Solutiance: „Skalierbarkeit wird Schritt für Schritt sichtbarer“

„Wer nur auf die Topline von Solutiance schaut, der blendet aus, was uns besonders macht“, sagt CEO Jonas Enderlein im Interview mit boersengefluester.de. Tatsächlich lohnt sich ein detaillierter Blick auf das Geschäftsmodell des technischen Dienstleisters für Gewerbe-Immobilien.
Thursday, 22 Oct 2026
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Solutiance

WKN: A32VN5
ISIN: DE000A32VN59
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1,31 €

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Regelmäßigen Lesern von boersengefluester.de dürfte die Aktie von Solutiance bereits ein Begriff sein – trotz des geringen Börsenwerts von nur knapp 9 Mio. Euro. Tatsächlich hat das 2018 aus der früheren Progeo hervorgegangene Unternehmen eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Keine Frage: Es waren auch wirklich schwierige Jahre dabei, aber letztlich ist die in Potsdam ansässige Solutiance AG ihren Weg gegangen, hat die operative Ausrichtung kontinuierlich weiterentwickelt und schaffte 2025 erstmals den Sprung in die Gewinnzone. Noch hängt das Zahlenwerk sehr an einzelnen Quartalen. Doch das Team um CEO Jonas Enderlein arbeitet daran, die Gesellschaft noch breiter aufzustellen und nachhaltig profitabel zu machen. 



Herr Enderlein, auf Kapitalmarktkonferenzen wird Solutiance häufig als Hightech-Dachdecker angekündigt. Wenn Sie Solutiance einem Immobilieninvestor in 60 Sekunden erklären müssten, welche konkreten Probleme lösen Sie? Und warum ist es für den Kunden wirtschaftlich sinnvoller, Sie zu beauftragen, als die Leistungen selbst zu organisieren?

Jonas Enderlein: Eigentümer und Betreiber von Immobilien leiden unter wachsenden Herausforderungen bei dünner werdenden Personaldecken. Zusätzliche Probleme entstehen dadurch, dass relevante Bestandsdaten nicht vorliegen bzw. nicht aktuell oder vollständig sind. Die digitale Transformation war in vielen dieser Unternehmen nicht erfolgreich – vor allem, weil Service und Software an vielen Stellen nicht zueinander gepasst haben. Solutiance bietet technologiebasierte Services an, bei denen Eigentümer und Betreiber Verantwortung abgeben können, ohne Kontrolle zu verlieren. Wir erstellen zuerst ein digitales Modell der Immobilie für das jeweilige Gewerk und bieten auf dieser Basis dann Services an. Alles, was sich vor Ort ändert, ändert sich auch im Modell. Unsere Kunden können jeden Schritt, den wir in ihrer Immobilie machen, also bequem vom PC aus verfolgen und dann fundierte Entscheidungen für den eigenen Bestand treffen.


Das heißt konkret?


Jonas Enderlein: Momentan bieten wir zwei Services an: Zum einen haben wir das Dachmanagement 4.0, bei dem wir – mit einem Partnernetzwerk aus angeschlossenen Betrieben im Rücken – deutschlandweit Dachdeckerleistungen anbieten. Wir digitalisieren Dächer und schaffen damit die Grundlage für smarte Investments in den Bestand. Im Bereich Betreiberpflichten-Controlling behalten wir Prüfungs- und Wartungspflichten technischer Anlagen für unsere Kunden im Blick und erinnern proaktiv an Pflichten und anstehende Termine. Das Thema ist komplex, weil jedes Bundesland andere Regeln hat und es auch je nach Assetklasse, also Gebäudetyp, Anlage oder Größe, Abweichungen geben kann. Wer sich nicht darum kümmert, riskiert Strafen oder Kaufpreiseinbehalte beim Verkauf. Unsere Vision ist es, irgendwann den kompletten Gebäudebetrieb über unsere Plattform abzubilden.


