Mark Becks kann auch Börsenlyrik. Auf die Frage eines Investors, ob sich die schon angekündigten Akquisitionen mittlerweile in einem reiferen Stadium befinden, antwortete der Finanzvorstand von Masterflex ganz trocken: „Wir legen jetzt die Sonne auf die Frucht, um die Röte auf den Apfel zu bekommen.“ Soll heißen: Möglicherweise kommt bereits zum Ende des dritten Quartals oder im Abschlussviertel 2026 eine Vollzugsmeldung. Zeitgenau planen lassen sich solche Prozesse aber nicht. Immerhin verrät Becks bei seiner Präsentation der Halbjahreszahlen auf der Airtime-Plattform, dass es wahrscheinlich auf einen Zukauf aus Europa beziehungsweise Deutschland in dem bei dem Hersteller von Spezialschläuchen momentan stark performenden Absatzbereich Medizintechnik hinausläuft. Die potenziellen Ziele bewegen sich dabei in einer doch sehr weiten Spanne zwischen 5 und 25 Mio. Euro.
Ganz unwichtig ist diese Detailinfo schon allein deshalb nicht, weil Masterflex zur Erreichung des bis 2030 avisierten Erlösziels von rund 200 Mio. Euro circa 50 bis 60 Mio. Euro Umsatz aus anorganischem Wachstum einplant. Zur weiteren Einordnung: Für 2026 peilt das Unternehmen unverändert Umsätze in einer Bandbreite von 103 bis 108 Mio. Euro sowie ein EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) zwischen 13 und 16 Mio. Euro an. Zum Halbjahr stehen leicht gestiegene Umsätze von 54,29 Mio. Euro sowie ein stabiles EBIT von 7,85 Mio. Euro in den Büchern. Das sieht zunächst nach einem ziemlich unauffälligen Halbjahr für die Gelsenkirchener aus, ist vor dem Hintergrund des konjunkturell unverändert schwierigen Umfelds sowie der spürbar ausgeweiteten Investitionen dann aber doch eine robuste Leistung. Immerhin stemmt Masterflex zurzeit signifikant höhere Ausgaben für die internationale Expansion sowie den Ausbau der Produktionskapazitäten.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
71,88
79,07
100,27
101,12
98,07
102,58
106,00
EBITDA1,2
7,89
10,67
16,44
17,87
18,16
19,51
21,00
EBITDA-margin %3
10,98
13,49
16,40
17,67
18,52
19,02
19,81
EBIT1,4
2,34
5,34
11,39
12,30
12,53
13,68
15,20
EBIT-margin %5
3,26
6,75
11,36
12,16
12,78
13,34
14,34
Net profit1
0,80
3,30
7,83
8,04
8,29
8,76
9,90
Net-margin %6
1,11
4,17
7,81
7,95
8,45
8,54
9,34
Cashflow1,7
11,55
6,81
10,11
12,36
12,93
14,75
15,30
Earnings per share8
0,08
0,34
0,81
0,83
0,86
0,91
1,01
Dividend per share8
0,08
0,12
0,20
0,25
0,27
0,30
0,30
Hinzu kommen die deutlich höheren Ausgaben im Zuge der geplanten M&A-Aktivitäten. „Wir sind an einigen Themen wirklich eng dran“, sagt Becks. Das inkludiert dann wohl auch die für Masterflex so wichtigen künftigen Wachstumstreiber wie das im Bau befindliche neue Werk in Marokko sowie den schon vor mehr als einem Jahr kommunizierten Großauftrag aus dem Bereich Life- und Tech-Industrien mit einem ab 2027 jährlichen Umsatz von bestimmt 5 Mio. Euro. Ein wenig davon, aber wohl weniger als 1 Mio. Euro, könnte die Order sogar schon im vierten Quartal 2026 beisteuern. Zudem hofft Becks, dass Masterflex im Abschlussviertel des laufenden Jahres möglicherweise noch einen „deutlich sechsstelligen“ Auftrag als Zulieferer für ein Flughafenprojekt zu gewinnen.
Als eine „ganz normale Transaktion, zu der es eigentlich gar nicht viel mehr zu sagen gibt“, stuft Becks derweil die Anfang Juli veröffentlichte Umplatzierung von knapp 645.000 Aktien zu je 14 Euro aus dem Vorstandskreis hin zum Ankerinvestor J. F. Müller & Sohn, durch die sie deren Anteil auf nunmehr 29,37 Prozent erhöht hat. Dem Vernehmen nach ist die Hamburger Beteiligungsholding, die unter anderem auch bei Eurokai engagiert ist, damit aber eher am oberen Rand dessen, was sie bei Masterflex an Gewichtung anpeilt. Eher unwahrscheinlich demnach, dass Müller & Sohn über die Schwelle von 30 Prozent geht und damit eine Pflichtofferte an die restlichen Anteilseigner auslöst. „Mit der Aufstockung unseres Anteils bringen wir unser Vertrauen in das Management und die langfristige Entwicklung des Unternehmens zum Ausdruck“, betonte Müller & Sohn-Vorstand Raphael Söhngen denn auch bei der Umsetzung der Transaktion.
Sei es drum: Bei aller langfristigen Ausrichtung – gegen einen zügigen Ausbruch nach oben aus dem nun schon lange währenden Seitwärtstrend des Kurses der Masterflex-Aktie hätten wohl auch Söhngen nichts auszusetzen. Fundamental geben die Kennzahlen ohnehin deutlich nördlichere Chartregionen her. Immerhin notiert der Titel zurzeit gerade einmal zum Doppelten des Buchwerts. Unter Berücksichtigung der Netto-Finanzverschuldung von zuletzt 4,26 Mio. Euro beträgt der Unternehmenswert (Enterprise Value) momentan knapp 143 Mio. Euro. Das entspricht etwa dem Faktor 6,8 auf das für 2026 von boersengefluester.de erwartete Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Das ist schon jetzt ein attraktives Multiple, das mit Blick auf die sich bietenden Perspektiven für 2027 nochmals deutlich runter Richtung 6,0 gehen sollte.
Wir bleiben dabei: Masterflex bietet eine attraktive Mischung aus solidem Wachstum und vernünftiger Bewertung. Und – gewisse Konstanten braucht das Börsenleben: Auch der H1-Call 2026 endete nach gut 45 Minuten mit dem traditionellen „Glückauf aus Gelsenkirchen“ von CFO Mark Becks. Nächster wichtiger Termin für Aktionäre sind die von Montega ausgerichteten Hamburger Investorentage (HIT) am 26. und 27. August 2027. Schließlich wird Becks die Story von Masterflex auch dort vor Investoren, Analysten sowie der Finanzpresse vortragen. Boersengefluester.de ist ebenfalls mit von der Partie in Hamburg.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Masterflex
WKN
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Marketcap
IPO
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549293
DE0005492938
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So bewertet TransparentShare die Masterflex-Aktie
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