Zehn Jahre Börsenlisting – diese runde Zahl gibt es am 9. Februar 2026 für BRAIN Biotech aus Zwingenberg in Südhessen. Trotz der rasanten Performance in den ersten beiden Jahren nach dem IPO: Summa summarum liegt die Notiz des auf die Enzymentwicklung für industrielle Anwendungen spezialisierten Unternehmens tief unter dem damaligen Ausgabepreis von 9 Euro. Und mit der Vorlage des Geschäftsberichts 2024/25 (30. September) geht es sogar nochmals deutlich bergab mit dem Aktienkurs von BRAIN Biotech. Tatsächlich liegen sowohl der Umsatz von 49,62 Mio. Euro als auch der daraus resultierende Fehlbetrag von 11,83 Mio. Euro klar unter den Erwartungen des Kapitalmarkts.
Hinzu kommt, dass das Eigenkapital auf nur noch 1,84 Mio. Euro geschrumpft ist – nach 6,17 Mio. Euro zum Neun-Monats-Bericht 2024/25. Die Netto-Finanzverbindlichkeiten erreichen dabei knapp 18 Mio. Euro. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass BRAIN seine Kommerzialisierungsstrategie aus dem BRAINBioIncubator durch den Deal mit Royalty Pharma sowie die Ausgliederung von Akribion Therapeutics vorangetrieben hat und in den kommenden Jahren auf Meilensteinzahlungen sowie Lizenzgebühren von weit über 100 Mio. Euro hoffen darf. Dabei hat die Gesellschaft hieraus bereits Erlöse in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe vereinnahmt. Dabei adressieren die Aktivitäten nicht nur Wirkstoffe für Lebensmittel und Getränke, sondern reichen bis zur mikrobakteriellen Goldgewinnung als Ersatz für traditionelle Recyclingmodelle in der Industrie.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
38,23
38,39
45,51
55,34
54,63
49,62
52,70
EBITDA1,2
-3,88
-2,53
-1,31
-0,83
-4,03
-2,03
-1,60
EBITDA-margin %3
-10,15
-6,59
-2,88
-1,50
-7,38
-4,08
-3,04
EBIT1,4
-8,23
-6,55
-5,65
-5,48
-8,85
-7,15
-6,40
EBIT-margin %5
-21,53
-17,06
-12,42
-9,90
-16,20
-14,41
-12,14
Net profit1
-9,02
-4,68
-6,34
-8,11
-11,10
-11,83
-9,75
Net-margin %6
-23,59
-12,19
-13,93
-14,66
-20,32
-23,85
-18,50
Cashflow1,7
-4,77
-3,10
-1,49
-4,22
-3,58
-9,23
-6,50
Earnings per share8
-0,52
-0,25
-0,30
-0,38
-0,51
-0,54
-0,45
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Relevant sind zudem die medizinischen Projekte bei der Wirkstoffentwicklung seltener Erkrankungen mit dem US-Lizenznehmer Pharvaris. Hier gab es zuletzt schöne Erfolge in Form positiver Studienergebnisse. Entscheidend: BRAIN Biotech hat sich in den vergangenen Jahren klar von einem eher forschenden Unternehmen zu einem Produktanbieter im Bereich Spezialenzyme gewandelt. Mittelfristig sollen die im Kernsegment BRAINBiocatalysts erfassten Umsätze auf 100 Mio. Euro wachsen – bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 15 Prozent in den kommenden fünf Jahren. Um diese Vorgaben zu erreichen, hat das Unternehmen zuletzt kräftig in den Ausbau der Produktionskapazitäten investiert, was sich eben auch in den anhaltend roten Zahlen zeigt. Ein Selbstläufer ist das alles allerdings nicht: „In unseren Enzymmärkten beobachten wir erhebliche Veränderungen: Die Produkte für den Lebensmittelbereich, die den Großteil unseres Umsatzes im Enzymproduktgeschäft ausmachen, verzeichnen weiterhin Wachstum. Gleichzeitig beobachten wir einen zunehmenden internationalen Wettbewerb, insbesondere aus China, aber auch aus anderen Ländern“, sagt CEO Adriaan Moelker im Vorwort des aktuellen Geschäftsberichts.
Zudem gestaltet sich die staatliche Finanzierung von „bahnbrechenden BRAINBioIncubator-Projekten“ momentan eher zögerlich. Losgelöst davon rechnet der Vorstand für das laufende Geschäftsjahr mit einem prozentual einstelligen Umsatzwachstum und einer mindestens ebenso starken Ergebnisverbesserung auf Ebene des im Wesentlichen um die Effekte aus aktienbasierter Vergütung und Pensionszahlungen bereinigten EBITDA (Vorjahr: minus 0,52 Mio. Euro). Das ist jetzt nicht gerade ein super dynamischer Ausblick, aber nach den verfehlten Zielen für 2024/25 ist es keine besondere Überraschung, dass der Vorstand eher vorsichtig kommuniziert.
Wesentlicher Ankeraktionär von BRAIN ist über verschiedene Vehikel Martin Putsch – bekannt durch das auf Flugzeugsitze ausgerichtete Familienunternehmen Recaro Group. 41,62 Prozent befinden sich im Streubesitz. So gesehen ist das im streng regulierten Handelssegment Prime Standard gelistete Unternehmen möglicherweise sogar ein Übernahmekandidat. Von den Analysten wird die BRAIN-Aktie in der Regel positiv gesehen, was sich so allerdings nicht mit dem Chartverlauf deckt. Zudem bleibt abzuwarten, wie die Experten mit den schwachen Daten aus dem Geschäftsbericht umgehen. Für boersengefluester.de ist der Titel auf dem aktuellen Niveau eine Halten-Position.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
BRAIN Biotech
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
520394
DE0005203947
AG
58,99 Mio €
09.02.2016
Halten
Foto: Freepik