Wie blicken Sie bislang auf 2026 zurück? Solutiance gilt als wetterfühlig.


Jonas Enderlein: Der Wintereinbruch zu Beginn des Jahres hat zu Verschiebungen im Umsatz geführt. Aber hier gilt immer: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Alles, was wir wetterbedingt nicht ausführen können, wird eben später gemacht. Das Wetter wird durch die Erweiterung unseres Angebotes mehr und mehr eine untergeordnete Rolle spielen. Wenn man quartalsweise meldet, dann stößt das dem ein oder anderen auf, aber es spielt auf Jahresebene eine untergeordnete Rolle, solange wir die Maßnahmen nachholen können. Ansonsten haben wir in diesem Jahr eine Menge Meilensteine erreicht. Wir werden uns jetzt vom Factoring lösen, haben die Finanzierung des Unternehmens im Hinblick auf Working-Capital noch einmal auf andere Füße stellen können. Wir haben Fördergelder in Höhe von bis zu 1,9 Millionen Euro für das aktuelle und die kommenden zwei Geschäftsjahre akquiriert, mit denen wir unsere Plattform, gerade im Hinblick auf KI, weiterentwickeln können.


Und im täglichen Geschäft?


Jonas Enderlein: Plattformseitig haben wir weiter Prozesse verschlankt. So müssen Partner uns zum Beispiel keine Rechnung mehr schreiben. Gutschriften fallen jetzt automatisch aus dem System und entlasten beide Seiten weiter. Das klingt nach einer kleinen Änderung, aber bestimmte Prozessschritte fallen dadurch komplett weg und machen uns bei Dachdeckerbetrieben dann nochmal attraktiver. Und das ist dann der Grund, warum wir auch in solchen Zeiten überall Kapazitäten haben. Das ist aber nur eine von vielen Verbesserungen, die wir 2026 auf den Weg bringen konnten. Unser COO Emmerich Mohacsi, den wir 2025 für Solutiance gewinnen konnten, leistet bei der Weiterentwicklung einen wichtigen Beitrag. Im Bereich der Software-Entwicklung setzen wir mehr und mehr auf KI und konnten den Output damit bereits deutlich erhöhen, ohne dass wir Kompromisse beim Qualitätsmanagement gemacht haben.


Wie kriegt Solutiance diese zusätzlichen PS auf die Straße?


Jonas Enderlein: Ja, ganz wichtig – die Umstrukturierung des Vertriebs ist ebenfalls gut vorangekommen. Ich habe 2025 einen Sales-Manager aus meinem Netzwerk an Bord geholt und wir haben gemeinsam das „Prospect-Management“-Team ins Leben gerufen, das sich ausschließlich auf das Thema Neukundengewinnung fokussiert. Dieser Schritt war zwar erstmal ein Investment, hat in diesem Jahr aber bereits Früchte getragen. Unsere Neukundengewinnung kann sich – gerade vor dem Hintergrund der konjunkturellen Gesamtsituation – wirklich sehen lassen. Aktuelle Zahlen dazu werden wir Anfang November veröffentlichen, aber durch den hohen Automatisierungsgrad können wir jeden Monat mit vielen neuen, potenziellen Kunden sprechen. Unser neuer CSO Jörn Krüger und ich haben in diesem Jahr einige Punkte im Account-Management, also bei der Betreuung der Bestandskunden, verbessert. So sollten wir zukünftig auch beim Ausbau noch erfolgreicher sein. Auch eine Partnerschaft mit einem großen Immobiliendienstleister haben wir auf den Weg gebracht.



Kursentwicklung 2 Jahre
Solutiance Kurs: 1,31


Wie sieht die Prognose für das Gesamtjahr 2026 aus?


