsbetrag von rund 6,33 Mio. Euro – oder 1,97 Euro je Aktie.
Geplant ist nun folgendes Prozedere: In einem ersten Schritt soll durch verschiedene Bilanzmaßnahmen – konkret geht es um die Umwandlung von Rücklagen – überhaupt erst einmal erreicht werden, dass Binect formal in der Lage ist, Kapital auszuschütten. Konkret soll den Aktionären dann noch 2026 ein Angebot unterbreitet werden, dass sie für je drei im Depot befindliche Binect-Aktien zwei Anteile für bis zu je 2,10 Euro andienen können. Für die noch verbliebenen Aktien soll dann eine Offerte für bis zu 1,80 Euro je Aktie folgen – allerdings frühestens Mitte 2028, da die Mittel möglicherweise noch für Gewährleistungen benötigt werden. Alles unter Vorbehalt – versteht sich. Die gesamte Transaktion muss zunächst die Hauptversammlung Ende Juli 2026 erfolgreich bestehen.
Interessante Randnotiz: Um sich vom verkauften Geschäft abzugrenzen, ist auf der HV eine Umfirmierung in „maxx26“ geplant. Liegt die Börse also falsch mit dem gegenwärtigen Aktienkurs von 1,65 Euro? Nun: Ein wenig übertrieben erscheint uns der Risikoabschlag momentan schon zu sein. Selbst wenn es natürlich noch Unsicherheiten gibt und Binect eine extrem enge Aktie ist. Die Perspektive, noch im laufenden Jahr zwei Drittel seines Bestands für bis zu 2,10 Euro andienen zu können, wäre jedenfalls ein starkes Argument für ein kurzfristiges Aufwärtspotenzial. Da die eingereichten Aktien von Binect unverzüglich eingezogen werden sollen, wird der Markt anschließend allerdings nochmals enger. Unter Umständen müssen Anleger, die nicht über die Börsen verkaufen wollen, bis mindestens Mitte 2028 warten, um ihre Anteile für den gewünschten Kurs zu veräußern. Eine derart lange Zeitspanne ist nicht jedermanns Sache.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Binect
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A3H213
DE000A3H2135
AG
5,31 Mio €
28.11.2006
Halten
Foto: Magnific
