Wer sich einfach nur den Chart der Aktie von MHP Hotel ansieht, wird vermutlich schnell wieder abbiegen und von einem Investment Abstand nehmen. Schließlich sieht der Kursverlauf mehr nach der Silhouette der Frankfurter Skyline als nach einer rege gehandelten Aktie mit klarem Trendmuster aus. Wie bei so vielen Spezialwerten lohnt jedoch ein tieferer Blick auf das dahinterstehende Geschäftsmodell und die aktuelle operative Entwicklung. Tatsächlich hat MHP als Franchisenehmer von hochwertigen Hotels sogar einen Frankfurt-Bezug, der künftig noch sehr viel stärker wird. So haben die Münchner mit der Rock Capital Group jetzt einen langfristigen Pachtvertrag für ein Hotel in der Frankfurter City unterzeichnet – und zwar unter dem Label der MHP-Eigenmarke MOOONS. Noch ist das Objekt allerdings ein schmuckloses Bürogebäude, in dem zuletzt ein Servicecenter des lokalen Energieversorgers Mainova untergebracht war.
Insofern steht noch viel Arbeit für die Revitalisierung der Immobilie an. Die Eröffnung des zweiten MOOONS-Hotels – neben dem 2021 eröffneten Standort in Wien – ist für 2029 geplant. Wichtig: Die Investitionen für den Umbau trägt der Eigentümer, also nicht MHP. Sieht aber alles nach einem sehr schicken Projekt aus. „Mit der Konzeption, wie sie jetzt vorliegt, sind wir total zufrieden“, sagt MHP Hotel-CEO Jörg Frehse. Das gilt auch für die prognostizierte Rendite von 8 bis 10 Prozent im eingeschwungenen Zustand – bei erwarteten Jahreserlösen von 12 bis 14 Mio. Euro. Zum Vergleich: Für MOOONS Wien weist die Gesellschaft im frisch vorgelegten Geschäftsbericht 2025 Umsätze von 7,3 Mio. Euro sowie ein EBITDA von 558.000 Euro aus. Dabei hat MHP Hotel mit dem nur wenige hundert Meter von dem geplanten MOOONS gelegenen, 2022 übernommenen JW Marriott Hotel Frankfurt seitlich der Fußgängerzone Zeil bereits „sehr gute Erfahrungen“ gemacht, wie Frehse betont. Und ja: Durch die räumliche Nähe der beiden Objekte ist Frehse zuversichtlich, dass sich erhebliche Synergien realisieren lassen.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
34,43
33,31
104,85
136,27
161,04
178,15
225,00
EBITDA1,2
4,06
4,42
3,65
1,13
10,36
14,04
10,50
EBITDA-margin %3
11,79
13,27
3,48
0,83
6,43
7,88
4,67
EBIT1,4
3,53
3,32
-3,05
-6,04
1,96
6,59
2,30
EBIT-margin %5
10,25
9,97
-2,91
-4,43
1,22
3,70
1,02
Net profit1
-3,32
2,09
-7,25
-6,47
1,42
5,77
1,40
Net-margin %6
-9,64
6,27
-6,92
-4,75
0,88
3,24
0,62
Cashflow1,7
-0,17
4,60
-1,54
0,91
6,13
2,86
5,80
Earnings per share8
-0,08
0,05
-0,17
-0,15
0,03
0,12
0,03
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Zudem lässt der Vorstand durchblicken, dass zwei weitere MMONS-Projekte zumindest in der Pipeline sind. Für Details ist es aber noch viel zu früh. Ohnehin lehnt sich der Hotelprofi mit Prognosen nur so weit wie gerade nötig aus dem Fenster: „Am Ende des Tages sind wir börsennotiert, aber auch gründergeführt. Insofern machen wir keine Experimente. Für uns ist stets entscheidend, dass sich jedes Hotel rechnet.“ Keinen Hehl macht Frehse dabei aus seinen Plänen, das bisherige Hotelportfolio perspektivisch um europäische Top-Städte wie Paris, Barcelona, London, Prag oder auch Amsterdam zu erweitern. Weiterhin Bestand hat derweil die bisherige Prognose für 2026, wonach bei Erlösen von rund 225 Mio. Euro mit einem EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von mehr als 10 Mio. Euro zu rechnen ist.