Jonas Enderlein: Wir sind ja schon im vierten Quartal. Hier machen wir praktisch immer den meisten Umsatz. Durch die Verschiebungen im ersten und zweiten Quartal haben wir jetzt natürlich besonders viel Druck, in relativ kurzer Zeit viele Maßnahmen im Bereich Dachmanagement 4.0 umzusetzen. Bisher liegen wir gut im Plan. Wenn wir, wovon ich ausgehe, einen milden Winter wie in den vergangenen Jahren zu dieser Zeit bekommen, werden wir wieder mit einem positiven Ergebnis und Wachstum aus dem Jahr gehen. Dabei ist unser Ergebnis aber durch Einmalkosten zum Aufsetzen des Förderprogramms und der Kreditlinie für das Working Capital belastet. Diese Kosten haben wir im nächsten Jahr natürlich nicht. Auch die Verstärkung des Vertriebs geht erstmalig ganzjährig ins Ergebnis ein. Aber sie ist „Enabler“ für das Wachstum, das wir brauchen, also eine gute und wichtige Investition.


Auf Ihrer privaten Webseite (jonas-enderlein.com) bezeichnen Sie sich als „großen Plattform-Enthusiasten“. Wie viel Volumen braucht Solutiance noch, um Skalierungseffekte so gut auszuspielen, dass am Ende nachhaltige Gewinne erwirtschaftet werden?


Jonas Enderlein: Ich glaube, wir haben bisher vor allem mit der Komplexität eines Plattform-Geschäftsmodells umgehen müssen, ohne dass wir bereits größere Skalierungseffekte sehen konnten. Es wird häufig übersehen, wie viel Arbeit dahintersteckt, Wertschöpfungsketten „Ende-zu-Ende“ aufzusetzen, Sonderfälle zu behandeln und eine gute Kundenerfahrung zu gewährleisten.

Es ist kein Zufall, dass viele ähnliche Unternehmen, gerade wenn sie wie Solutiance Wertschöpfungsketten in der Tiefe abbilden und nicht nur vermitteln, einige Jahre brauchen, bis sie sich tragen. Wir haben das zudem auf einer sehr dünnen Kapitalbasis geschafft – und gleich mit zwei Bereichen. Ich denke, wenn wir nördlich der 10 Millionen Euro sind, werden sich erste Vorteile herausbilden. Das ist aber nur eine vorsichtige Schätzung.


Momentan erleben auch früher sehr erfolgreiche Plattform-Geschäftsmodelle eine radikale Transformation durch KI. Reine Vermittler geraten unter Druck. Welche Chancen und Risiken ergeben sich durch KI für Solutiance?


Jonas Enderlein: Zunächst halte ich viel davon für eine Überreaktion. Nur weil man sich jetzt mit wenigen Prompts eine SaaS-Lösung bauen kann, heißt das nicht, dass bestehende Geschäftsmodelle sofort Probleme bekommen. Software ist mehr als die initiale Implementierung und schicke Demos. Dass beispielsweise auch Sicherheit, Wissensverteilung im Team und Codequalität dazugehören, werden einige erst noch schmerzhaft lernen müssen. Für uns sind die noch recht neuen Möglichkeiten von Vorteil, denn wir können mit der bestehenden Entwicklermannschaft deutlich mehr auf den Weg bringen als vorher. Darüber hinaus sind wir ja eine Art „digitale Servicefabrik“. Wir können also innerhalb unserer Wertschöpfungskette KI einsetzen, um den „Bearbeiter“ Schritt für Schritt zum „Überwacher“ der KI-Arbeit zu machen. So werden wir dann noch schneller und effizienter. Unsere hybride Aufstellung, also Service und Software in einer Leistung zu verschmelzen, ist ein starker „Kopierschutz“. Ein Risiko sehe ich, vor allen Dingen wegen der schlechten Datenlage in der Branche, zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Es fehlt an den Grundlagen, die wir uns auch erst selbst schaffen mussten.


