Stabile 96 Seiten umfasst die Vorstandspräsentation von KSB zur Bilanzpressekonferenz 2025. Zum Vergleich: Der Geschäftsbericht 2025 des Herstellers von Pumpen und Armaturen umfasst 301 Seiten – und davon drehen sich mehr als 130 Seiten um die Nachhaltigkeitserklärung. Wer etwa wissen will, wie es um die Beförderung von Mitarbeitern mit Motorrädern, Personenkraftwagen und leichten Nutzfahrzeugen steht, oder ob es Beteiligungen an Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Anbau und der Produktion von Tabak gibt, wird hier fündig. So wie es scheint, hat sich der Kapitalmarkt aber einig und allein auf eine Seite der Präsentation gestürzt. So heißt es auf Seite 87 mit Blick auf die möglichen Auswirkungen des Iran-Kriegs: „Erstes Quartal unter Erwartung.“
Und auch CEO Stephan Timmermann wird in der Meldung zu den Jahreszahlen mit einem ähnlichen Tenor zitiert: „Während gestiegene Energie- und Logistikkosten bereits heute spürbar sind, bleibt die Entwicklung der Folgen dieses Konflikts nicht einschätzbar. Wir gehen davon aus, dass die Kennzahlen von KSB in den ersten Monaten des Jahres durch die begleitenden Verwerfungen beeinflusst werden.“ In einem ohnehin labilen Börsenumfeld reicht das, um den Kurs der im SDAX notierten Vorzugsaktie im Tief um 16 Prozent auf 982 Euro zu drücken. In absoluten Zahlen entspricht das – inklusive des Kursrutsches bei den Stammaktien – einem Verlust an Börsenwert von fast 270 Mio. Euro. Aktuelle Marktkapitalisierung: 1.785 Mio. Euro. Also eine massive Antwort des Kapitalmarkts auf eine grundsätzlich wenig überraschende Einschätzung des Managements.
Andererseits hat wohl kaum jemand von den Investoren Mitte März gefragt, ob der gemeldete Großauftrag im Wert von mehr als 150 Mio. Euro für acht Kühlmittelpumpen für ein Kernkraftwerk in Osteuropa einen Zugewinn an Börsenwert von 255 Mio. Euro innerhalb weniger Tage rechtfertigt. Insofern ist der jüngste Kursrutsch ein Beleg dafür, wie emotional aufgeheizt der Kapitalmarkt zurzeit ist. Weitgehend außer Acht gelassen haben die Investoren zudem, dass die Präsentationsfolie auf Seite 87 noch den Zusatz „aber ...“ enthält und darauf referiert, dass KSB seinen Kurs beibehalten wird und sich auch im laufenden Jahr zahlreiche Chancen ergeben. In Summe führt das bei KSB zu einem für 2026 prognostizierten Umsatz von 2.900 bis 3.200 Mio. Euro sowie einem EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) in einer Bandbreite zwischen 220 und 265 Mio. Euro. Wohlgemerkt immer unter der Voraussetzung, dass sich die Lage im Nahen Osten wieder stabilisiert.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
2.207,88
2.343,58
2.573,39
2.818,99
2.965,20
3.034,70
3.140,00
EBITDA1,2
170,08
222,05
259,52
312,00
341,60
348,50
350,00
EBITDA-margin %3
7,70
9,48
10,09
11,07
11,52
11,50
11,31
EBIT1,4
70,17
141,16
169,10
223,90
244,20
252,10
255,00
EBIT-margin %5
3,18
6,02
6,57
7,94
8,24
8,31
8,12
Net profit1
4,38
110,32
127,34
176,61
146,80
166,40
166,00
Net-margin %6
0,20
4,71
4,95
6,27
4,95
5,48
5,29
Cashflow1,7
183,86
163,92
2,11
280,30
268,60
196,00
250,00
Earnings per share8
-5,37
53,60
59,31
87,09
67,55
80,57
80,00
Dividend per share8
4,26
12,26
19,76
26,26
26,76
26,76
26,76
Nun kann man als Investor trotzdem einwenden, dass ein Ausblick für 2026, der nahezu deckungsgleich ist mit den bisherigen Planzahlen für 2025, für einen Börsenhighflyer wie KSB doch etwas zu statisch daherkommt und damit keinen Premiumaufschlag bei der Bewertung verdient. Grundsätzlich ist das ein schlagendes Argument. Allerdings ist der Traditionskonzern KSB weit entfernt von einem Start-up, bei dem hohe Wachstumsraten sehr viel einfacher umzusetzen sind. Was bleibt, ist tatsächlich, dass die Erwartungen der Analysten an das operative Ergebnis im Schnitt doch eher bei 280 Mio. Euro gelegen haben. Und dieses Delta wird nun korrigiert – freilich mit dem an der Börse üblichen Hebeleffekt. Trotzdem: Geht man als Investor davon aus, dass KSB für 2026 das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 2025 mit rund 350 Mio. Euro weitgehend stabil hält und auch beim EBIT mit 255 Mio. Euro Stärke beweist, dann wäre der Konzern alles andere als zu hoch bewertet.
Unter Berücksichtigung der Netto-Finanzposition von 315,4 Mio. Euro kommt KSB auf einen Unternehmenswert von zurzeit etwa 1.485 Mio. Euro. Das ist gerade einmal der Faktor 4,2 auf das für 2026 von boersengefluester.de erwartete EBITDA. Zudem steht die zur Hauptversammlung (HV) am 7. Mai 2026 konstant vorgeschlagene Dividende von 26,76 Euro je Vorzugsaktie nun für eine Dividendenrendite von ansehnlichen 2,7 Prozent. Und ja: Die Tatsache, dass KSB in vielen Wachstumsbereichen – von der Wasserversorgung bis zum Energiesektor – als Zulieferer unterwegs ist, gilt weiterhin. „Wir glauben an die Resilienz unseres Unternehmens, die Qualität unserer Strategie und die Kraft unserer Belegschaft“, sagt Vorstandssprecher Timmermann. Insofern gehen wir davon aus, dass es sich eher um einen Kursrücksetzer als um einen dauerhaften Trendwechsel Richtung Süden im Chart handelt.
Last but not least gibt es aber noch einen Punkt, der bei manchen Investoren auch für Enttäuschung sorgen wird: So findet sich in der Einladung zur HV im CongressForum Frankenthal kein Tagesordnungspunkt hinsichtlich eines Aktiensplits. Angesichts des optisch hohen Kurses gab es immer wieder Getuschel um eine solche Maßnahme. Und die in der Finanzszene ebenso regelmäßig kolportierten Gerüchte um eine Zusammenlegung von Stämmen und Vorzügen sind ebenfalls kein Thema für das Aktionärstreffen. Schade, denn beide Punkte hätten das Zeug für eine potenzielle Kurserholung gehabt.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
KSB VZ
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
629203
DE0006292030
SE & Co. KGaA
1.800,48 Mio €
10.05.1961
Kaufen
Foto: Freepik
