„Das ist reiner Zufall“, sagt Lisa Jüngst, CEO von NanoRepro. Zwischen den nahezu zeitgleich gemeldeten Meldungen um die Platzierung einer 10-Prozent-Kapitalerhöhung und dem offiziellen Verkaufsstart des Kaltplasmageräts „PHLAS“ zur Behandlung von Hautunreinheiten gibt es demnach keinen direkten Zusammenhang. Tatsächlich sind beide News aber enorm kursrelevant für das lange Zeit in erster Linie für medizinische Schnelltests bekannte Unternehmen. Die Story im Schnelldurchlauf: 2021 verdiente sich NanoRepro mit Corona-Tests eine goldene Nase. Doch so schnell das Geschäft gekommen war, so schnell verflüchtigte es sich auch wieder.
Geblieben waren viele Millionen Euro, die die Marburger in neue Aktivitäten rund um den Healthcaresektor investierten. So hält die NanoRepro AG seit Herbst 2024 einen Anteil von etwas mehr als 50 Prozent an der auf Hautpflegeprodukte für Babys und Kinder spezialisierten Paedi Protect AG und hat indirekt damit auch ihren Anteil an der Deutschen Kosmetikwerke AG signifikant aufgestockt. Ende April 2025 folgte dann über das 33-Prozent-Engagement bei der hyped about science GmbH aus Garching – kurz: HYPED – der Einstieg in den Bereich der ästhetischen Behandlung mit Kaltplasmageräten. Zwar gab es das mobile Gerät und den Markennamen „PHLAS“ bereits, bis zur offiziellen Markteinführung und der stärkeren Verzahnung mit NanoRepro sind eben doch einige Monate vergangen. Den ursprünglich für Januar 2026 avisierten Launch-Termin konnte das Unternehmen wegen einer kleinen Extraschleife nicht ganz halten. Insgesamt ist das Projekt aber doch gut im Plan.
Jedenfalls ist die Zeit der Ankündigungen nun vorbei und Investoren werden das für NanoRepro so interessante neue Standbein genau verfolgen. „Wir platzieren uns bewusst im Premiumbereich“, sagt Lisa Jüngst mit Blick auf den Verkaufspreis von 399 Euro für ein Starterset. Immerhin kostet das zumindest aus Konsumentensicht einigermaßen vergleichbare Produkt von Glim Skin rund 100 Euro weniger. Lukrativ ist aber nicht nur der Verkauf des Handgeräts an sich. Der eigentliche Clou sind die erforderlichen Abstandshalter, die im 10er-Pack zurzeit für 29 Euro angeboten werden. Letztlich also ein ähnliches Modell wie etwa elektrische Zahnbürsten und die alle paar Monate fälligen Ersatzbürsten. Im Finanzsprech geht es also um wiederkehrende Umsatzerlöse. In den ersten sechs Monaten soll der Vertrieb über die eigene Webseite phlas.com laufen – beworben über Social Media, Modemagazine wie Elle oder auch Harper's Bazar sowie Influencer.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
16,93
162,72
38,49
3,18
4,47
14,00
18,00
EBITDA1,2
4,69
39,53
5,46
-4,42
-3,52
-2,30
0,25
EBITDA-margin %3
27,70
24,29
14,19
-138,99
-78,75
-16,43
1,39
EBIT1,4
2,80
38,81
-4,37
-5,34
-3,62
-2,80
0,05
EBIT-margin %5
16,54
23,85
-11,35
-167,93
-80,98
-20,00
0,28
Net profit1
1,70
29,72
-3,72
-4,69
-2,05
-2,00
-0,03
Net-margin %6
10,04
18,27
-9,67
-147,48
-45,86
-14,29
-0,17
Cashflow1,7
-1,11
8,21
13,15
-10,26
9,86
-1,30
-0,15
Earnings per share8
0,13
2,30
-0,29
-0,36
-0,16
-0,15
-0,01
Dividend per share8
0,00
0,50
0,15
0,00
0,00
0,00
0,00
In einem zweiten Schritt könnten dann hochwertige Handelshäuser wie Breuninger oder auch Ludwig Beck dazukommen. Sobald ausreichend Erfahrungsdaten vorhanden sind, würde HYPED dann Beautyketten wie Douglas adressieren. Wichtig für Investoren: Bis zum Frühjahr 2027 besitzt NanoRepro die Option, seinen Anteil an HYPED für 2 Mio. Euro um weitere 17 Prozent aufzustocken. „Momentan ist der Plan, diesen Zeitrahmen auszuschöpfen – die Option also nicht vorzeitig zu ziehen. Die Firma ist gut mit Kapital ausgestattet und wir wollen die weitere Entwicklung abwarten“, sagt Jüngst. Das ist schon allein deshalb sinnvoll, da sich die Bewertungsparameter für die 17 Prozent ja nicht ändern. Insofern trifft unser erster Gedanke, dass die 1,8 Mio. Euro aus der Kapitalerhöhung eventuell für die HYPED-Option gedacht sind, nicht zu.
Dem Vernehmen nach gab es in den vergangenen Wochen und Monaten vermehrt Interesse von Investoren, sich bei NanoRepro zu engagieren und mit dem Emissionserlös zu einer Forcierung des Wachstums beizutragen. Die Strategie dahinter ist, den Wandel von einer Beteiligungsgesellschaft zu einer echten Healthcare-Plattform mit diversen – möglichst im Mehrheitsbesitz befindlichen – eigenen Marken hinzubekommen. Angesichts eines Börsenwerts von zurzeit gerade einmal 22 Mio. Euro ist die Kategorie „Beiersdorf 2.0“ sicher fehl am Platz, am Ende geht es aber um eine solche organisatorische Aufstellung. Last but not least soll das Beteiligungsportfolio ja auch noch wachsen. An potenziellen Verwendungsmöglichkeiten für die Mittel aus der Kapitalerhöhung sowie die noch vorhandene Liquidität von zum Halbjahr 2025 gut 7 Mio. Euro gibt es jedenfalls keinen Mangel.
Am Aktienkurs geht das alles noch vorbei. Das ist insofern verständlich, weil sich die operativen Fortschritte erst noch in den Geschäftszahlen zeigen müssen. Andererseits hat NanoRepro – etwa über die deutliche Reduzierung des Marketingbudgets im Bereich der Schnelltests durch die Verlagerung auf die dm-Eigenmarke Mivolis – starke Hebel zur Verfügung. So trauen die Analysten von GBC NanoRepro im laufenden Geschäftsjahr bei Umsätzen von 18,5 Mio. Euro den Sprung in die schwarzen Zahlen zu – sowohl auf EBITDA- als auch auf EBIT-Basis. Den fairen Wert der NanoRepro-Aktie verortet GBC gemäß letzter Analyse vom November 2025 bei 4,50 Euro und damit um fast 200 Prozent über der aktuellen Notiz. Für positive Impulse könnte zudem die Aufnahme einer zweiten Coverage durch ein weiteres Analystenhaus sorgen. Geeignet ist der Microcap aber nur für erfahrene und risikobereite Anleger.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
NanoRepro
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
657710
DE0006577109
AG
22,07 Mio €
14.10.2008
Halten
Foto: NanoRepro AG
