Der abrupte Stimmungswechsel von Ende September 2025 ist einigermaßen verdaut. Noch immer wissen viele Investoren bei der Norma Group aber nicht, auf welches Szenario sie bei dem in der Verbindungstechnik für Fahrzeuge tätigen Unternehmen setzen sollen. Variante A: Nach dem Verkauf des Geschäfts rund um Bewässerungssysteme an den US-Konzern Advanced Drainage mit einem Netto-Mittelzufluss zwischen 620 und 640 Mio. Euro hat die Norma Group – neben dem Abbau von Finanzschulden – bis zu 260 Mio. Euro für die Rückführung an die Aktionäre reserviert. Konkret wird es sich wohl um eine Kombination aus Aktienrückkäufen bzw. der Einziehung von Aktien sowie einer klassischen Bardividende handeln.
Wie genau das Paket geschnürt wird, soll auf einer (Stand jetzt) für den 21. Mai 2026 angesetzten Dividende beschlossen werden. Sei es drum: Bei einem Börsenwert von zurzeit rund 495 Mio. Euro wird der Kurseinfluss definitiv markant sein. Gut möglich also, dass Norma in den kommenden Wochen als starke Dividendenstory an der Börse gespielt wird und sich der zuletzt wieder eingeschlagene Erholungskurs im Aktienchart weiter fortsetzt. Fakt ist allerdings auch, dass das verbleibende Kerngeschäft – als Variante B – momentan noch alles andere als Lust auf ein Engagement in dem SDAX-Titel macht. Zwar hat CEO Birgit Seeger ein ambitioniertes Transformationsprogramm „2025-2028“ aufgesetzt. Zunächst einmal musste die in Maintal nahe Frankfurt ansässige Gesellschaft aufgrund des unbefriedigenden Geschäftsverlaufs aber unpopuläre Entscheidungen wie eine Sonderabschreibung von rund 50 Mio. Euro auf den Firmenwert kommunizieren.
Nach neun Monaten 2025 zeigte die Norma Group daher einen Fehlbetrag von 59,6 Mio. Euro. Entsprechend deutlich wird auch der Jahresabschluss für das Gesamtjahr 2025 in den roten Zahlen zu erwarten sein. Wie am Kapitalmarkt üblich, lenkt Norma den Blick daher zurzeit auf das um solche Abschreibungen und andere Sonderfaktoren bereinigte operative Ergebnis. So kommt das Unternehmen für das abgelaufene Geschäftsjahr bei Umsatzerlösen von 821,7 Mio. Euro (bereinigtes Vorjahr: 881,8 Mio. Euro) auf ein adjustiertes EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) von 6,3 Mio. Euro (bereinigtes Vorjahr: 33,0 Mio. Euro). Das entspricht einer EBIT-Marge von knapp 0,8 Prozent für 2025. Der operative Cashflow fiel von 105 auf 96 Mio. Euro zurück.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
952,17
1.091,91
1.243,01
1.222,78
1.155,13
821,70
850,00
EBITDA1,2
99,31
167,59
157,24
154,04
153,07
10,00
50,00
EBITDA-margin %3
10,43
15,35
12,65
12,60
13,25
1,22
5,88
EBIT1,4
20,15
92,07
76,52
76,12
57,32
-60,00
-7,00
EBIT-margin %5
2,12
8,43
6,16
6,23
4,96
-7,30
-0,82
Net profit1
5,48
56,07
39,18
27,92
14,79
-68,00
-9,00
Net-margin %6
0,58
5,14
3,15
2,28
1,28
-8,28
-1,06
Cashflow1,7
133,54
108,39
76,52
118,91
136,99
95,60
45,00
Earnings per share8
0,18
1,76
1,23
0,87
0,46
-2,00
-0,28
Dividend per share8
0,70
0,75
0,55
0,45
0,40
0,00
3,00
Gemessen an den zuletzt in Aussicht gestellten Bandbreiten von 810 bis 830 Mio. Euro für den Umsatz sowie rund 0 Prozent bis rund 1 Prozent für die adjustierte EBIT-Marge und 75 bis 95 Mio. Euro für den Cashflow aus der betrieblichen Tätigkeit ist Norma also mit nur einem blauen Auge ins Ziel gekommen – selbst wenn die Zahlenwelt außerhalb der Bereinigungen ein zerknirschteres Bild zeichnet. Entsprechend viel Fantasie und Vertrauen in das Management müssen Anleger mitbringen, die auf einen erfolgreichen Transformationsprozess setzen. Ziel von Norma ist es, bis 2028 zweistellige operative Margen zu zeigen und sich als „Industrial Powerhouse“ im Bereich Verbindungstechnologie zu positionieren.
Bereits für 2026 ergibt sich dabei aus der Rückführung der Finanzverbindlichkeiten mit Hilfe der Erlöse aus dem Verkauf des Bewässerungsgeschäfts eine signifikante Entlastung im Zinsergebnis. Zur Einordnung: Nach neun Monaten 2025 lag das Finanzergebnis bei minus 13,3 Mio. Euro. Für 2024 und 2023 drückte der Saldo aus Finanzerträgen und Finanzierungsaufwendungen das Jahresergebnis um jeweils rund 23 Mio. Euro. Tendenziell müsste der Newsflow von Norma in den kommenden Quartalen also besser werden. Von wirklich ansprechenden Renditen ist die Gesellschaft aber noch ein erhebliches Stück entfernt. Trotzdem: Die Kombination aus Kapitalrückführung an die Aktionäre plus Turnaroundstory sollte nach Auffassung von boersengefluester.de in Summe für eher steigende Kurse sprechen.
INVESTOR-INFORMATION
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Norma Group
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A1H8BV
DE000A1H8BV3
SE
495,14 Mio €
08.04.2011
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Foto: Freepik
