Nun steht fest: KSB-CEO Stephan Timmermann hatte Ende März – zur Vorlage des Geschäftsberichts 2025 – nicht ohne Grund aktives Erwartungsmanagement mit Blick auf den vermutlich schwächeren operativen Verlauf des ersten Quartals 2026 betrieben. Immerhin war die Aktie des Pumpen- und Armaturenherstellers zuvor beinahe überall „Investors Darling“ mit Spitzenkursen von mehr als 1.200 Euro für die Vorzugsaktie. Da will niemand gern auf dem falschen Fuß erwischt werden. In der Konsequenz sorgten die dämpfenden Aussagen des Vorstands vor einigen Wochen freilich für einen massiven zweistelligen Kursabsacker auf im Tief 884 Euro (siehe dazu unseren Beitrag HIER). Einen Teil davon konnte der KSB-Kurs in den folgenden Wochen zwar wieder aufholen, doch die Ausgangslage war klar: Die Veröffentlichung des Q1-Berichts dürfte nochmals eine Bewährungsprobe für den SDAX-Titel werden.
Und so ist es nun auch gekommen, obwohl kein Investor komplett negativ überrascht sein sollte. So weist KSB trotz eines ganz leichten Umsatzanstiegs auf 711,8 Mio. Euro für die ersten drei Monate 2026 einen vergleichsweise deutlichen Rückgang des EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) um 12,5 Prozent auf 39,8 Mio. Euro aus. Belastend wirkten sich insbesondere ein unvorteilhafter Produktmix sowie Währungseffekte aus. Dabei ist in dem Zwischenergebnis – wie bereits im Geschäftsbericht 2025 (Seite 277) avisiert – ein Neubewertungsgewinn von 16,6 Mio. Euro aus der Erstkonsolidierung der 50-Prozent-Tochter KSB Pumps Arabia Ltd. enthalten. Ohne diesen Effekt wäre das Q1-EBIT also nochmals deutlich niedriger gewesen. Andererseits war die Einbeziehung von KSB Pumps Arabia eben grundsätzlich bekannt – zumindest für Investoren, die den Geschäftsbericht aufmerksam gelesen haben.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
2.207,88
2.343,58
2.573,39
2.818,99
2.965,20
3.034,70
3.140,00
EBITDA1,2
170,08
222,05
259,52
312,00
341,60
348,50
350,00
EBITDA-margin %3
7,70
9,48
10,09
11,07
11,52
11,48
11,15
EBIT1,4
70,17
141,16
169,10
223,90
244,20
252,10
255,00
EBIT-margin %5
3,18
6,02
6,57
7,94
8,24
8,31
8,12
Net profit1
4,38
110,32
127,34
176,61
146,80
166,40
166,00
Net-margin %6
0,20
4,71
4,95
6,27
4,95
5,48
5,29
Cashflow1,7
183,86
163,92
2,11
280,30
268,60
196,00
250,00
Earnings per share8
-5,37
53,60
59,31
87,09
67,55
80,57
80,00
Dividend per share8
4,26
12,26
19,76
26,26
26,76
26,76
26,76
Umso wichtiger wird nun aber, dass die Gesellschaft den Rückstand zum Halbjahr 2026 nicht noch weiter ausbaut. Um das Sechs-Monats-EBIT von 2025 (108,0 Mio. Euro) zu egalisieren, müsste KSB im zweiten Quartal 2026 auf ein EBIT von 68,2 Mio. Euro kommen. Zum Vergleich: Die Vergleichsbasis von Q2 2025 liegt hier bei 62,5 Mio. Euro. Noch liegt also alles eng zusammen. Andererseits geht es an der Börse auch eher darum, wo KSB zum Jahresende 2026 beim EBIT ankommt. Die Messlatte des Vorstands liegt momentan – ziemlich weit gefasst – zwischen 220 und 265 Mio. Euro. Der entsprechende Vergleichswert von 2025 beträgt 252,1 Mio. Euro. Boersengefluester.de rechnet bislang mit einem EBIT von 255,0 Mio. Euro für 2026 – also einem weitgehend konstanten EBIT. Allerdings: Die Konsensschätzungen der Analysten lagen zuletzt sogar leicht oberhalb der von KSB prognostizierten Spanne. Hier dürfte es also zu Anpassungen kommen.
Was bleibt, ist, dass die Aktie fundamental moderat bewertet ist. Es gibt also kein signifikantes Delta, was es im Aktienkurs zwingend zu korrigieren gilt. Fakt ist aber auch: KSB ist ein Milliardenunternehmen mit teilweise sehr ordentlichen Aussichten, aber eben auch alles andere als ein Start-up oder sonstiges Wachstumswunder. So gesehen war manche Erwartungshaltung auf der Kursspitze – auch was mögliche IR-Maßnahmen wie einen Aktiensplit oder die regelmäßig diskutierte Zusammenlegung von Stämmen und Vorzügen – einfach überzogen und diesbezüglich kehrt nun wieder Normalität ein. Zumindest für langfristig ausgerichtete Investoren gibt es derzeit keinen validen Grund, sich von dem Titel zu verabschieden. Daran ändert auch die aktuelle Unsicherheit aus dem Iran-Krieg nichts. Mittelfristig dürften sich die Effekte hieraus verflüchtigen. „Die Kraft der Erfahrung und der Rückblick auf den Erfolg in den schwierigen Jahren seit Corona geben uns die Zuversicht, dass wir auch dieses anspruchsvolle Jahr im Rahmen der Prognose meistern werden“, betont CEO Timmermann.
Und nach der HV am 7. Mai 2026 steht ja auch die gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividendenzahlung von 26,50 Euro je Stamm- und 26,76 Euro je Vorzugsaktie an. Mit dem Dividendenabschlag wird sich zwar auch das Chartbild nochmals eintrüben. Doch KSB ist keine Aktie, der man sich primär aus charttechnischer Sicht annähern sollte. Die zurzeit enorme Volatilität im Kurs deutet jedoch darauf hin, dass etliche Investoren genau diesen Weg gewählt hatten und nun enttäuscht die Reißleine ziehen. Der aktuelle Börsenwert beträgt rund 1.623 Mio. Euro.
INVESTOR-INFORMATION
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KSB VZ
WKN
ISIN
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Marketcap
IPO
Recommendation
Located
629203
DE0006292030
SE & Co. KGaA
1.623,07 Mio €
10.05.1961
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Foto: Magnific
