Vor dem Buchwert hat der Aktienkurs der Hamborner REIT-AG dann offenbar doch Respekt. Jedenfalls hat die Notiz des Bestandshalters von Immobilien für Einzelhändler und Nahversorger sowie hochwertigen Bürokomplexen seine Talfahrt zuletzt gleich mehrfach an der Marke von rund 4 Euro – entsprechend einem Börsenwert von etwa 325 Mio. Euro – gestoppt. Zum Vergleich: Das zum Halbjahr 2026 ausgewiesene Eigenkapital liegt bei gut 339 Mio. Euro. Nach unten sollte es damit eine gute Unterstützung für den SDAX-Titel geben. Mit Blick nach oben bietet sich zunächst einmal der NAV (Net Asset Value) – sprich der Netto-Substanzwert unter Berücksichtigung der stillen Reserven der Immobilien – von zuletzt 709,3 Mio. Euro bzw. 8,72 Euro je Aktie als Wegweiser an.
Selbst wenn bis zum Jahresende hier noch ein paar Wertberichtigungen nicht auszuschließen sind: Der Discount ist eben doch ungewöhnlich groß. Anleger bekommen auf dem aktuellen Niveau also viel Aktie für ihr Geld. Das nächste Update diesbezüglich gibt es am 10. November 2026 in Form des Q3-Zwischenberichts. Da trifft es sich gut, dass der Vorstand von Hamborner am 12. November auf der von GBC organisierten MKK Münchner Kapitalmarkt Konferenz präsentiert. Zentraler Punkt wird der Ausblick für das Gesamtjahr sein: Hier rechnet CEO Niclas Karoff bislang mit einem operativen Ergebnis vor Abschreibungen und Verkaufserlösen (FFO) zwischen 38 und 42 Mio. Euro. Zum Halbjahr zeigen die Duisburger einen leicht rückläufigen FFO von 23,8 Mio. Euro – wären bezogen auf die Prognose also gut unterwegs.
Das gilt indirekt auch für die Dividende, denn zwischen 60 und 70 Prozent des FFO sollen im Normalfall an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Im Mittel würde das zur Hauptversammlung am 10. Juni 2027 auf einen Dividendenvorschlag von 0,32 Euro je Aktie (Vorjahr: 0,39 Euro) hinauslaufen. Bezogen auf den aktuellen Aktienkurs würde das einer Rendite von brutto annähernd 8 Prozent gleichkommen. Boersengefluester.de ist gespannt, ob Hamborner tatsächlich in der Bandbreite bleibt oder es nicht doch Risikoabschläge wegen der veränderten Zinsniveaus und der anhaltend schwierigen konjunkturellen Situation gibt. Dabei dürfte die RAG-Stiftung als Ankeraktionär mit einem Anteil von 12,2 Prozent sicher nichts gegen eine eher offensiv formulierte Dividende haben.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
88,19
84,36
84,97
91,12
92,99
90,32
88,50
EBITDA1,2
78,13
103,42
63,53
67,50
68,70
63,23
61,00
EBITDA-margin %3
88,59
122,59
74,77
74,08
73,88
70,00
68,93
EBIT1,4
6,18
68,18
25,69
11,65
29,06
25,12
24,00
EBIT-margin %5
7,01
80,82
30,23
12,79
31,25
27,81
27,12
Net profit1
-9,26
54,26
13,31
-0,66
16,27
12,49
12,00
Net-margin %6
-10,50
64,32
15,66
-0,72
17,50
13,83
13,56
Cashflow1,7
69,45
66,98
62,79
68,72
60,77
59,80
50,00
Earnings per share8
-0,12
0,67
0,16
-0,01
0,20
0,15
0,14
Dividend per share8
0,47
0,47
0,47
0,48
0,48
0,39
0,32
Aber es gilt für den Vorstand, gut abzuwägen: So werden 2027 und 2028 umfangreiche Teile der Bankverbindlichkeiten von insgesamt 628 Mio. Euro fällig. Trotz einer grundsätzlich moderaten Finanzierungsstruktur mit einem LTV von 45,2 Prozent – das Zinsänderungsrisiko ist eben doch nicht zu vernachlässigen. Nochmals zur Erklärung: Die Kennzahl LTV (Loan To Value) bildet die Relation der Netto-Finanzverbindlichkeiten zum Verkehrswert der Immobilien ab. Je höher der LTV, desto mehr hebelt ein Unternehmen seine Rendite durch Fremdkapital. Defensive Anleger bevorzugen also eher niedrigere LTVs. Insgesamt bewegt sich Hamboner beim LTV aber eher unauffällig.
Wichtig ebenfalls für das Verständnis der Investmentstory von Hamborner: Die Gesellschaft hat vor einiger Zeit eine strategische Neujustierung hin zu einem nochmals ausgeprägteren Schwerpunkt auf Einzelhandelsimmobilien sowie Nahversorger und Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität mit einer Zielquote von 80 bis 90 Prozent Portfolioanteil gestartet. Momentan machen derartige Objekte etwa 56 Prozent aus. Der Rest des insgesamt 63 Objekte umfassenden Portfolios sind hochwertige Büroimmobilien mit wenig Leerstand. Insgesamt eine stimmige Investmentstory, die an der Börse aber so gar nicht honoriert wird. Für antizyklisch agierende Anleger mit Präferenz für überdurchschnittliche Dividenden normalerweise eine gute Gelegenheit. Dabei kann es aber nicht schaden, den Q3-Report am 10. November abzuwarten. Dann wird sich zeigen, ob der Aktienkurs dem Buchwert endlich Richtung Norden davonzieht – oder es nochmals Korrekturbedarf gibt.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Hamborner REIT
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A3H233
DE000A3H2333
REIT-AG
331,07 Mio €
22.02.1954
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Foto: Magnific
