Das Thema Altersvorsorgedepot ist noch gar nicht richtig in den Startlöchern, da überrollen die Broker den Markt bereits mit kostenlosen Tarifen für das obligatorische Standarddepot. Entsprechend besorgt ist der Kapitalmarkt, wie die Unternehmen damit jemals Geld verdienen wollen. Statt der erhofften Kursfantasie sorgt das branchenweite Wettrüsten im Chart der Smartbroker Holding vielmehr für Tiefkurse von mittlerweile rund 8 Euro. Klar: Ein Kurvenbild lässt sich nur selten eindimensional erklären. Zusätzlich sorgen sich die Anleger bei den Berlinern seit Monaten auch um die hinter den Erwartungen bleibende Entwicklung der Neukundenzahlen. „Seit Ausbruch des Iran-Konflikts beobachten wir eine spürbare Zurückhaltung bei der Neueröffnung von Depots. Dieses Muster deckt sich mit der allgemeinen Konsumzurückhaltung“, sagt CEO André Kolbinger.
Umso bemerkenswerter, dass die Bestandskunden – auch beim hauseigenen Smartbroker+ – unverändert aktiv traden. Ein Umstand, den der Kapitalmarkt momentan weitgehend ausblendet. Umso mehr sollten die Halbjahreszahlen der Smartbroker Holding wieder für mehr Licht sorgen. So liegen die Umsatzerlöse nach den ersten sechs Monaten 2026 mit 35,42 Mio. Euro nicht nur um 9,6 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreswert, sondern auch um rund 720.000 Euro über den eigenen Planungen. Das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) kam dabei signifikant von 0,06 Mio. Euro auf 2,20 Mio. Euro voran. Avisiert hatte André Kolbinger zum Halbjahr ein EBITDA von etwa 1,50 Mio. Euro. Insofern bestätigt das Unternehmen auch die bisherige Prognose für das Gesamtjahr 2026. Demnach ist mit Umsätzen zwischen 67 und 72 Mio. Euro zu rechnen. Das EBITDA soll sich in einer Spanne von minus 1,50 Mio. bis plus 1,50 Mio. Euro bewegen. Darin enthalten sind Marketingausgaben für die Neukundengewinnung von circa 12 Mio. Euro.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
28,21
48,20
52,79
46,54
52,48
68,28
69,50
EBITDA1,2
4,52
3,56
8,77
1,35
8,97
-0,33
1,50
EBITDA-margin %3
16,02
7,39
16,61
2,90
17,09
-0,48
2,16
EBIT1,4
2,03
0,35
-8,41
-5,22
-1,70
-10,60
-8,40
EBIT-margin %5
7,20
0,73
-15,93
-11,22
-3,24
-15,53
-12,09
Net profit1
3,55
-0,54
-10,07
-5,92
-1,39
-10,56
-8,80
Net-margin %6
12,58
-1,12
-19,08
-12,72
-2,65
-15,47
-12,66
Cashflow1,7
1,18
13,93
5,04
0,19
9,99
1,47
1,00
Earnings per share8
0,25
-0,04
-0,64
-0,38
-0,08
-0,62
-0,52
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Insbesondere auf der Ergebnisseite hat sich die Smartbroker Holding also einen soliden Puffer aufgebaut. Zudem setzt das Unternehmen auf frische Manpower im Marketing. „Wir sind überzeugt, dass sich mit dem eingesetzten Budget mehr erreichen lässt“, sagt Kolbinger. Tatsächlich erklärt das Team um André Kolbinger und Bankvorstand Thomas Soltau die mitunter vielschichtigen Hebel im Marketingmix alle vier Wochen in den KPI-Calls vor Investoren. Regelmäßige Leser von boersengefluester.de sind also im Bilde. „Erste sichtbare Ergebnisse dieser Neuausrichtung erwarten wir ab September 2026 – rechtzeitig vor den für das vierte Quartal geplanten Maßnahmen rund um das Altersvorsorgedepot“, betont André Kolbinger. Derweil gibt es in der Bilanz keine grundlegenden Verschiebungen zum Halbjahr. Das Eigenkapital hat sich aufgrund der Verluste um rund 3 Mio. auf 35,79 Mio. Euro ermäßigt. Die liquiden Mittel betragen komfortable 18,97 Mio. Euro – bei leicht erhöhten Bankverbindlichkeiten von 3,47 Mio. Euro.
Gut zu wissen: Erst kürzlich haben sich die Berliner einen Betriebsmittelkredit über ein Volumen von 20 Mio. Euro mit einer Laufzeit bis Ende 2030 gesichert. Das erhöht die Flexibilität bei der Umsetzung der Aktionen für das 2027 startende Altersvorsorgedepot ganz beträchtlich. Nach Auffassung von boersengefluester.de blickt die Börse bei der Smartbroker Holding zu einseitig auf die – keine Frage sehr starke – Konkurrenz um Branchengrößen wie Trade Republic, flatexDEGIRO oder auch Scalable. Viel zu kurz kommt dabei, dass auch der Smartbroker+ produktseitig top aufgestellt ist und quasi beide Welten – Neobroker und klassischer Broker – auf moderne Art kombiniert. „Das erste Halbjahr hat die operative Stärke unseres Geschäftsmodells bestätigt und gezeigt, wo wir nachlegen müssen“, sagt Kolbinger. „Mit dem Altersvorsorgedepot liegt der wichtigste Impuls des Jahres noch vor uns.“
Der aktuelle Börsenwert beträgt etwas mehr als 134 Mio. Euro. Rund 36 Prozent davon sind dem Streubesitz zuzurechnen, etwa 55 Prozent hält Kolbinger. Die Kursziele der Analysten liegen mittlerweile meilenweit über der aktuellen Notiz. Und ja: Der nächste wichtige Termin mit der Hauptversammlung am 10. September 2026 steht unmittelbar bevor. Heiße Tage also für die Smartbroker-Aktie.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Smartbroker Holding
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A2GS60
DE000A2GS609
AG
134,25 Mio €
22.02.2006
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Foto: Magnific