Verglichen mit dem vergleichbaren Vorjahres-EBITDA von 14,04 Mio. Euro sieht das erst einmal nach einem deutlichen Ergebnisrückgang aus. Tatsächlich ist der Referenzwert von 2025 durch signifikante sonstige Erträge bzw. Zuschüsse für die Renovierungen und Eröffnungen des Conrad in Hamburg sowie das bereits erwähnte JW Marriott in Frankfurt von in Summe rund 20 Mio. Euro verzerrt. Bereinigt um die Conrad-Effekte ergibt sich für 2025 ein EBITDA von etwa 8 Mio. Euro. Insofern steht auch 2026 im Zeichen einer weiteren operativen Verbesserung. Auffällig in der 2025er-Bilanz ist derweil, dass MHP bestehende Bankkredite deutlich heruntergefahren und weitere Verbindlichkeiten aus der Corona-Zeit getilgt hat. Sicher auch ein Signal in Richtung Investoren und Geschäftspartner, dass MHP solide aufgestellt ist und keine finanziellen Probleme wie etwa bei der zuletzt in Schieflage geratenen Revo-Gruppe zu befürchten sind.
Zudem rückt damit auch eine Dividendenzahlung in Reichweite, sodass Ausschüttungen perspektivisch an Relevanz für die Aktienstory gewinnen könnten. Definitiv ein Manko bleiben vorerst die überschaubaren Handelsumsätze in dem Titel. Gerade einmal rund 22 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz, die restlichen Stücke sind Vorstand und Aufsichtsrat zuzurechnen. Momentan ein Knoten, der nur schwer zu durchschlagen ist. Grundsätzlich wären die Ankerinvestoren vermutlich bereit für eine Teilplatzierung, idealerweise auf einem höheren Niveau. Andererseits hängt die Chartflaute eben auch mit dem wenig ausgeprägten Handelsvolumen zusammen. Kein Thema ist für CEO Jörg Frehse derweil eine neuerliche Kapitalerhöhung – mit Verwässerung der Großaktionäre – nach der im Juli 2025 abgeschlossenen Finanzierungsrunde über rund 4,5 Mio. Euro.
Schwierig für die auf das Luxussegment spezialisierte MHP Hotel wäre übrigens auch ein Segmentupgrade vom Münchner Spezialfreiverkehr m:access in beispielsweise den Prime Standard der Deutsche Börse AG, da hier die Bilanzierung nach den internationalen Standards IFRS verpflichtend ist. Das hätte vereinfacht gesagt zur Folge, dass dann sämtliche Eventualverbindlichkeiten aus den in der Regel 20 Jahre laufenden Pachtverträgen voll mit Eigenkapital hinterlegt werden müssten. „Unser Geschäftsmodell ist in seiner aktuellen Form klar auf die HGB-Welt ausgerichtet“, sagt Frehse. Losgelöst davon weiß Frehse, dass der Investor-Relations-Auftritt der Münchner noch Potenzial hat. Aber auch diesbezüglich will sich das Unternehmen künftig professioneller präsentieren.
Zudem deutet der Aktienkurs von zurzeit 1,35 Euro – also nicht sonderlich weit weg vom Penny-Stock-Terrain – nicht gerade auf ein Investment im Luxussegment der Hotellerie hin. Fakt ist aber auch: MHP Hotel hat sich seit dem schwierigen Börsenstart zur Corona-Zeit operativ prima entwickelt und das ehemals stark auf die Le Méridien-Gruppe fokussierte Pachtportfolio mittlerweile sehr viel breiter aufgestellt. Zudem spricht einiges dafür, dass die Ausrichtung auf das obere Preissegment – und dann auch noch in sicherheitstechnisch stabilen Regionen – sich als enormer Vorteil erweist. Die Analysten von mwb Research empfehlen die Aktie mit einem Kursziel von 3,00 Euro zum Kauf. Die Experten von NuWays haben den ihrer Meinung nach fairen Wert sogar auf 3,50 Euro heraufgesetzt.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
MHP Hotel
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A3E5C2
DE000A3E5C24
AG
63,97 Mio €
06.08.2015
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Foto: MHP Hotel AG (Animation des geplanten MOOONS-Hotel in Frankfurt am Main)
