Kälte ist Gift für die Solutiance-Aktie. Zumindest wenn es draußen so frostig ist, dass der Gebäudedienstleister Solutiance keine Reparaturarbeiten auf den Dächern seiner Kunden durchführen kann. So knickten die Erlöse im Bereich Dachmanagement in den ersten drei Monaten 2026 um 34 Prozent auf 0,80 Mio. Euro ein. Auf Gruppenebene führte das zu einem Verlust vor Steuern von 0,34 Mio. Euro – nach einem geringfügig positiven Ergebnis im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. „Januar und Februar waren schon schwierig“, räumt CEO Jonas Enderlein im Hintergrundgespräch mit boersengefluester.de auf der von GBC organisierten MKK Münchner Kapitalmarkt Konferenz ein. Insofern liegt die Börse nicht ganz falsch mit dem zuletzt schwachen Verlauf im Chart der Solutiance-Aktie.
Aber es ist eben auch nur eine Momentaufnahme. So ist Jonas Enderlein sicher, dass Solutiance den Rückstand im zweiten Quartal wieder aufholt. Schließlich sind die Auftragsbücher gut gefüllt. Mit Blick nach vorn ist aber klar, dass die Gesellschaft ihr Geschäftsmodell breiter aufstellen muss, um wetterunabhängiger zu werden. „Das haben wir in diesem Jahr nochmal deutlich gelernt“, sagt Enderlein. Dabei hat Solutiance mit dem zwar kleineren, aber momentan deutlich dynamischer wachsenden Bereich Betreiberpflichten-Controlling (Brandschutz, Heizung, Aufzüge etc.) bereits ein Segment, das ganz überwiegend indoor erledigt wird. Insofern wird interessant, welche Produkte eine sinnvolle Ergänzung für das bisherige Portfolio von Solutiance sind. Wichtig: Die 2025 erstmals auf Gesamtjahressicht erreichte Profitabilität will Enderlein durch den Aufbau neuer Services keinesfalls gefährden.
Bereits auszuzahlen scheinen sich derweil die Umstrukturierungen im Vertrieb – inklusive der Einbindung von KI-Tools, um die Kundenansprache noch effizienter zu gestalten. Aber auch in den Arbeiten vor Ort erhöht der Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Produktivität der Mitarbeiter signifikant. „Wenn ich einen Prozess, den ich viele tausend Mal im Jahr machen muss, von zwei Minuten auf 40 Sekunden runterkriege, dann hat das einen enormen Einfluss darauf, wie effizient und skalierbar das Geschäftsmodell ist“, sagt Enderlein. Per saldo will Enderlein 2026 bei einer moderaten Umsatzsteigerung das positive Ergebnis von 138.000 Euro von 2025 weiter ausbauen. Eine Guidance, die sich letztlich auch auf 2027 und 2028 fortschreiben lässt – zumindest ist es gegenüber dem Wirtschaftsprüfer kommuniziert.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
1,95
2,12
2,95
5,42
6,11
6,85
7,80
EBITDA1,2
-2,51
-2,18
-1,95
-0,26
-0,15
0,25
0,55
EBITDA-margin %3
-128,72
-102,83
-66,10
-4,80
-2,46
3,62
7,05
EBIT1,4
-2,79
-2,44
-1,42
-0,26
-0,16
0,23
0,50
EBIT-margin %5
-143,08
-115,09
-48,14
-4,80
-2,62
3,42
6,41
Net profit1
-2,99
-2,59
-1,91
-0,36
-0,29
0,14
0,40
Net-margin %6
-153,33
-122,17
-64,75
-6,64
-4,75
2,02
5,13
Cashflow1,7
-2,30
-2,29
-1,56
-0,73
0,16
0,51
0,56
Earnings per share8
-0,92
-0,47
-0,33
-0,06
-0,04
0,01
0,06
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Unverändert Bestand hat dabei auch die bisherige Grundaussage, dass für die Umsetzung des weiteren Wachstums keine Kapitalerhöhung mehr notwendig ist – auch wenn das Eigenkapital auf Konzernebene weiterhin negativ ist. Nun: Vielleicht dauert es länger als gedacht, bis die Investmentstory von Solutiance reüssiert. Und womöglich ist auch der Ergebnishebel nicht so groß wie früher mitunter am Kapitalmarkt gedacht. Andererseits ist boersengefluester.de überzeugt davon, dass Solutiance auf dem richtigen Weg ist. Nicht zu vergessen auch, dass das allgemeine wirtschaftliche Umfeld alles andere als förderlich ist. Da werden größere Reparaturen von Immobilieninhabern nach Möglichkeit gern auch mal geschoben, bis die Zeiten wieder besser sind. Doch die Zeit spielt Enderlein in die Karten: „Dächer altern unabhängig vom makroökonomischen Umfeld. Verschobene Investitionen führen nicht zu dauerhaft eingesparten Ausgaben, sondern zu zeitlich nachgelagerten Maßnahmen.“
Nächster relevanter Termin für Aktionäre ist die Hauptversammlung (HV) am 19. Mai 2026 in Berlin. Eine Dividende gibt es naturgemäß nicht. Dafür stehen Veränderungen im Aufsichtsrat an. Falk Raudies, CEO und Gründer von FCR Immobilien, will nicht mehr antreten. Dafür soll der Unternehmensberater Boris Karcher nachrücken. Spannend wird die Rochade insbesondere aber auch deshalb, weil Raudies zu den Ankerinvestoren von Solutiance zählt und der Gesellschaft in einer schwierigen Phase finanziell geholfen hat. Zudem dürften auch die Kontakte von Raudies immer hilfreich für Solutiance sein. Insofern bleibt abzuwarten, welchen Modus Falk Raudies künftig einschlägt. Das alles ändert aber nichts daran, dass wir den im Münchner Spezial-Freiverkehrssegment m:access gelisteten Microcap Solutiance für fundamental unterbewertet halten.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Solutiance
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A32VN5
DE000A32VN59
AG
8,88 Mio €
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Foto: Magnific
