Gefangen in einer Dauerschleife scheint Softing. So sehr sich das Team um CEO Wolfgang Trier auch abstrampelt – die nächste Krise ist schon da. „Rückenwind ist nicht zu erwarten, weniger Gegenwind wäre schon ein Geschenk“, sagt Trier. Dabei hat der Vorstand des Anbieters von Automatisierungslösungen und Messtechnikgeräten beinahe die Hoffnung aufgegeben, dass sich an der schwierigen ökonomischen Situation in absehbarer Zeit etwas ändert: „Die Unternehmen werden sich vermutlich in den gesamten verbleibenden 2020er-Jahren darauf einstellen müssen, in einem labilen konjunkturellen Umfeld ausschließlich aus eigener Kraft ihren Weg zu gehen.“
Verlassen kann sich Trier dabei auf Ankeraktionäre wie den Unternehmer Rudolf Noser, der kürzlich eine 10-Prozent-Kapitalerhöhung mit einem Brutto-Emissionserlös von 3,2 Mio. Euro im Alleingang stemmte und seinen Anteil so Richtung 28 Prozent schraubte. Dabei war der Geschäftsbericht für 2025 mit den nochmals schlechter als gedachten Zahlen noch gar nicht veröffentlicht. So fielen die Erlöse von Softing im vergangenen Jahr um 10,7 Prozent auf 84,89 Mio. Euro zurück. Das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) drehte von plus 497.000 Euro auf minus 5,54 Mio. Euro. Prognostiziert hatte das Unternehmen aus Haar in der Nähe von München ein EBIT von im schlechtesten Fall minus 2,50 Mio. Euro.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
77,60
84,69
98,31
112,60
95,06
84,89
81,00
EBITDA1,2
7,76
9,07
9,73
13,92
9,49
3,96
9,25
EBITDA-margin %3
10,00
10,71
9,90
12,36
9,98
4,67
11,42
EBIT1,4
-3,93
-0,48
0,76
-2,72
0,50
-5,54
-0,25
EBIT-margin %5
-5,06
-0,57
0,77
-2,42
0,53
-6,53
-0,31
Net profit1
-4,58
-0,07
-1,18
-5,71
-1,57
-5,37
-1,15
Net-margin %6
-5,90
-0,08
-1,20
-5,07
-1,65
-6,32
-1,42
Cashflow1,7
4,91
11,05
3,82
9,10
7,02
5,23
7,80
Earnings per share8
-0,50
0,01
-0,13
-0,63
-0,17
-0,54
-0,12
Dividend per share8
0,04
0,10
0,10
0,13
0,00
0,00
0,00
Hintergrund der Entwicklung sind die rückläufigen US-Umsätze, die fehlenden Erlöse aus der Mitte des Jahres verkauften Tochter Softing Italia sowie verschobene Großaufträge über das Jahresende hinaus. Unter dem Strich steht somit für 2025 ein Fehlbetrag von knapp 5,37 Mio. Euro (Vorjahr: minus 1,57 Mio. Euro). Immerhin verbesserte sich der Free Cashflow von 2,26 auf 3,68 Mio. Euro. Die eigentliche Hiobsbotschaft ist aber, dass die erst im Dezember 2025 kommunizierte Prognose für 2026 schon wieder kassiert wurde. So sieht der aktualisierte Ausblick nun Umsatzerlöse zwischen 80 und 85 Mio. Euro sowie ein EBIT in einer Bandbreite von minus 0,50 bis plus 0,50 Mio. Euro vor. Das im Wesentlichen um bilanzielle Sondereffekte aus Übernahmen bereinigte operative EBIT soll zwischen 3,00 und 4,00 Mio. Euro liegen. Verglichen mit den bisherigen Annahmen hat Softing die erwarteten Erlöse an beiden Enden der avisierten Spanne um 5 Mio. Euro gekürzt.
Beim operativen EBIT wurden jeweils 0,50 Mio. Euro abgeschnitten. Kein großes Drama, aber eben auch keine vertrauensbildende Maßnahme. Hoffnung macht, dass Trier von einer „vorsichtigen Planung“ spricht. Aber klar: Angesichts der kaum vorhersehbaren Auswirkungen des Iran-Kriegs und der vielen anderen Krisenherde stehen sämtliche Prognosen unter Vorbehalt. Da macht Softing keine Ausnahme. Einstellen sollten sich Investoren aber darauf, dass die Gesellschaft für 2026 unter dem Strich wohl erneut auf rote Zahlen zusteuert – und sich die Ergebnishoffnungen damit auf 2027 verschieben. Bleibt der auf mittlerweile auf 30,5 Mio. Euro gesunkene Börsenwert als Argument für bessere Zeiten im Chart. Immerhin macht die Marktkapitalisierung damit nur rund zwei Drittel des Eigenkapitals aus und entspricht zudem – unter Einbeziehung der Netto-Finanzverbindlichkeiten – auch nur etwa dem Faktor 4 auf das für 2026 zu erwartende EBITDA.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Softing
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
517800
DE0005178008
AG
31,88 Mio €
16.05.2000
Halten
Foto: Freepik
