Das ist jetzt nicht weiter ungewöhnlich. In der ersten offiziellen Vorstandspräsentation seit dem Börsengang Ende April 2026 drehten sich die Fragen der Investoren zu Electrovac im Wesentlichen um den Ausblick für das Geschäftsjahr 2026/27 (31. März). Immerhin muss auch der Kapitalmarkt erst ausloten, wie die Prognosen des Vorstands einzuordnen sind: Ob forsch oder doch eher konservativ. Andererseits war CEO Dieter Thumfart in dem Call auf der Airtime-Plattform anzumerken, dass er sich nicht zu früh zu weit aus dem Fenster lehnen will. Schließlich gibt es kaum etwas Schlimmeres für eine Neuemission, als gleich im ersten Jahr nach der Notizaufnahme die Erwartungen zu verfehlen.
Insofern druckste Dieter Thumfart zwar ein wenig herum, betonte aber auch, dass er „eine gewisse Hoffnung“ hat, dass die Zahlen am Ende doch besser werden als jetzt geplant. Dabei sieht die Guidance für 2026/27 des Zulieferers von hermetisch dichten Gehäusen zum Schutz von elektronischen Bauteilen vor negativen Umwelteinflüssen unter Extrembedingungen Erlöse zwischen 120 und 130 Mio. Euro sowie ein EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) in einer Bandbreite von 11 bis 12 Mio. Euro vor. Zum Vergleich: Für das abgelaufene Geschäftsjahr weist Electrovac einen Umsatzanstieg von gut 20 Prozent auf 117,96 Mio. Euro aus. Das EBIT kam dabei – wie bereits vor knapp einem Monat kommuniziert – von 9,11 auf 14,03 Mio. Euro voran. Die damit verbundene EBIT-Marge von 11,9 Prozent entspricht dabei schon dem mittelfristig formulierten Ziel, die operative Rendite oberhalb von 12 Prozent zu etablieren.
Für das Auftaktviertel 2026/27 zeigt Electrovac dabei Erlöse von 31,5 Mio. Euro sowie ein EBIT von 3,1 Mio. Euro. Nun: Multipliziert man Umsatz und EBIT mit dem Faktor 4, landet man ungefähr in der Mitte der avisierten Erlösspanne und etwas oberhalb der in Aussicht gestellten EBIT-Bandbreite. Da in dem für das erste Quartal 2026/27 ausgewiesenen EBIT aber auch noch rund 2,3 Mio. Euro an Aufwendungen für das IPO enthalten sind, die sich im weiteren Jahresverlauf so nicht wiederholen, liegt die Vermutung nahe, dass die Prognose in der Tat recht konservativ angesetzt ist. Zu berücksichtigen ist freilich, dass es ausgeprägte Saisonalitäten – etwa in den Sommermonaten oder der Weihnachtszeit – gibt, so dass man nicht einfach die Zahlen von April, Mai und Juni auf das Gesamtjahr hochrechnen darf. Hinzu kommt auf der Umsatzseite, dass Electrovac beim wichtigen Produkt Airbag-Anzündersockel bereits hart an der Grenze agiert und die Kapazitäten im laufenden Jahr erst ausgeweitet werden müssen.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
0,00
0,00
85,25
87,62
98,16
117,96
126,00
EBITDA1,2
0,00
0,00
10,33
9,20
14,69
19,49
18,50
EBITDA-margin %3
0,00
0,00
12,11
10,51
14,96
16,52
14,68
EBIT1,4
0,00
0,00
5,73
4,41
9,11
14,03
12,70
EBIT-margin %5
0,00
0,00
6,72
5,08
9,28
11,89
10,08
Net profit1
0,00
0,00
3,23
1,92
5,18
9,61
8,40
Net-margin %6
0,00
0,00
3,79
2,20
5,28
8,14
6,67
Cashflow1,7
0,00
0,00
6,22
9,46
9,42
10,24
12,60
Earnings per share8
0,00
0,00
0,20
0,12
0,32
0,60
0,53
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,10
Darüber hinaus gibt es Anlaufkosten für den Bereich Luftfahrt und Verteidigung. So werden die Glas-Metall-Verbindungen von Electrovac in der zivilen und militärischen Luftfahrt, in Satellitenprogrammen, Raketenabwehrsystemen und ausgewählten Munitionstypen eingesetzt – allesamt zukunftsträchtige Aktivitäten. „Wir haben hier sehr hohe Auftragseingänge“, sagt CEO Thumfart. Ansonsten geht es bei dem Unternehmen mit Sitz in Salzweg im Bayerischen Wald, wie zum Börsengang angekündigt, sehr stark darum, die internationalen Fertigungskapazitäten auszuweiten – unter anderem am bestehenden Standort in Thailand. Bis Ende des dritten Quartals will sich der Vorstand für einen Standort in China entschieden haben. Einzig beim Thema U-Präsenz gibt es keine nennenswerten Neuigkeiten. „Wir mussten uns darauf konzentrieren, unsere Kapazitäten in Aerospace und Defence auszubauen, basierend auf den hohen Auftragseingängen und Kapazitätsanforderungen der Kunden“, sagt Thumfart.
Derweil performt die Electrovac-Aktie – jedenfalls verglichen mit den meisten anderen Neuemissionen von 2026 – ganz ordentlich und bewegt sich zumindest wieder oberhalb des Ausgabepreises von 7,80 Euro. Der aktuelle Börsenwert von knapp 130 Mio. Euro bietet nach Auffassung von boersengefluester.de stattliches Potenzial. Aber die Gesellschaft muss eben auch entsprechend liefern. Die erste Bewährungsprobe in Form des Geschäftsberichts 2025/26 hat der Vorstand aber schon mal bestanden. Gut zu wissen: Die Effekte aus dem Börsengang mit einem Emissionserlös von brutto rund 30 Mio. Euro sind – bis auf 1 Mio. Euro IPO-Aufwendungen – in dem Zahlenwerk noch gar nicht inkludiert. Insofern wird auch der für den 31. August angekündigte Q1-Zwischenbericht nochmals interessant. Laut CFO Rainer Matzka agiert Electrovac mittlerweile mit einer Eigenkapitalquote von rund 68 Prozent. Zum Ende des Geschäftsjahres 2025/26 lag diese Quote bei 55 Prozent. Summa summarum bietet der im Börsensegment Prime Standard notierte Titel eine vorteilhafte Chance-Risiko-Kombination.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Electrovac
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A420ZL
DE000A420ZL4
AG
125,28 Mio €
30.04.2026
Kaufen
Foto: Magnific