Erklärtes Ziel ist es seit einiger Zeit, die Umsatzdynamik durch neue Gewerke mit weniger saisonalen Schwankungen zu forcieren. Wie ist hier der aktuelle Stand?


Jonas Enderlein: Wir sprechen mit unseren Kunden und arbeiten gerade an einem Prototyp. Mehr kann ich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen. Sobald das Gewerk selbst feststeht und wir die ersten Pilotprojekte umgesetzt haben, gehen wir damit in die Öffentlichkeit. Wir werden aber mit Sicherheit innerhalb des Gebäudes nach der nächsten Herausforderung suchen.


Auf der m:access-Konferenz der Börse München Mitte Oktober sprachen Sie sogar davon, mit Ihren Services alle 18 Monate in einen weiteren Immobilienbereich gehen zu wollen. Müssen sich Anleger damit auf dauerhafte Wachstumsinvestitionen einstellen, die das Ergebnis regelmäßig belasten?


Jonas Enderlein: Bisher ist es uns immer gut gelungen, uns Weiterentwicklungen fördern zu lassen. Kleinere Prototypen lassen sich, nicht zuletzt auch mithilfe von KI, relativ schnell konstruieren. Was wir an zusätzlichen Kosten für Personal in neuen Fachbereichen haben, werden wir über die ersten Aufträge zu kompensieren versuchen. Ich rechne nicht mit einer deutlichen Belastung des Ergebnisses. Gleichzeitig denke ich, dass für unsere Investoren ohnehin die langfristige Perspektive wichtiger ist als das Ergebnis heute oder morgen.


Das Thema Kapitalerhöhung bleibt also außen vor?


Jonas Enderlein: Ich werde auch weiterhin, schon aus eigenem Interesse als Aktionär, alles dafür tun, um das Eigenkapital zu schonen. Ich habe in den vergangenen acht Jahren aber auch gleich mehrere Krisen miterlebt und gelernt, dass man vieles eben nicht vorhersehen kann. Wir stehen inzwischen aber auf einer breiten Kundenbasis und die wiederkehrenden Umsätze decken Jahr für Jahr einen größeren Teil unserer Kosten, was etwaige Risiken natürlich verkleinert. Ich sehe nicht, dass wir diesen Weg nochmal gehen müssen. Ich denke, wir werden von Jahr zu Jahr ein Stück weiter davon wegrücken.


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The most important financial data at a glance
  2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026
Sales1 1,95 2,12 2,95 5,42 6,11 6,85 7,00
EBITDA1,2 -2,51 -2,18 -1,95 -0,26 -0,15 0,25 0,32
EBITDA-margin %3 -128,72 -102,83 -66,10 -4,80 -2,46 3,62 4,57
EBIT1,4 -2,79 -2,44 -1,42 -0,26 -0,16 0,23 0,29
EBIT-margin %5 -143,08 -115,09 -48,14 -4,80 -2,62 3,42 4,14
Net profit1 -2,99 -2,59 -1,91 -0,36 -0,29 0,14 0,17
Net-margin %6 -153,33 -122,17 -64,75 -6,64 -4,75 2,02 2,43
Cashflow1,7 -2,30 -2,29 -1,56 -0,73 0,16 0,51 0,56
Earnings per share8 -0,92 -0,47 -0,33 -0,06 -0,04 0,01 0,02
Dividend per share8 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Quelle: boersengefluester.de and company details


Welche neuen Anforderungen an den Vertrieb ergeben sich aus den zusätzlichen Gewerken?


Jonas Enderlein: Im Bereich der Neukundengewinnung wird sich zunehmend die Frage stellen, mit welchem Service man durch die erste Tür kommt. Im Moment ist das für uns das Dachmanagement. Im zweiten Takt gelingt es uns dann nicht selten auch das Betreiberpflichten-Controlling zu platzieren. Wir werden testen, mit welcher Ansprache und welchem Service wir zukünftig im ersten Schritt am effektivsten sind. Nach erstem Feedback von unseren Account-Managern wird es bei den Bestandskunden eher einfacher, denn je mehr wir abbilden können, desto attraktiver wird die Zusammenarbeit mit uns.


