Jahrespressekonferenz von flatexDEGIRO am 26. Februar um 9 Uhr in der 32. Etage des Omniturms im Frankfurter Bankenviertel mit CEO Oliver Behrens und CFO Benon Janos. Von hier oben hat man – wenn es nicht gerade neblig ist – einen super Überblick. Nicht so wuselig wie unten in der Neuen Mainzer Straße, wenn die vielen Banker, Anwälte, Berater und Asset-Manager morgens zur Arbeit gehen. Insofern wundert es fast auch nicht, wie cool Oliver Behrens die an der Börse zurzeit allgegenwärtig diskutierte mögliche Disruption durch Künstliche Intelligenz (KI) kommentiert: „Keiner unserer Geschäftsbereiche ist durch KI bedroht. Es gibt keine wesentlichen Umsätze oder Erträge, die uns dadurch verloren gehen könnten.“
Dabei war der Aktienkurs des Discountbroker-Verbunds im Zuge des allgemein intensiv diskutierten KI-Reports von Citrini Research erst kürzlich selbst heftig unter Druck geraten. Nun ist Behrens weit davon entfernt, potenzielle Risiken leichtfertig zu ignorieren. Er ist sich aber sicher, dass für flatexDEGIRO die Chancen durch KI – etwa auf Ebene des Kundensupports und in Form besserer Datenanalysen – absolut überwiegen. Insofern will er den jüngsten Kursrutsch der flatexDEGIRO-Aktie gar nicht überinterpretieren – zumal eine Reihe von Branchen abgestraft wurden. Und schon gar nicht will Behrens die Korrektur im Zusammenhang mit den kurz vorher kommunizierten finanziellen Eckdaten für 2025 sowie den Ausblick für 2026 und die neu justierte Dividendenstrategie (siehe unseren Beitrag dazu HIER) sehen. Immerhin ist das Unternehmen zuletzt gut damit gefahren, die eigene Guidance konservativ zu formulieren und sie im Jahresverlauf lieber nochmals heraufzusetzen, als sie bei der ersten Börsenflaute gleich wieder kassieren zu müssen.
„Unser Geschäftsmodell hat einen großen operativen Hebel. Das heißt, dass bei steigenden Umsätzen und gleichzeitig stabilen Kosten die Ergebniskennziffern überproportional stark steigen“, sagt Finanzvorstand Benon Janos. Eine geänderte Tonalität ist hingegen zu spüren, wenn es um die Rolle von flatexDEGIRO als Konsolidierer im europäischen Brokeragemarkt geht. Nun hält sich jeder Vorstand immer alle Optionen offen. Doch vor den Journalisten spricht Behrens offen über die Möglichkeit von Ergänzungsakquisitionen. „Wenn sich Opportunitäten ergeben, werden wir sie umsetzen können – und haben auch die nötigen tiefen Taschen dazu.“ Und auch CFO Janos sagt: „In den vergangenen fünf Jahren haben wir uns wenige Dinge angesehen. Das hat sich geändert.“ Könnte also spannend werden, was sich diesbezüglich tut.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
261,49
417,58
406,96
390,73
480,02
559,80
602,00
EBITDA1,2
98,43
112,09
183,28
140,35
202,48
267,70
275,00
EBITDA-margin %3
37,64
26,84
45,04
35,92
42,18
47,82
45,68
EBIT1,4
73,79
80,26
151,28
104,35
156,69
221,60
227,00
EBIT-margin %5
28,22
19,22
37,17
26,71
32,64
39,59
37,71
Net profit1
49,92
51,55
106,19
71,86
111,54
160,40
175,00
Net-margin %6
19,09
12,35
26,09
18,39
23,24
28,65
29,07
Cashflow1,7
141,45
125,03
113,32
63,08
168,86
0,00
0,00
Earnings per share8
0,55
0,47
0,97
0,65
1,02
1,45
1,59
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,04
0,04
0,30
0,32
Nicht minder interessant ist, dass Behrens offen einräumt, den deutschen Markt in den vergangenen Jahren „etwas vernachlässigt“ zu haben. „flatex hat eine starke Positionierung auf dem Markt. Aber unser Angebot und unsere Marke haben nicht immer die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen. Im Jahr 2026 werden wir damit beginnen, dies zu ändern.“ Eine Analyse, die der Kulmbacher Ankeraktionär und Medienunternehmer Bernd Förtsch mit Sicherheit gern hört. Um die Marke flatex aufzufrischen, soll das Marketingbudget von zuletzt 34 Mio. Euro um immerhin 10 Mio. Euro aufgestockt werden. Gut investiertes Geld, wie das Management findet. Zudem liegen die Frankfurter damit immer noch unter den durch das damalige Fußball-Sponsoring von Gladbach (flatex) und Sevilla (DEGIRO) beeinflussten Werbeetats von 48,9 Mio. Euro für 2022 und 46,0 Mio. Euro für 2021.
Insgesamt macht der MDAX-Konzern weiterhin einen positiv unaufgeregten Eindruck. Und auch der Aktienkurs könnte sich – wie so häufig in den vergangenen zehn Jahren – am Ende doch wieder an der 200-Tage-Linie orientieren. So gesehen wäre jetzt ein guter Einstiegszeitpunkt. Die meisten Analysten siedeln das Kursziel jedenfalls oberhalb von 40 Euro an. Und nicht zu unterschätzen: Ein wenig Dividendenaktie wird flatexDEGIRO nun ja auch noch.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
flatexDEGIRO
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
FTG111
DE000FTG1111
SE
3.266,59 Mio €
30.06.2009
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