Es gibt da ein Zitat von Carola Ferstl aus der allerersten Ausgabe des damaligen Anlegermagazins „Die Telebörse“ vom 27. Januar 2000, das uns schon immer gut gefallen hat, weil so viel Wahrheit drinsteckt. Damals sagte die bekannte Finanzmoderatorin: „Die Börse kriegt alles klein – am Ende steht eine einzige Zahl: der Aktienkurs.“ In den Sinn kam boersengefluester.de dieser Satz von Carola Ferstl zuletzt wieder nach unserem Einzelgespräch mit LAIQON-CEO und Gründer Achim Plate auf den Hamburger Investorentagen (HIT). In dem gut 30 Minuten dauernden Gespräch haderte der Unternehmensgründer nämlich mit dem Ergebnis dieses Kursbildungsprozesses. Immerhin hat Plate in den vergangenen gut sechs Jahren aus einer ursprünglich konzeptionellen Idee einen veritablen Finanzdienstleister im Bereich Vermögensmanagement aufgebaut – inklusive starker Partnerschaften wie mit Union Investment sowie einer von Anfang an ausgeprägten Digital- udn KI-Kompetenz.
Fakt ist allerdings: Abgesehen von der Haussephase im Chart während der Corona-Phase notiert der Aktienkurs von LAIQON deutlich unter seinen Möglichkeiten. Das liegt womöglich auch daran, dass die Investmentstory auf den Präsentationsfolien von Achim Plate zwar sehr fluffig rüberkommt, die derzeit noch roten Konzernzahlen dann aber doch mitunter für einen anderen Eindruck sorgen. Nicht jeder steigt schließlich so tief ein und hakt ab, dass sich hier zu erheblichen Teilen die Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte aus dem Unternehmensaufbau bzw. Kaufpreisverbindlichkeiten verbergen. Um die Investoren bei der Entwicklung wesentlicher finanzieller Leistungsindikatoren besser abzuholen, verspricht Plate im 1on1 mit boersengefluester.de eine deutliche Verbesserung: „Ich werde jetzt eine gnadenlose Transparenz schaffen.“
Dazu gehört unter anderem, dass die Hamburger künftig ihre AG-Abschlüsse zeigen wollen. Schließlich ist, was einige womöglich gar nicht so auf dem Schirm haben, der Bilanzgewinn auf AG-Basis die maßgebliche Größe für die Dividendenausschüttung – und nicht der Konzerngewinn. Das ist insofern wichtig, weil die Dividendenfähigkeit ab dem Geschäftsjahr 2026 zu den zentralen Ambitionen von Plate gehört. Dabei dürfte der Einladungstext zur Hauptversammlung im Jahr 2027 – bezogen auf die Gewinnverwendung – noch eher moderat formuliert sein. „Die erste Dividende wird sicherlich nicht für 5 Prozent Dividendenrendite stehen. Hier geht es darum, zu zeigen: Das war der Einstieg. Jetzt ist der Wendepunkt da“, sagt CEO Plate.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
27,74
26,12
21,58
30,75
31,00
38,00
53,00
EBITDA1,2
6,96
4,61
-9,95
-4,69
-3,82
-0,80
4,50
EBITDA-margin %3
25,09
17,65
-46,11
-15,25
-12,32
-2,11
8,49
EBIT1,4
3,21
1,25
-14,66
-11,08
-10,31
-7,30
-2,10
EBIT-margin %5
11,57
4,79
-67,93
-36,03
-33,26
-19,21
-3,96
Net profit1
2,50
6,63
-10,54
-12,87
-7,96
-9,10
-3,60
Net-margin %6
9,01
25,38
-48,84
-41,85
-25,68
-23,95
-6,79
Cashflow1,7
-0,95
19,96
-2,77
-10,74
-3,31
-1,50
3,00
Earnings per share8
-0,05
0,39
-0,67
-0,51
-0,25
-0,35
-0,14
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,05
Sehr deutlich wird Plate auch, wie es – nach den vielen Akquisitionen der vergangenen Jahre – operativ weitergeht. „In meiner CEO-Zeit bis Ende 2028 habe ich nicht den Plan, noch weitere Beteiligungen zu kaufen. Ich will mit dem, was wir bis jetzt aufgebaut haben, das organische Wachstum treiben.“ Soll heißen: Die bisherigen Profitabilitätsziele aus der Strategie GROWTH 28 (mehr als 82 Mio. Euro Umsatz und über 27 Mio. Euro EBITDA in 2028) werden nicht wegen sich möglicherweise nochmals bietender Gelegenheiten über Bord geworfen. Ein aus Sicht von boersengefluester.de sehr wichtiges Signal. „Die Bürgerpflicht für mich sind jetzt Gewinne“, sagt Plate mit Blick auf die sich daraus ergebenden Multiples für den Aktienkurs.
Unbeeindruckt davon bleibt es natürlich dabei, dass Themen wie die Internalisierung relevanter für LAIQON werden – aber eben nicht auf Kosten der Marge. Dabei hat das Unternehmen über den Ausbau der White-Label-Partnerschaften einen starken Hebel in der Hand. Und sogar der auf Privatkunden zugeschnittene Robo-Advisor Growney, um den es in der Kommunikation von LAIQON zuletzt eher ruhiger war, scheint wieder gute Karten zu haben. Nach Auffassung der Analysten hat die LAIQON-Aktie das Potenzial, in Regionen von bis zu 10 Euro vorzudringen. Das wäre immerhin ein Verdoppler vom aktuellen Niveau aus. Der aktuelle Börsenwert beträgt dabei knapp 100 Mio. Euro, eine für die Relevanz am Kapitalmarkt sehr wichtige Schwelle.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
LAIQON
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A12UP2
DE000A12UP29
AG
99,57 Mio €
28.10.2005
Kaufen
Foto: Saskia Allers, (Motiv: Präsentation von Achim Plate auf dem HIT im Februar 2026)
