Verrückter Kapitalmarkt: Nicht einmal 20 Mio. Euro Börsenwert für ein in der Ausspielung hochwertiger Werbeformate tätiges Unternehmen mit eigener Technologie und einem für 2026 avisierten EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) zwischen 3,0 und 4,5 Mio. Euro? Als YOC-CEO Dirk Kraus Anfang April in genau dieser Konstellation seine Prognosen für das laufende Jahr kommunizierte, schnellte der Aktienkurs von etwa 5 Euro bis auf über 7 Euro in die Höhe. Gut vier Monate später, zur Vorlage der Halbjahreszahlen für 2026 auf der Airtime-Plattform, bestätigt das YOC-Vorstandsteam genau diesen Ausblick – mit nur einem Unterschied: Der Aktienkurs hängt erneut im Kurskeller bei 5,50 Euro fest.
Dass die Notiz überhaupt wieder in diese zuletzt Ende 2021 erreichte Chartregion zurückgefallen ist, zeigt, wie absurd niedrig manche Smallcaps zurzeit bewertet sind. Keine Frage: Zum Halbjahr 2026 zeigen die Erlöse mit einem Zuwachs von 3,6 Prozent auf 17,69 Mio. Euro noch längst nicht das erhoffte Tempo. „Unser Anspruch ist ein zweistelliges Umsatzwachstum“, sagt CFO Sebastian Bauermann. Ohne die nötigen Impulse aus dem für YOC so wichtigen Heimatmarkt Deutschland ist es aber eben schwer, entscheidend voranzukommen. Doch genau in diesem Punkt versprüht Vorstand Dirk Kraus Zuversicht: „Für das zweite Halbjahr werden wir wieder ein Wachstum in Deutschland sehen.“ Ein Selbstläufer wird das allerdings nicht. „Deutschland ist einfach schwierig“, räumt Kraus ein.
Entsprechend konsequent agiert YOC bei der Optimierung der Fixkosten. So hat sich die Rohertragsmarge – eine der zentralen Leistungskennzahlen der Berliner – in den ersten beiden Quartalen 2026 jeweils leicht oberhalb der Marke von 43 Prozent stabilisiert. Die Benchmark aus den Jahren 2023/24 mit Rohertragsquoten in einem Korridor zwischen 45 und 47 Prozent ist damit noch nicht in unmittelbarer Nähe. Doch Sebastian Bauermann ist guter Dinge, die Rohertragsmarge in den kommenden zwei bis drei Quartalen sukzessive um weitere 2 Prozentpunkte zu steigern. Valide Prognosen sind aber schwierig. „Das hängt auch immer ein bisschen davon ab, über welchen Vertriebsweg die Kunden bei uns einkaufen“, betont Dirk Kraus.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
15,49
18,84
23,43
30,63
35,01
37,13
40,00
EBITDA1,2
1,84
2,85
3,47
4,40
5,17
2,36
4,10
EBITDA-margin %3
11,88
15,13
14,81
14,37
14,77
6,37
10,25
EBIT1,4
1,13
2,01
2,33
2,93
3,50
0,28
1,75
EBIT-margin %5
7,30
10,67
9,95
9,57
10,00
0,76
4,38
Net profit1
1,26
2,07
2,34
2,90
3,72
-0,41
1,15
Net-margin %6
8,13
10,99
9,99
9,47
10,63
-1,11
2,88
Cashflow1,7
1,02
2,72
2,45
3,91
4,10
3,76
3,40
Earnings per share8
0,09
0,60
0,67
0,83
1,07
-0,12
0,33
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Die vermutlich wichtigere Botschaft an dieser Stelle ist, dass der Q3 2024 begonnene signifikante Rückgang der Rohertragsmarge von der Spitze 48,7 Prozent auf im Tief 41,4 Prozent durch die vielen eingeleiteten Maßnahmen längst gestoppt und zurück in einen Aufwärtstrend gedreht wurde. Ob YOC mit diesen Vorgaben am Jahresende 2026 eher am unteren oder sogar am oberen Ende der avisierten Ergebnisspannen für EBITDA (3,0 bis 4,5 Mio. Euro) sowie für das Ergebnis nach Steuern (0,0 bis 1,5 Mio. Euro) landet, möchte Finanzvorstand Bauermann derzeit allerdings noch nicht eingrenzen. Das ist insofern verständlich, weil sich bei YOC regelmäßig erst im Abschlussquartal entscheidet, wohin die Reise geht.
Sollte das Unternehmen es mittelfristig zurück in die ehemalige Rentabilitätsklasse schaffen, sollte das mit einem EBITDA von 4 bis 5 Mio. Euro wie 2023 und 2024 einhergehen. Zum Vergleich: Damals kostete die YOC-Aktie in der Spitze deutlich über 20 Euro. Aber dafür muss das Unternehmen eben auch entsprechend liefern. Nicht irritieren sollte Anleger derweil, dass der Bestand an liquiden Mitteln von 4,11 Mio. Euro zum Jahresende 2025 auf nun 0,92 Mio. Euro (H1 2025: 0,71 Mio. Euro) geschrumpft ist. Hier spiegeln sich unter anderem Abrechnungseffekte mit den Agenturen und die Saisonalität des Geschäftsmodells wider. „Ich gehe davon aus, dass wir zum Ende des Jahres ungefähr 3,5 bis 4,0 Millionen Euro in der Kasse haben“, sagt Finanzvorstand Bauermann. Für risikobereite Investoren ist der Titel auf dem aktuell stark gedrückten Niveau eine hochinteressante Option. Montega setzt das Kursziel weiter bei 15 Euro an.
INVESTOR-INFORMATION
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YOC
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
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Located
593273
DE0005932735
AG
18,98 Mio €
30.04.2009
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Foto: Magnific
