CEO André Kolbinger hatte offenbar ein gutes Gespür dafür, dass es beim KPI-Reporting nicht nur um die wesentlichen Leistungsindikatoren der Smartbroker Holding für den Juni 2026 gehen würde, sondern den Investoren ein ganz anderer Punkt unter den Nägeln brennen würde. Entsprechend großzügig war die Zeit für den Frage-Antwort-Teil angesetzt. Und tatsächlich schwebte über der am Ende mehr als 80 Minuten dauernden digitalen Veranstaltung auf der Airtime-Plattform so etwas wie der „Geist von Trade Republic“. Grund: Der Neo-Broker hatte Anfang Juli sein neues Konzept für die Abwicklung von Wertpapierorders kommuniziert – und damit gleich mal den Aktienkurs des Partners Lang & Schwarz crashen lassen.
In gewisser Weise lässt sich die neue Handelstechnologie von Trade Republic mit den nun vielen neuen Ausführungsplätzen aber auch als Vorstoß Richtung Smartbroker+ deuten, zumal der Smartbroker solche Services bislang als eines seiner Abgrenzungsmerkmale zum üblicherweise sehr standardisierten und auf ETF-Sparpläne ausgerichteten Programm von Trade Republic gesehen hat. „Insofern ist für uns ein Wettbewerber mehr auf dem Rasen erschienen“, räumt Kolbinger ein – nimmt die Sache aber sportlich. Bestenfalls weitet Trade Republic durch ihr nun größeres Produktspektrum den Markt für potenzielle Trader und aktive Anleger signifikant aus, was am Ende auch auf den Smartbroker+ positiv abstrahlen dürfte, zumal die Funktionalitäten in der Handelsmaske des Smartbrokers wohl dauerhaft mehr Optionen für Trader bieten sollten.
Insofern geht Kolbinger auch nicht davon aus, dass Trade Republic dem eigenen Unternehmen signifikant Kunden abspenstig machen wird. Was die Entwicklung von neuen Produkten angeht, sagt Kolbinger aber klipp und klar: „Wir müssen schneller werden.“ Dabei sind die Berliner – zumindest verglichen mit vielen etablierten Anbietern aus der Brokerageszene – ohnehin zügig unterwegs. Aber das Tempo wird wohl nochmals zunehmen. „Am Ende wird es nicht nur ein Wettlauf um Ideen, sondern auch um die Geschwindigkeit bei der Umsetzung sein“, sagt Kolbinger. Dabei sieht er die Smartbroker Holding grundsätzlich gut aufgestellt, auch wegen der sich bietenden Möglichkeiten durch den Einsatz von KI. Intern wird bei den Berlinern sogar von der KI-Fabrik gesprochen.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
28,21
48,20
52,79
46,54
52,48
68,28
69,50
EBITDA1,2
4,52
3,56
8,77
1,35
8,97
-0,33
1,50
EBITDA-margin %3
16,02
7,39
16,61
2,90
17,09
-0,48
2,16
EBIT1,4
2,03
0,35
-8,41
-5,22
-1,70
-10,60
-8,40
EBIT-margin %5
7,20
0,73
-15,93
-11,22
-3,24
-15,53
-12,09
Net profit1
3,55
-0,54
-10,07
-5,92
-1,39
-10,56
-8,80
Net-margin %6
12,58
-1,12
-19,08
-12,72
-2,65
-15,47
-12,66
Cashflow1,7
1,18
13,93
5,04
0,19
9,99
1,47
1,00
Earnings per share8
0,25
-0,04
-0,64
-0,38
-0,08
-0,62
-0,52
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Die Ursachen des zuletzt nicht mehr so dynamischen Anstiegs bei den Neukunden sieht Kolbinger ohnehin primär in der allgemeinen Konsumschwäche seit Ausbruch des Iran-Kriegs. Dafür spricht insbesondere auch, dass sich die Marktbegleiter zurzeit ähnlich schwer mit der Akquise tun. Am bisherigen Ziel, für 2026 auf rund 100.000 Neukunden zu kommen, hält der Smartbroker aber fest. „Wir sind weiterhin recht zuversichtlich, dass es zum Jahresende in der Kurve noch mal ganz gut nach oben geht“, sagt Bankvorstand Thomas Soltau im KPI-Call. Ein echtes Brett bleibt jedoch der mittlerweile auf unter 9 Euro abgerutschte Aktienkurs – entsprechend einem Börsenwert von knapp 150 Mio. Euro. Auf dieser Basis wird jeder der derzeit 285.000 Kunden am Kapitalmarkt mit nur etwa 525 Euro bewertet. Kein Vergleich zu den großen internationalen Discountbrokern, die auf ganz andere Multiples kommen.
Die Gründe dafür sind vielschichtig. Zu einem maßgeblichen Anteil wirkt sich aber auch der für Smallcaps außerhalb der Indexlandschaft obligatorische Bewertungsabschlag aus. Schnelle Besserung ist da eher schwierig. Es dauert eben seine Zeit, bis man die für den Kapitalmarkt kritische Größe erreicht. „Ich glaube, Sie als Aktionär müssen sich überlegen, ob Sie bei jemandem dabei sein wollen, der noch klein ist, der in dreieinhalb Jahren aber schon etwas Technisches sehr Gutes aufgebaut hat“, wirbt CEO und Ankerinvestor André Kolbinger um Vertrauen.
Für 2026 rechnet das Unternehmen mit Erlösen zwischen 67 und 72 Mio. Euro sowie einem EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) in einer Bandbreite von minus 1,5 bis plus 1,5 Mio. Euro sowie einem leicht positiven operativen Cashflow. Die Analysten von Montega haben das Kursziel zuletzt bei 18 Euro – also weit über der aktuellen Notiz – angesetzt. Am 9. September stehen die Halbjahreszahlen für 2026 an. Am Tag darauf findet die Hauptversammlung statt.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Smartbroker Holding
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A2GS60
DE000A2GS609
AG
146,67 Mio €
22.02.2006
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Foto: Magnific
