Normalerweise ist nichts daran auszusetzen, wenn sich der Aktienkurs eines Nebenwerts in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld über viele Monate stabil hält – und zwar auf einem Hochplateau. So muss man die Charteinstellung bei Masterflex schon auf 20 Jahre fixieren, um zu erkennen, dass die Notiz des Herstellers von Spezialschläuchen früher auch schon einmal Kurse deutlich nördlich von 20 Euro gesehen hat. Aber das waren andere Zeiten, zudem steckte Masterflex zwischen 2008 und 2010 sogar in einer veritablen finanziellen Krise. Umso höher ist es einzuordnen, wie das Vorstandsteam die Gesellschaft nachhaltig zurück auf die Erfolgsspur gebracht hat. Aber klar: Nach nun rund neun Monaten in einer Bandbreite zwischen 12,50 und 14,50 Euro ist der Aktienkurs von Masterflex normalerweise reif für einen Ausbruch nach Norden.
Immerhin liefern die Gelsenkirchener operativ unverändert robuste Zahlen und sind darüber hinaus an der Börse alles andere als ambitioniert bewertet. Im Investoren-Call auf der Airtime-Plattform zur Vorlage der Q1-Zahlen spricht CFO Mark Becks von einem „gelungenen Saisonauftakt“. Bei ganz leicht rückläufigen Erlösen von 27,38 Mio. Euro legt das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) um 1,7 Prozent auf 4,48 Mio. Euro zu. Unter dem Strich steht ein von 0,32 auf 0,33 Euro verbessertes Ergebnis je Aktie. Positiv bemerkbar macht sich dabei ein vorteilhafter Produktmix. Dagegen drücken weitere Anlaufinvestitionen in die internationale Expansion ein wenig auf die Marge. Trotzdem: „Das EBIT ist schon stark“, betont Becks. Angesichts der unsicheren Gemengelage – etwa durch den Irak-Krieg – will Masterflex die bisherige Prognose für das Gesamtjahr aber nicht weiter konkretisieren. Demnach bleibt es bei für 2026 avisierten Umsätzen von 103 bis 108 Mio. Euro sowie einem EBIT in einem Korridor zwischen 13 und 16 Mio. Euro.
Vom Grundverständnis her peilt Becks allerdings immer die „Champions-League-Plätze“ in der Prognose an. Ob es am Ende tatsächlich ein EBIT nahe der Marke von 16 Mio. Euro wird, ist derzeit aber nicht abzuschätzen. So führt etwa der Irak-Krieg bislang zwar nicht zu Lieferengpässen oder flächendeckenden Verschiebungen von Kundenaufträgen. Dafür dürften aber die Kosten steigen, da Rohöl ein wichtiger Einsatzstoff für die Schläuche von Masterflex ist. Diese Preiseffekte hofft Becks aber weiterreichen zu können, so dass es sich am Ende so gut es geht ausgleicht. Ein erstes Update hierzu liefert der Halbjahresbericht Anfang August.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
71,88
79,07
100,27
101,12
98,07
102,58
106,00
EBITDA1,2
7,89
10,67
16,44
17,87
18,16
19,51
21,00
EBITDA-margin %3
10,98
13,49
16,40
17,67
18,52
19,02
19,81
EBIT1,4
2,34
5,34
11,39
12,30
12,53
13,68
15,20
EBIT-margin %5
3,26
6,75
11,36
12,16
12,78
13,34
14,34
Net profit1
0,80
3,30
7,83
8,04
8,29
8,76
9,90
Net-margin %6
1,11
4,17
7,81
7,95
8,45
8,54
9,34
Cashflow1,7
11,55
6,81
10,11
12,36
12,93
14,75
15,30
Earnings per share8
0,08
0,34
0,81
0,83
0,86
0,91
1,01
Dividend per share8
0,08
0,12
0,20
0,25
0,27
0,30
0,30
Wichtiger für die weitere operative Performance sind zurzeit ohnehin der Aufbau des neuen Standortes in Marokko sowie die Vorbereitungen für den bereits Ende Juni 2025 gemeldeten Großauftrag. „Hier hoffen wir, im vierten Quartal in die Produktion zu gehen“, sagt Becks. Keine substanziellen Neuigkeiten gibt es derweil im Hinblick auf Akquisitionen. „Da sind wir intensiv dran“, beteuert Becks. Ein mögliches Ziel in Deutschland hatte sich kurzfristig aufgrund unterschiedlicher Preisvorstellungen leider zerschlagen. Dem Vernehmen nach sind beide Parteien aber weiter in Kontakt. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, sagt Becks. Möglicherweise wird sich Masterflex ab Herbst dann auch wieder intensiver Kandidaten in den USA ansehen. Die kommenden Monate werden also durchweg interessant für Investoren.
Kurzfristig rückt die Hauptversammlung (HV) am 10. Juni 2026 in den Vordergrund. Dabei steht die zur HV vorgeschlagene Dividende von 0,30 Euro für eine Rendite von rund 2 Prozent. Dem Börsenwert von zurzeit 139,5 Mio. Euro steht derweil ein Eigenkapital von 72,1 Mio. Euro entgegen. Der Aspekt Netto-Finanzverbindlichkeiten spielt bei Masterflex keine signifikante Rolle mehr. Das war auch schon einmal ganz anders. Insofern alles im Lot bei den Gelsenkirchenern Grundsätzlich steht die Kursampel nach Auffassung von boersengefluester.de damit eher auf Grün. Die jüngsten Kursziele der Analysten bewegen sich zwischen 16 Euro (Metzler) und 21 Euro (Montega). Genügend Bewertungspotenzial ist also definitiv vorhanden.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Masterflex
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
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Located
549293
DE0005492938
SE
139,45 Mio €
16.06.2000
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Foto: Magnific
