Wer sich den Chartverlauf der Staige One-Aktie anschaut, könnte meinen, die Gesellschaft sei auf Gold gestoßen oder habe eine sonst wie spektakuläre Entdeckung gemacht. Immerhin hat der Anteilschein allein seit Ende Juli 2026 um rund 100 Prozent zugelegt und kommt bei Kursen um 2,80 Euro auf einen Börsenwert von nun knapp 21,5 Mio. Euro. So gesehen hat boersengefluester.de den Microcap bei der jüngsten Besprechung Anfang Juni (HIER) prima erwischt. Umso wichtiger, bei der Entwicklung am Ball zu bleiben. Schließlich hat der ursprünglich aus dem Sportbereich stammende Spezialist für Bildverarbeitungstechnologien seinen Halbjahresbericht vorgelegt. Wie so häufig bei jungen Unternehmen finden sich die kurstreibenden Nachrichten zunächst aber noch gar nicht im Zahlenteil des Reports.
So hat Staige One – wie bereits Ende Mai 2026 kommuniziert – als Teil eines Konsortiums die Ausschreibung einer deutschen Sicherheitsbehörde zur Überwachung eines stark frequentierten Platzes einer deutschen Großstadt gewonnen – mit der Aussicht auf eine stufenweise Ausweitung auf andere neuralgische Plätze innerhalb des Stadtgebiets. Dem Vernehmen nach beläuft sich der Anteil von Staige One am Gesamtvolumen des Auftrags auf netto rund 600.000 Euro. Ein echtes Leuchtturmprojekt also. Zudem melden die Essener den Start ihrer Spezialkameras mit Gewalterkennungs-KI im Dortmunder Hauptbahnhof. „Das erste Halbjahr 2026 zeigt sehr deutlich, dass unsere strategische Transformation nun Wirkung entfaltet“, sagt CEO Jan Taube mit Blick auf die für die weitere Skalierung so entscheidende Ausweitung des Geschäftsmodells auf sicherheitsrelevante Anwendungen.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
1,27
3,83
4,10
2,60
2,04
2,04
3,35
EBITDA1,2
-1,90
-1,80
-6,00
-5,50
-3,53
-2,49
-0,10
EBITDA-margin %3
-149,61
-47,00
-146,34
-211,54
-173,04
-122,35
-2,99
EBIT1,4
-1,43
-1,12
-6,10
-5,80
-4,13
-3,09
-0,72
EBIT-margin %5
-112,60
-29,24
-148,78
-223,08
-202,45
-151,57
-21,49
Net profit1
-1,78
-1,42
-5,20
-3,07
-4,28
-4,22
-0,85
Net-margin %6
-140,16
-37,08
-126,83
-118,08
-209,80
-207,07
-25,37
Cashflow1,7
-1,74
-1,38
-5,10
-1,74
-3,22
-2,61
-0,25
Earnings per share8
-0,38
-0,31
-0,93
-1,33
-0,65
-0,56
-0,11
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Ein Selbstläufer ist das freilich nicht. „Die Herausforderung für das zweite Halbjahr 2026 wird sein, die gewonnenen und in Anbahnung befindlichen Projekte fristgerecht und erfolgreich umzusetzen“, heißt es im Zwischenbericht. Zudem gibt es eine neuerliche Konkretisierung der Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 auf nun 3,0 bis 3,5 Mio. Euro. Zur Hauptversammlung (HV) Mitte Juli nannte das Unternehmen noch eine Spanne von 3,7 bis 4,3 Mio. Euro. Ins Jahr gestartet war Staige One mit einer Erlösvorschau von 4,1 Mio. Euro für das Gesamtjahr. Das sieht zunächst nach einem ziemlichen Prognose-Ping-Pong aus. Tatsächlich gibt es Unsicherheiten, da die Gesellschaft bei der Kameraauslieferung für Kunden aus dem Sportbereich leicht hinter den Planungen liegt.
Doch Vorstand Taube setzt auf eine Aufholjagd: „Ein großer Teil des geplanten Jahresumsatzes wird im zweiten Halbjahr erwartet – entscheidend ist die fristgerechte Umsetzung der gewonnenen und in Anbahnung befindlichen Projekte.“ Die eigentlich entscheidende Botschaft ist jedoch, dass die zu erwartende Wertschöpfung aus den Kameraverkäufen steigt. Entsprechend bleibt es auch bei dem bislang genannten EBITDA-Korridor von minus 0,2 bis plus 0,2 Mio. Euro für das Gesamtjahr 2026.
Unter dem Strich ist boersengefluester.de aber schon der Meinung, dass die in der offiziellen Pressemitteilung gewählte Formulierung, wonach die Staige One AG „an ihrer Prognose für das Gesamtjahr 2026 festhält“, schon sehr großzügig interpretiert ist – Microcap hin oder her. Zur weiteren Einordnung: Zum Halbjahr 2026 kommt Staige One auf Umsatzerlöse von 1,03 Mio. Euro (Vorjahr: 0,92 Mio. Euro) und ein EBITDA von minus 0,47 Mio. Euro – nach minus 1,51 Mio. Euro in der vergleichbaren Vorjahresperiode. Im zweiten Halbjahr muss das Unternehmen also definitiv ordentlich aufs Pedal drücken.
Nicht unerwähnt bleiben soll auch, dass die Essener unverändert auf die finanzielle Unterstützung ihrer Großaktionäre Adesso und Malo Industriebeteiligungen angewiesen sind. So hat Malo erst im August 2026 eine weitere Kreditlinie über 400.000 Euro eingeräumt, wovon die Hälfte bereits ausgezahlt ist. Insofern ist die Halbjahresbilanz mit Netto-Finanzverbindlichkeiten von knapp 3,4 Mio. Euro schon wieder überholt. Nicht unbedingt erbaulich ist auch, dass das Eigenkapital per Ende Juni 2026 mit minus 316.000 Euro ins negative Terrain gerutscht ist.
Wer sich als Aktionär hier engagiert, sollte das zumindest wissen. Nun: Entscheidend für die Performance des Hotstocks bleibt somit die Kombination aus den zunehmenden Erfolgen im jungen Geschäftsfeld „Staige for Industries“ – also den sicherheitsrelevanten Anwendungen der Technologie – sowie dem finanziellen Rückhalt durch die Ankeraktionäre. Und diese beiden Punkte signalisieren derzeit grünes Licht. Allerdings muss Staige One eben auch zeigen, dass aus den vielversprechenden Projekten tatsächlich Umsatz und Ergebnis werden. Nach der Kursverdopplung ist die Messlatte jedenfalls deutlich höher gelegt. Wichtig: Limits bei der Orderaufgabe (Kauf und Verkauf) unbedingt Pflicht.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Staige One
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A3CQ5L
DE000A3CQ5L6
AG
21,36 Mio €
10.08.2023
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Foto: Magnific (mit KI erzeugt)
