Die Analysten von Montega bleiben dabei: Mit einem Kursziel von 9 Euro raten sie bei der Aktie von LPKF Laser & Electronics zum Einstieg. Dabei hat der stark in den Bereichen Halbleiter, Solar, Automotive und auch Medizintechnik verankerte Spezialmaschinenbauer mit den Zahlen im kürzlich vorgelegten Geschäftsbericht einmal mehr die ursprünglichen Erwartungen deutlich gerissen. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass die Zahlen für 2025 mit Erlösen von 115,33 Mio. Euro sowie einer bereinigten EBIT-Marge von 0,7 Prozent zumindest die im vergangenen September deutlich reduzierten Prognosen für den Umsatz (115 bis 125 Mio. Euro) sowie für die um Sondereffekte adjustierte EBIT-Rendite (0 bis 5 Prozent) so gerade eben erreicht haben. Die nicht durch das Weichspülprogramm gelaufenen Zahlen zeigen einen Verlust auf EBIT-Basis von 13,52 Mio. Euro. Unter dem Strich steht ein Fehlbetrag von 14,35 Mio. Euro.
„Viele unserer Kunden haben ihre Investitionsentscheidungen verschoben oder neu bewertet, was sich unmittelbar auf unsere Auftragseingänge ausgewirkt hat“, sagt CEO Klaus Fiedler. Um das ehemalige SDAX-Unternehmen möglichst robust aufzustellen, hat der Vorstand 2025 das Restrukturierungsprogramm „North Star“ aufgesetzt. Nicht schön, aber dringend nötig. Bilanziell führten insbesondere Sonderabschreibungen auf aktivierte Entwicklungsleistungen, Abfindungen und Beratungsaufwendungen sowie die Entkonsolidierung der japanischen LPKF-Einheit zu Sondereffekten von in Summe rund 14,3 Mio. Euro. „Wir straffen unsere Organisation, fokussieren unsere Ressourcen auf die attraktivsten Wachstumsmärkte und erhöhen die Effizienz unserer Prozesse“, erklärt Fiedler die Wirkungsweise des North-Star-Projekts. Teil des Pakets ist auch, dass LPKF den Produktionsstandort in Fürth schließt und Grundstück sowie Immobilien veräußert.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
96,24
93,57
123,70
124,34
122,89
115,33
111,00
EBITDA1,2
14,84
9,60
15,12
12,81
5,83
0,64
5,00
EBITDA-margin %3
15,42
10,26
12,22
10,30
4,74
0,55
4,50
EBIT1,4
7,54
0,06
6,78
3,69
-2,54
-13,52
-3,75
EBIT-margin %5
7,84
0,06
5,48
2,97
-2,07
-11,73
-3,38
Net profit1
5,34
-0,11
1,66
1,75
-4,51
-14,35
-4,50
Net-margin %6
5,55
-0,12
1,34
1,41
-3,67
-12,44
-4,05
Cashflow1,7
3,97
7,92
8,50
-3,37
9,43
16,35
12,50
Earnings per share8
0,22
0,00
0,06
0,07
-0,18
-0,59
-0,18
Dividend per share8
0,10
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Künftig werden die bislang in Fürth hergestellten Produkte von der ebenfalls zum Verbund gehörenden LPKF SolarQuipment in Suhl bezogen. Hauptsitz von LPKF Laser ist Garbsen in der Nähe von Hannover – hier ist auch die für das Unternehmen strategisch so wichtige LIDE-Fertigung konzentriert. Bei LIDE (Laser Induced Deep Etching) geht es um die hochpräzise Bearbeitung von Glassubstraten für die Halbleiterindustrie. Eine superinteressante Technologie von LPKF, bei der Investoren nun allerdings schon ziemlich lange auf den kommerziellen Durchbruch warten. Doch CEO Fiedler bleibt zuversichtlich, was die Entwicklung der LIDE-Technologie angeht. „Seit vielen Jahren haben wir antizipiert, dass Glas als überlegenes Material die Architektur von Hochleistungschips grundlegend verändern und neue Wertschöpfungspotenziale im Advanced Packaging erschließen wird – und dass wir mit unserer LIDE-Technologie hierbei eine maßgebliche Rolle spielen werden. Inzwischen zeigt sich klar, dass die Transformation hin zu Glas von allen relevanten Akteuren im Halbleitermarkt strategisch vorangetrieben wird.“
In der Prognose für 2026 sind potenzielle Volumenaufträge aus dem Bereich Advanced Packaging gleichwohl nicht berücksichtigt. So rechnet LPKF für das laufende Jahr – auch bedingt durch weiterhin schwache Aktivitäten mit Kunden aus dem Solarsektor – mit Konzernerlösen zwischen 105 und 120 Mio. Euro. Per saldo sollten sich Investoren damit auf den dritten Umsatzrückgang in Folge einstellen. Für das bereinigte EBIT avisiert der Vorstand eine Bandbreite von minus 3,15 bis plus 5,40 Mio. Euro – entsprechend einer operativen Rendite zwischen minus 3,0 und plus 4,5 Prozent. Die Aufwendungen für das North-Star-Programm werden das berichtete Ergebnis dabei vermutlich mit gut 3 bis knapp 5 Mio. Euro belasten.
Um die LPKF-Aktie auch bewertungstechnisch interessant zu finden, müssen die Anleger vermutlich bis 2028 blicken. Bis dahin strebt der Vorstand nämlich eine nachhaltige zweistellige EBIT-Marge an. Wer so weit nach vorn schaut und den Prognosen vertraut, bekommt die LPKF-Aktie dann aber zu einem 2028er-KGV von vermutlich nur 10 bis 12. Schon jetzt punkten kann der Titel mit einem 2025 von 1,9 auf 9,7 Mio. Euro signifikant verbesserten Free Cashflow. Zudem verfügt LPKF über eine solide Bilanz mit einer Netto-Liquidität von zurzeit 7 Mio. Euro. Geeignet ist die Aktie trotzdem nur für risikobereite Investoren.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
LPKF Laser
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
645000
DE0006450000
AG
151,39 Mio €
30.11.1998
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Foto: LPKF Laser & Electronics SE