Welche Rolle spielt bei Ihnen mittlerweile das Geschäft mit behördlichen Immobilien?


Jonas Enderlein: Der Ausbau geht voran, aber eben genau in der Geschwindigkeit, die man erwarten würde. Entscheidungen dauern sehr lange. Das Thema Betreiberpflichten ist sehr interessant, da auch die öffentliche Hand immer dünner besetzt ist. Ich glaube, unsere Vertriebsaktivitäten sind hier eine Art Long-Term-Investment, das sich aber klar auszahlen wird. Ich bin erst einmal froh, dass wir alle Kriterien erfüllen, um eine solche Zusammenarbeit abzubilden. Zu prognostizieren, wie schnell das wie groß werden kann, ist aber bisher nicht möglich. Wir bleiben dran.


Bislang haben Sie sich mit mittelfristigen Prognosen stets zurückgehalten – auch weil in der Vergangenheit nicht immer alles so rund lief wie gedacht. Trotzdem: Welche operativen Margen sollten für ein Technologie-Unternehmen wie Solutiance perspektivisch in etwa das Ziel sein?


Jonas Enderlein: So wie der Vertrieb noch bis vor ein paar Jahren aufgestellt war, war es auch schwierig, valide Prognosen zu entwickeln. Da haben Einzelchancen und manuelle Fleißarbeit eine größere Rolle gespielt als Systeme, Kontinuität und Skalierbarkeit. Deshalb haben wir uns in diesem Bereich personell und strukturell neu aufgestellt. Jetzt haben wir ein Framework für Neukundengewinnung und Bestandskundenbetreuung. Damit werden wir wieder höhere Wachstumsraten erreichen und mittelfristig auch prognostizierbarere Erfolge erzielen. Natürlich werden Großaufträge und gesamtwirtschaftliche Faktoren auch weiterhin einen großen Einfluss haben. Was die Margen angeht: Wir positionieren uns ja zwischen klassischem Immobilien-Service und Technologie- bzw. Softwareunternehmen. Somit werden sich auch unsere operativen Margen zwischen denen dieser Bereiche bewegen. Dabei wird es in Zukunft auch rein digitale Produkte geben, die auf den Bestandsdaten aufsetzen und bei denen wir andere Margen erreichen können als mit unseren technologiebasierten Services. Genauer kann man das aber zum aktuellen Zeitpunkt nicht greifen.


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INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Solutiance
WKN ISIN Legal Type Marketcap IPO Recommendation Located
A32VN5 DE000A32VN59 AG 8,74 Mio € 12.04.2017 Kaufen
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Mit einem Börsenwert von zurzeit etwas weniger als 9 Mio. Euro gehört Solutiance zur Gruppe der Microcaps. Das macht es nicht einfacher am Kapitalmarkt, wo es vielfach um Größe und Handelsliquidität geht. Mit welcher Investor-Relations-Strategie stellt sich Solutiance den Herausforderungen?


Jonas Enderlein: Es ist kein Geheimnis, dass wir keine großen IR-Budgets zur Verfügung haben. Ich würde das momentan auch für den falschen Weg halten, dort noch mehr zu investieren. Ich setze viel auf den persönlichen Kontakt zu Investoren, nehme mir Zeit für Videokonferenzen, um Fragen zu beantworten und bemühe mich um Transparenz. Wir arbeiten mit Airtime zusammen, um regelmäßig über Quartalsergebnisse zu berichten und Hintergründe zu erläutern. Außerdem nehme ich jedes Jahr an einer Handvoll Konferenzen teil. Ansonsten fokussieren wir uns darauf, Geschäft und Plattform weiterzuentwickeln, denn nur das ist nachhaltig. Wenn wir dabei einen guten Job machen, kommen die Investoren ab einem gewissen Punkt von allein.


