Diese Nachricht hat es in sich: Die im Bereich Wasserstoff tätige Enapter AG stellt ihr Geschäftsmodell nochmals signifikant um und ordnet gleichzeitig die drückende Finanzierungsstruktur komplett neu. Beides unbedingt nötige Schritte – zumindest wenn man den Chartverlauf des Smallcaps in den vergangenen Jahren als Gradmesser für den Erfolg des bisherigen operativen Setups nimmt. Fairerweise ist natürlich zu sagen, dass der gesamte Wasserstoffsektor wirtschaftlich weit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückgeblieben ist, was sich entsprechend auch in den Aktienkursen der jeweiligen Unternehmen zeigt. Trotzdem: Es ist keine drei Jahre her, da notierte die Enapter-Aktie noch in zweistelligen Chartregionen, ehe sie zuletzt sogar in das ungeliebte Pennystock-Terrain rutschte.
Eine wesentliche operative Veränderung ist, dass die Hamburger ihren nicht wirklich genutzten Enapter-Campus in Saerbeck (Nordrhein-Westfalen) – fünf Jahre nach dem ersten Spatenstich – an die Patrimonium Asset Management AG übergeben. Das Schweizer Private-Equity-Unternehmen verzichtet dafür im Gegenzug auf wesentliche Teile ihrer Anfang 2023 mit Enapter abgeschlossenen Inhaberschuldverschreibung im Gesamtvolumen von damals rund 25,6 Mio. Euro. Übrig bleibt ein Besserungsschein zugunsten von Patrimonium über 2 Mio. Euro. Allerdings: Im Konzernabschluss für 2025 ist der „Campus Saerbeck“ noch mit 50 Mio. Euro in der Bilanz ausgewiesen. Es entsteht also ein signifikanter Abschreibungsbedarf rund um diese komplexe Transaktion. Der Umstieg auf ein „Asset-Light-Geschäftsmodell“ ist also zunächst einmal teuer erkauft. Umso vorteilhafter, dass durch die Transaktion künftig ein Zinsaufwand von rund 3,6 Mio. Euro pro Jahr entfällt.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
2,07
8,44
14,67
31,61
21,44
22,10
36,00
EBITDA1,2
-2,92
-7,62
-10,58
1,49
-6,93
-18,09
-1,65
EBITDA-margin %3
-141,06
-90,28
-72,12
4,71
-32,32
-81,85
-4,58
EBIT1,4
-5,00
-8,62
-12,86
-2,68
-12,95
-26,93
-28,00
EBIT-margin %5
-241,55
-102,13
-87,66
-8,48
-60,40
-121,87
-77,78
Net profit1
-3,57
-8,70
-12,98
-7,16
-20,74
-32,16
-34,00
Net-margin %6
-172,46
-103,08
-88,48
-22,65
-96,74
-145,54
-94,44
Cashflow1,7
-2,14
-8,00
-15,46
-14,07
-8,49
-5,14
-2,90
Earnings per share8
-1,23
-0,38
-0,51
-0,26
-0,75
-1,08
-0,94
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Wichtig zudem, dass Enapter sich zwar am Standort in Pisa (Italien) weiter um Themen wie Forschung & Entwicklung, Vertrieb oder auch Service kümmert. Der überwiegende Teil der Fertigung wird aber an die Partner in den USA und Asien ausgelagert. Das ist insofern auch sinnvoll, weil sich Enapter zuletzt von den ehemals kleineren Elektrolyseuren – CEO Laakmann benutzt auf Kapitalmarktkonferenzen in diesem Zusammenhang regelmäßig den Größenvergleich mit einer Mikrowelle – hin zu deutlich leistungsstärkeren Geräten im Multimegawatt-Bereich entwickelt hat. Eine Veränderung, die letztlich durch den Markt vorgegeben wurde. Damit einher geht freilich eine Öffnung der bei Enapter früher typischen AEM-Technologie in Richtung alkalische Elektrolyseure, die – zumindest bei einer sehr konstanten Stromzufuhr – deutliche Kostenvorteile gegenüber AEM-Geräten haben. „Mit der Neuausrichtung schafft Enapter die Voraussetzungen, künftig deutlich größere Wasserstoffprojekte weltweit bedienen zu können, und erweitert damit den adressierbaren Markt der Gesellschaft erheblich“, betont der Vorstand die künftige Flexibilität.
Um die PS auch wirklich auf die Straße zu bekommen, stellen die Großaktionäre – im Wesentlichen dürften das die BluGreen Company um den Unternehmer und damaligen Gründer Sebastian-Justus Schmidt sowie einige Fondsgesellschaften sein – einen Überbrückungskredit von 3 Mio. Euro zur Verfügung. Noch im laufenden Jahr ist zudem eine Barkapitalerhöhung mit einem strategischen Partner geplant, der sich mit einem Betrag zwischen 10 und 12 Mio. Euro engagieren will. Ohne die genauen Konditionen jetzt schon zu kennen – grundsätzlich ist das eine gute Botschaft. Zudem liegt der formale Mindestausgabekurs für die neuen Aktien bei 1,00 Euro. Eine gewisse „Kurspflege“ ist bis dahin also durchaus zu erwarten. Der ohnehin schon übersichtliche Streubesitzanteil der im Börsensegment General Standard notierten Aktie würde prozentual allerdings nochmals deutlich niedriger werden.
Ebenfalls wichtig: Angesichts der vielen Veränderungen hat der Vorstand die aktuelle Finanzplanung für 2026 erst einmal ausgesetzt. Die bisherige Prognose für 2026 sah Erlöse zwischen 30 und 40 Mio. Euro (Vorjahr: 22 Mio. Euro) sowie ein EBITDA in einer Bandbreite von minus 3 bis plus 1 Mio. Euro (Vorjahr: minus 10,6 Mio. Euro) vor. Insgesamt bleiben die Rahmenbedingungen für Enapter zwar schwierig. Gleichwohl sind der geplante Schnitt auf der Finanzierungsseite inklusive nachgelagerter Kapitalerhöhung sowie die Anpassung des Geschäftsmodells bedeutende Signale, bei denen am Ende klar die positive Seite überwiegt – auch wenn es kurzfristig noch knirschen wird. Geeignet ist der Titel aber nur für sehr risikofreudige und erfahrene Investoren.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Enapter
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A255G0
DE000A255G02
AG
30,53 Mio €
19.02.2020
Halten
Foto: Magnific
