Die zunächst einmal größte Überraschung bei dem Vortrag von Innoscripta auf dem „Deutsche Börse Scale Summit“ war für boersengefluester.de zunächst einmal, dass mit Finanzvorstand Alexander Meyer überhaupt jemand aus dem „C-Level“ (CEO, CFO, etc.) präsentierte. Bislang hatten wir auf Kapitalmarktkonferenzen ausschließlich das Investor-Relations-Team gesehen. Dabei hat der CFO des auf die Steuerung und finanzielle Optimierung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F&E) spezialisierten Software-Unternehmens gute Nachrichten parat. Kurz nach dem Markteintritt in Frankreich über einen Standort in Toulouse haben die Münchner bereits erste Kunden aus dem Technologiesektor gewonnen. Die internationale Expansion nimmt also Fahrt auf. Neben Frankreich und den USA stehen Kanada sowie United Kingdom (UK) auf der Agenda. „Die Plattform steht. Daher ergeben sich enorme Möglichkeiten für uns“, sagt Alexander Meyer.
Finanziell stützen kann sich Innoscripta dabei auf ungewöhnlich hohe EBIT-Margen von um die 60 Prozent. Nun: Angesichts solcher Renditen fragen sich die Börsianer, wie nachhaltig das Geschäftsmodell in seiner jetzigen Ausprägung ist – Stichwort: Künstliche Intelligenz (KI). Die Befürchtung, dass KI zu einer signifikanten Bedrohung für Innoscripta werden könnte, hält Meyer indes für unbegründet. Das hängt im Wesentlichen auch damit zusammen, dass es bei den F&E-Projekten regelmäßig um hochsensible Daten geht. Auslagerungen in die Cloud-Architekturen der bekannten Hyperscaler sind da in der Regel ein Tabu. Zudem ist es für die Kunden extrem wichtig, bei den erhaltenen Forschungszulagen auch tatsächlich steuerkonform zu handeln – und zwar auch Jahre später bei Betriebsprüfungen. Natürliche Wettbewerber von Innoscripta sind die einschlägigen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften wie PwC, KPMG, Deloitte, EY oder auch BDO. Aber es gibt auch auf Förderungen spezialisierte Unternehmen wie Leyton sowie diverse Softwarefirmen mit Insellösungen.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Innoscripta
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A40QVM
DE000A40QVM8
SE
766,00 Mio €
23.05.2025
Kaufen
Tatsächlich kann sich Alexander Meyer auch intensive Kooperationen mit den großen WP-Gesellschaften vorstellen – kurzfristig steht so etwas aber wohl eher nicht auf der Agenda. Dabei räumt CFO Meyer ganz offen ein: „Wir haben unser IPO im Mai 2025 auch gemacht, um bekannter zu werden.“ Im Rahmen der eigenen Erwartungen liegen derweil die Resultate für das erste Quartal 2026 mit einem Umsatzanstieg von 57 Prozent auf 40,3 Mio. Euro sowie einem von 16,3 auf 27,3 Mio. Euro verbesserten EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) – entsprechend einer knackigen EBIT-Marge von 67,7 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Unternehmen Erlöse von mindestens 140 Mio. Euro sowie ein EBIT von Untergrenze 80 Mio. Euro an. Auch daraus lässt sich eine immer noch – selbst für den Softwaresektor – nicht alltägliche operative Rendite von rund 57 Prozent ableiten. Hintergrund ist, dass die Gesellschaft für die Nutzung ihrer Software in der Regel keine klassischen Fixkosten verlangt, sondern erfolgsbasiert arbeitet. Anders ausgedrückt: Für die Beantragung und die Abwicklung der Forschungszulage erhält Innoscripta üblicherweise eine prozentuale Provision auf die tatsächlich bewilligten und ausgezahlten Fördersummen.
Interessant ist die Aktie aber auch unter Dividendenaspekten: Nachdem zur Hauptversammlung am 21. April 2026 – quasi als Starthilfe für eine bessere Performance der Aktie – eine ungewöhnlich hohe Dividende von 4,00 Euro je Aktie auf der Agenda stand, ist künftig eine Ausschüttungsquote zwischen 30 und 50 Prozent des Gewinns geplant. Für Finanzvorstand Alexander Meyer eine gute Balance, ohne die sich bietenden Wachstumschancen zu gefährden. Bewertet ist das im Scale-Segment gelistete Unternehmen mit zurzeit 766 Mio. Euro. Mit Blick auf den Umsatz ist das sportlich, bezogen auf das Ertragspotenzial sehen die Kennzahlen schon wieder deutlich moderater aus. Insgesamt eine tolle Wachstumsstory aus Deutschland. Wer als Investor nicht davon ausgeht, dass KI den gesamten Sektor disruptiert, findet in Innoscripta ein hochinteressantes Unternehmen.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Innoscripta
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IPO
Recommendation
Located
A40QVM
DE000A40QVM8
SE
766,00 Mio €
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Foto: Magnific
