Muss man wohl so sagen: Der nun bald neun Monate umfassende Aktienchart von Finexity sieht deutlich unspektakulärer aus als das von CEO Paul Huelsmann auf Kapitalmarktkonferenzen und Investoren-Calls regelmäßig so leidenschaftlich vorgestellte Geschäftsmodell als Infrastrukturanbieter für tokenisierte Wertpapiere. Was auf den ersten Blick sonderbar wirkt, hat natürlich auch seine Gründe: So sind viele Investoren aus Erfahrung vorsichtig, wenn vergleichsweise kleine Unternehmen mit großen Zahlen in ihren Prognosen agieren. So will Finexity in den kommenden drei bis fünf Jahren auf Erlöse von mehr als 70 Mio. Euro kommen und dabei eine EBITDA-Marge zwischen 25 und 30 Prozent erwirtschaften.
Wenn es einigermaßen gut läuft, würde das einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von rund 20 Mio. Euro entsprechen. Zum Vergleich: Auf Basis von Pro-Forma-Zahlen für 2025 kommt Finexity momentan auf ein EBITDA von minus 2,7 Mio. Euro. Dem steht auf dem gegenwärtigen Kursniveau von gut 37 Euro ein Börsenwert von knapp 46 Mio. Euro entgegen. Alles im grünen Bereich, sagen die Analysten von NuWays und sehen die Aktie erst bei einem Kurs von 64 Euro als fair bewertet an. GBC hält sogar ein Kursziel von 72 Euro für angemessen. Die Fantasie dahinter: Das Team um Paul Huelsmann will die bisherige OTC-Plattform von Finexity – hier lassen sich tokenisierte Anteile an Immobilienprojekten, Luxusuhren, Musikinstrumenten oder auch Anleihen von Unternehmen aus dem KMU-Segment zeichnen – in eine vollständig regulierte Börse für tokenisierte Wertpapiere überführen und dabei auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette mitverdienen. „Wir sind fest davon überzeugt, die mittelfristige Prognose zu erreichen“, sagt Paul Huelsmann auf einem Investoren-Call kurz vor Pfingsten.
So soll Finexity innerhalb von fünf Jahren zu einer paneuropäischen Börse transformieren und später die eigene Infrastruktur als White-Label-Lösung anbieten. Letztlich soll die Blockchaintechnologie alle bisherigen Friktionen in den vergleichsweise kleinteilig aufgestellten Börsenstrukturen überwinden. „Es geht um zentralisierte Orderbücher“, sagt Huelsmann. Nun: Auf dem Weg dorthin gilt es insbesondere, die Handelsumsätze auf der Finexity-Plattform auszubauen. Mit Oldtimern, Spezialanleihen wie von dem Kochroboterhersteller Circus oder Immobilienprojekten wird das kaum gehen. Insofern sind wichtige nächste Schritte, auch Fonds und später dann Aktien in tokenisierter Form anzubieten. Als Handelspartner ist Finexity eingebettet in das mächtige Vertriebssystem der Sparkassen und Volksbanken.
Abzuwarten bleibt nach Auffassung von boersengefluester.de indes, welche tatsächliche Relevanz Gemeinschaftsprojekte wie die mit der Egro Mediengruppe gemeinsam entwickelte Plattformzugang volks-invest.de tatsächlich haben werden. Letztlich werden hier doch mitunter sehr spezielle und auch risikobehaftete Anlageprodukte einem nicht zwingend wertpapiererfahrenen Publikum schmackhaft gemacht. Smart findet boersengefluester.de es indes, auch bei den Emittenten selbst Zeichnungsstrecken einzubauen.
Losgelöst davon: Die eigentliche Crux wird sein, ob Finexity dauerhaft die nötige technische, regulatorische und wirtschaftliche Power besitzt, um den rasanten technischen Wandel in der Wertpapierabwicklung aus einer führenden Position mitgestalten zu können. Immerhin ist die Gesellschaft von mächtigen Marktbegleitern umgeben, die sich möglicherweise sogar zu neuen Allianzen formieren. Eine Möglichkeit, namhafte Player aus dem Fondsbereich an Bord zu nehmen, ist indes die noch bis 8. Juni 2026 laufende Kapitalerhöhung zu 36 Euro im Volumen von brutto bis zu 7,4 Mio. Euro. Summa summarum handelt es sich um eine hochinteressante Story aus dem Spezialwertesegment, die allerdings nur für erfahrene und risikobereite Investoren geeignet ist.
INVESTOR-INFORMATION
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Finexity Group
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A40ET8
DE000A40ET88
AG
45,93 Mio €
05.09.2025
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Foto: Magnific
