Auf deutlich unter 9 Mio. Euro ist der Börsenwert von Pyramid – so kann man es in diesem Fall wohl sagen – gecrasht. Auslöser des Kursrutsches um rund 45 Prozent innerhalb weniger Tage ist eine angekündigte Barkapitalerhöhung im Verhältnis 1:1 mit einem Bezugskurs von gerade einmal 1,38 Euro. Dass die in den Bereichen Industrie-PC und -Server sowie Displaylösungen tätige Gesellschaft via Kapitalerhöhung ihre bilanziellen Qualitäten aufbessern wollte, kommt dabei nicht einmal überraschend. Spätestens auf dem Frankfurter Eigenkapitalforum im November 2025 (HIER) hatte CEO Andreas Empl seinen Vier-Punkte-Plan zur Kapitalmarktvitalisierung vorgestellt. Damals klang das Gesamtkonzept allerdings eher aus einer Position der Stärke. Immerhin hatte die Gesellschaft erst wenige Monate zuvor den Zuschlag für einen mehrjährigen Rahmenvertrag für KI-Server im Volumen von voraussichtlich mehr als 100 Mio. Euro gewonnen.
Ein Meilenstein für Pyramid. Insofern schien es nur konsequent, die zuvor recht komplexe Unternehmensstruktur zu vereinfachen und sich von wenig rentablen Bereichen zu trennen. Das geht einher mit Abkehr der zuvor eher globalen Aufstellung – hin zu einem Fokus auf Europa. Sichtbar insbesondere im Management-Buy-out der von China aus aktiven Tochter Faytech sowie der Trennung von kleineren Auslandsniederlassungen. „Wir haben die Welt verkauft“, sagt CEO Andraes Empl jetzt überspitzt in einem 100 Minuten dauernden XXL-Call zu den Hintergründen der anstehenden Kapitalerhöhung. Dass die virtuelle Veranstaltung am 2. Februar 2026 sich zeitlich so streckte, hängt im Wesentlichen zwar an der detaillierten Präsentation der operativen Rahmenbedingungen: vom Produktportfolio bis zum Zahlenwerk. Aber es gibt momentan eben auch viele Fragen von Investoren rund um die Einhaltung der Kreditabreden mit den finanzierenden Banken oder auch dem Anlauf des großen KI-Rahmenvertrags.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
0,63
58,00
91,86
76,02
68,29
74,50
90,00
EBITDA1,2
-1,18
5,70
4,16
5,41
3,38
2,10
4,30
EBITDA-margin %3
-187,30
9,83
4,53
7,12
4,95
2,95
4,78
EBIT1,4
-1,18
5,30
-4,13
-3,46
-1,42
-1,75
-0,50
EBIT-margin %5
-187,30
9,14
-4,50
-4,55
-2,08
-2,35
-0,56
Net profit1
-1,18
3,90
-4,90
-5,11
-3,28
-7,50
-1,20
Net-margin %6
-187,30
6,72
-5,33
-6,72
-4,80
-10,00
-1,33
Cashflow1,7
-1,18
3,20
-0,73
8,64
-9,53
2,80
4,60
Earnings per share8
-0,80
0,84
-0,88
-0,92
-0,56
-0,58
-0,20
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Kein Wunder angesichts des desaströsen Chartbilds der Aktie. „Wir haben eine Wachstumsstory und keinen Restrukturierungsfall“, sagt Vorstand Empl. Das Geld aus der Kapitalerhöhung dient in erster Linie der Warenfinanzierung – und nur zu einem kleinen Teil der Rückführung von Bankschulden. So tut sich Pyramid insbesondere wegen der zuletzt immer kostspieliger gewordenen Warenbeschaffung von Hightech-Komponenten schwer. „Da gehen uns dann Aufträge durch die Lappen. Um Neukunden zu gewinnen, brauchen wir Kapital“, räumt Empl ein. Am Ende ein schwieriger Spagat – auch mit den Banken, die Pyramid zwar beim Wachstum begleiten wollen, aber gleichzeitig auch auf die Einhaltung von Finanzkennzahlen pochen. Zurzeit liegt die Netto-Verschuldung bei rund 11 Mio. Euro – das entspricht dem Fünffachen des für 2025 zu erwartenden EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 2,2 Mio. Euro.
Insofern wäre der Maximalerlös von brutto knapp 8 Mio. Euro aus der Kapitalerhöhung eine Befreiung für die Münchner. Aber das Timing in der jetzigen labilen Börsenphase ist alles andere als günstig. Dem Vernehmen nach gibt es unverbindliche Interessenkundgebungen von Investoren im Volumen von etwa 3 Mio. Euro. Garantierte Zusagen liegen nicht vor. Ob die PVB Beteiligungs KG, mit einem Anteil von 36 Prozent größter Aktionär, an der Maßnahme teilnimmt, ist damit offen. Das vom Pyramid-Vorstand erhoffte Mindestziel aus der Transaktion liegt derweil bei 5,5 Mio. Euro. Falls am Ende weniger Geld reinkommt, wird Pyramid aber auch damit umgehen können. „Dann müssen wir halt mit angezogener Handbremse leben und dann ist das so“, sagt Empl. Trotzdem werden die kommenden Wochen richtungsweisend für das Unternehmen.
Die Finanzplanungen von CFO Christian Damjakob sehen zurzeit Umsätze zwischen 87 und 93 Mio. Euro für 2026 sowie ein damit korrespondierendes EBITDA zwischen 4,2 und 4,7 Mio. Euro vor. „Momentan sind wir hier am unteren Ende bei vielleicht 4,3 Mio. Euro“, sagt Damjakob. Für 2027 peilt der Finanzvorstand dann Erlöse zwischen 105 und 120 Mio. Euro sowie ein EBITDA von 5 bis 6 Mio. Euro an. Hintergrund ist, dass insbesondere der große KI-Server-Rahmenvertrag zur Ausstattung von mehr als 10.000 Filialen einer Einzelhandelskette wohl erst ab dem dritten Quartal 2026 seine volle Dynamik entfaltet. Zurzeit liegen die Abrufzahlen allerdings sogar unter den Erwartungen von Pyramid. Eine Folge der zurzeit außergewöhnlich hohen Preise für die eingebaute Elektronik. Entsprechend taktieren auch die Bestellprofis der Einzelhandelskette mit ihren Orders.
Doch zurück zur Kapitalerhöhung: Ganz wesentlich wird es darauf ankommen, wie stark sich der Freefloat – mit einem Anteil von 51 Prozent formal die größte Gruppe – engagiert. Das ist schwierig zu prognostizieren: Einerseits liegen wohl fast alle Investoren mit ihren Pyramid-Aktien hinten, was das Interesse am Nachkauf spürbar dämpft. Andererseits ist der Discount für die jungen Aktien eben auch sehr groß – und fundamental steht das in das Münchner Börsensegment m:access gewechselte Unternehmen vor einem strammen Wachstum. Für risikobereite Investoren ist es damit schon eine sinnvolle Option, sich näher mit der Maßnahme zu beschäftigen.
INVESTOR-INFORMATION
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Pyramid
WKN
ISIN
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Marketcap
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A41YDL
DE000A41YDL0
AG
8,65 Mio €
25.10.2006
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