War von Anfang an klar, dass das kein gewöhnlicher Investoren-Call zur Vorlage der Halbjahreszahlen 2026 bei Steyr Motors werden würde. Immerhin hatte der Hersteller von Spezialdieselmotoren – vorzugsweise für den Einsatz im militärischen Umfeld – erst wenige Tage zuvor eine fiese Umsatz- und Gewinnwarnung für 2026 kommuniziert, seine ambitionierten Ziele für 2027 kassiert und dann auch noch von mittlerweile abgebrochenen Übernahmeverhandlungen durch den US-Rüstungshersteller Red Cat Holding berichtet. Kein Wunder also, dass die Präsentation von CEO Julian Cassutti und CFO Björn Krausmann inklusive Frage-Antwort-Runde diesmal erst nach knapp 1 Stunde beendet war. Das ist deutlich länger, als solche Veranstaltungen bei Steyr Motors üblicherweise dauern.
Nun: So sehr die jüngsten Ereignisse am Vertrauen in die Prognosequalitäten des Vorstands genagt haben und sich entsprechend auch im Aktienchart schmerzhaft zeigen. Die zentrale Botschaft von Julian Cassutti bleibt: „Die zugrundeliegenden Markttreiber und die erwartete Nachfrage bleiben intakt.“ Es braucht allerdings wohl ein bis zwei Jahre länger, bis sich bestimmte Projekte materialisieren. So werden die eigentlich für 2027 avisierten rund 140 Mio. Euro Umsatz vermutlich erst 2029 realisiert. Und das wohl auch nur dann, wenn bis dahin noch circa 20 Mio. Euro an zusätzlichen Erlösen über Akquisitionen dazukommen.
Gewunden wie ein Aal hat sich Cassutti indes bei der Antwort auf die Frage eines Analysten, ob damit auch die bisherige EBIT-Prognose von rund 40 Mio. Euro für 2027 auf das Jahr 2029 geschoben sei. Nun, freestyle übersetzt heißt es wohl: Möglich ist zwar alles, aber im Grunde gibt es derzeit eher keine EBIT-Guidance mehr für 2029. Dabei betont Cassutti ausdrücklich, dass keines der geplanten Projekte von Kundenseite gecancelt wurde, es sich tatsächlich nur um Verschiebungen handelt. Umso wichtiger für das Unternehmen, dass die strategische Neuausrichtung vom reinen Motorenhersteller hin zu einem Anbieter von geschäftskritischen Antriebs- und Energielösungen konsequent umgesetzt wird.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
0,00
40,40
28,05
38,13
41,66
48,48
58,00
EBITDA1,2
0,00
2,90
1,38
-1,44
7,40
6,78
7,00
EBITDA-margin %3
0,00
7,18
4,92
-3,78
17,76
13,99
12,07
EBIT1,4
0,00
2,00
0,39
-5,78
6,47
5,78
5,90
EBIT-margin %5
0,00
4,95
1,39
-15,16
15,53
11,91
10,17
Net profit1
0,00
1,50
0,19
-9,13
4,88
3,88
1,95
Net-margin %6
0,00
3,71
0,68
-23,94
11,71
8,01
3,36
Cashflow1,7
0,00
0,90
-5,80
1,88
2,03
4,47
7,00
Earnings per share8
0,00
0,29
0,04
-1,76
0,94
0,75
0,38
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,55
0,25
0,15
Signifikante zusätzliche Wachstumstreiber sieht Cassutti unverändert im Bereich der unbemannten Systeme, aber auch in der Erweiterung des Angebots um mobile Energielösungen wie der M12 Power Unit sowie neuen Antriebslösungen im Marinebereich. Die große Frage bleibt indes, ob sich potenzielle Übernahmeinteressenten wie Red Cat wirklich dauerhaft zurückgezogen haben oder sich nur für eine taktische Auszeit wegen der jüngsten Gewinnwarnung entschieden haben. Dass Steyr Motors eine überaus interessante Option sind, macht Cassutti in dem H1-Call jedenfalls unmissverständlich klar: „Die Kombination aus einer technologischen Nischenposition, einem soliden Auftragsbestand und kurzen Lieferzeiten macht uns für die jeweiligen Marktteilnehmer grundsätzlich attraktiv.“
Wer als Investor eher die kurzfristige Perspektive bevorzugt, wird seinen Blick auf die neue Prognose für 2026 schärfen. So kalkuliert CFO Björn Krausmann für das laufende Geschäftsjahr nur noch mit Umsätzen zwischen 56 und 61 Mio. Euro – nach bislang 75 bis 95 Mio. Euro. Die damit korrespondierende EBIT-Marge setzt er bei 8 bis 12 Prozent an. Das entspricht einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern in einer Bandbreite von 6,0 bis 7,3 Mio. Euro. Ursprünglich sollte die EBIT-Marge für 2026 bei mindestens 15 Prozent liegen, was auf ein Betriebsergebnis von Untergrenze 11 bis 14 Mio. Euro hinausgelaufen wäre. „Eine sehr konservative Prognose“, sagt Cassutti insbesondere mit Blick auf das untere Ende der Guidance.
Dabei dürfte Steyr Motors insbesondere im vierten Quartal deutlich an Tempo gewinnen. Das ist auch bitter nötig, denn der Halbjahresumsatz von 22,81 Mio. Euro und das damit verbundene EBIT von minus 1,06 Mio. Euro sehen wirklich trübe aus. Per saldo bleibt die Aktie von Steyr Motors zumindest eine gute Halten-Position, die schnell wieder an positivem Momentum gewinnen kann.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Steyr Motors
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A40TC4
AT0000A3FW25
AG
143,73 Mio €
30.10.2024
Foto: Magnific