Ende September haben Sie 40.000 Solutiance-Aktien gekauft. Was unterschätzt der Kapitalmarkt Ihrer Meinung nach am meisten bei dem Unternehmen?


Jonas Enderlein: Amazon-Gründer Jeff Bezos hat einmal gesagt: „The stock is not the company – and the company is not the stock.” Es gibt viele Faktoren, die Einfluss auf die Bewertung eines Unternehmens am Kapitalmarkt haben. Gerade bei so einem kleinen Titel wie bei uns ist eben nicht alles eingepreist, auch weil sich aufgrund der Marktkapitalisierung nicht jeder die Zeit nimmt, genauer hinzuschauen. Wer nur auf die Topline von Solutiance schaut, der blendet aus, was uns besonders macht. Das ist so ein bisschen ein „Henne-Ei-Problem“, aus dem wir herauswachsen müssen. Weiteres Wachstum schafft die Grundlage dafür, dass sich mehr Menschen detaillierter mit uns auseinandersetzen, unsere Stärken erkennen und dann investieren. Unsere Skalierbarkeit wird Schritt für Schritt sichtbarer werden und dann werden wir auch an der Börse bessere Bewertungen sehen. Das sind jetzt echte Kaufkurse aus meiner Sicht. Deswegen habe ich die Gelegenheit genutzt.


Wie sehen die Erwartungen für 2027 aus: Wo kommt das Wachstum her?


Jonas Enderlein: Bis auf die Wachstumsraten bin ich mit den erreichten Meilensteinen 2026 soweit zufrieden. Damit der Umsatz wieder schneller wachsen kann, mussten die Weichen im Vertrieb gestellt werden. Jetzt rechne ich damit, dass wir wieder zu besseren Wachstumsraten kommen – allerdings in der Geschwindigkeit der Immobilienbranche. Der größte Teil des Wachstums für das kommende Jahr wird wohl von den Neukunden 2026 kommen. Das sind Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größenordnungen, in deren Bestände wir im nächsten Jahr weiter hereinwachsen werden. Wie lange es konkret dauern wird, bis wir wieder ein Umsatzwachstum nördlich der 20 Prozent haben, kann ich schwer prognostizieren.


Immerhin. Von den Tiefständen im Sommer 2026 bei etwas über 1 Euro hat sich der Aktienkurs von Solutiance bereits deutlich gelöst.


Jonas Enderlein: Ja, insgesamt schaue ich sehr positiv auf das kommende Jahr. 2027 werden die Factoring-Kosten von rund 100.000 Euro zu einem wesentlichen Teil wegfallen. Wir werden mehrere 100.000 Euro an Fördergeldern abrufen können und unsere Plattform deutlich weiterentwickeln können. Jetzt gilt es, bis Ende des Jahres noch Aufträge zu akquirieren, um eine gute Auftragsbasis für Q1 2027 zu schaffen. Im kommenden Jahr wollen wir dann auch die ersten Umsätze mit neuen Services generieren.


Vielen Dank für das Gespräch!


Foto: Solutiance AG, © Matthias Baumbach, im Bild: CEO Jonas Enderlein

EoM
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Hopes for a bottoming out
Kurs: 33,90
Consolidation following the rally
Kurs: 46,74
Will the bottoming out succeed?
Kurs: 3,71

Gereon Kruse is the founder of the Frankfurt-based financial portal boersengefluester.de and has been a profound expert on capital market topics and data journalism for many years. He specialises in German equities - especially second-line stocks. Gereon Kruse previously worked for the investor magazine BÖRSE ONLINE for 19 years - from 2000 to the beginning of 2013 in the role of deputy editor-in-chief. Tip: On the BGFL subpage References, we regularly present the conferences and other capital market events at which the boersengefluester.de team is currently travelling.

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