Auf überschaubare 17,5 Mio. Euro Börsenwert bringt es bet-at-home.com zurzeit. Vor knapp neun Jahren – Anfang Juni 2017 – waren es in der Spitze beinahe 1.055 Mio. Euro. Keine Frage: Hinter dem Online-Wettanbieter liegen ganz schwierige Jahre mit einem kaum kalkulierbaren Klagerisiko von Spielern, die aufgrund der Malta-Lizenz ihre erlittenen Wettverluste zurückhaben wollten. Mit vielen Prozessfinanzierern hat sich bet-at-home.com in der Zwischenzeit verständigt und 2022 gerichtlich festgestellte Rückzahlungsansprüche in Höhe von rund 21 Mio. Euro gegen die in der Auflösung befindliche maltesische Tochter für rund 7,6 Mio. Euro erworben. Eine Transaktion mit erheblichen Auswirkungen auch auf das aktuelle Chance-Risiko-Profil von bet-at-home.com.
Die Wirkungskette: Sollte die Forderungen gegen die insolvente maltesische Tochter gerichtlich bestätigt werden, wäre das von bet-at-home.com erworbene Spielerpaket einerseits werthaltig, andererseits würde es den Wert der Insolvenzmasse der ehemaligen Malta-Tochter entsprechend verringern. Der Konzern macht hier im Grunde also eine Wette auf zwei sich gegenseitig ausschließende Ergebnisse. Entweder: Malta bleibt standhaft, dann sind die Anteile an der bet-at-home.com Entertainment Ltd. wertvoll. Oder: Die EU kippt das Gesetz. Dann gewinnen die von den Prozessfinanzierern gekauften Forderungen an Gewicht. Aktuell misst bet-at-home.com den verbliebenen Entertainment-Anteilen einen Wert von rund 8,4 Mio. Euro bei, für die erworbenen Spieleransprüche dagegen gut 1,3 Mio. Euro. Losgelöst vom Ausgang dieser Grundsatzentscheidung gibt es weiterhin Kunden aus Österreich und Deutschland, die ihre Verluste aus Sportwetten und Casinospielen gerichtlich einstreiten wollen.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
126,93
59,35
53,53
46,18
52,30
48,03
50,00
EBITDA1,2
30,95
13,97
2,11
0,81
-3,29
3,10
2,50
EBITDA-margin %3
24,38
23,54
3,94
1,75
-6,29
6,45
5,00
EBIT1,4
28,92
11,67
-0,11
-0,84
-4,53
2,28
1,80
EBIT-margin %5
22,78
19,66
-0,21
-1,82
-8,66
4,74
3,60
Net profit1
23,29
-16,31
11,91
-1,51
-4,45
2,27
1,20
Net-margin %6
18,35
-27,48
22,25
-3,27
-8,51
4,73
2,40
Cashflow1,7
18,15
10,50
-5,02
0,16
0,79
-1,44
0,60
Earnings per share8
3,32
-2,32
1,62
-0,21
-0,63
0,32
0,17
Dividend per share8
2,50
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Zwar haben die Linzer bilanzielle Vorsorge getroffen. Am Kapitalmarkt bleibt aber die Furcht vor einem Fass ohne Boden. Inmitten genau dieser Gemengelage hat sich zuletzt auf Ebene der Ankerinvestoren einiges getan: So hat der ehemalige Vorstand und Gründer Franz Ömer – gemeinsam mit dem Unternehmer Stefan Sulzbacher – kürzlich die Anteile vom bisherigen Mehrheitsaktionär Betclic Everest Group bzw. Banijay erworben, der zuvor wiederum bei Tipico eingestiegen war und so sein Interesse an der ohnehin extrem geschmolzenen bet-at-home.com verloren hatte. Normalerweise hätte boersengefluester.de aufgrund des Comebacks von Ömer eine sehr viel stärkere Kursreaktion nach oben erwartet. Andererseits haben die Ömer und Sulzbacher bereits kommuniziert, dass sie in den kommenden zwölf Wochen keine weiteren Aktien kaufen wollen. Dafür soll Stefan Sulzbacher CEO von bet-at-home.com werden.
Wir sind gespannt, welcher Masterplan hinter dem Vorstoß steht. Derweil liegen die Zahlen aus dem frisch vorgelegten Geschäftsbericht 2025 mit Brutto-Wett- und Gamingerträgen von 48,03 Mio. Euro sowie einem um Sondereffekte bereinigten EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 2,64 Mio. Euro gut im Rahmen der Prognosen (0 bis 4 Mio. Euro bereinigtes EBITDA) des Vorstands. Das ausgewiesene EBITDA bewegt sich bei knapp 3,10 Mio. Euro. Zwischen beiden Größen liegen außerordentliche Faktoren wie Kundenklagen und Rechtsanwaltskosten, aber auch ein Ertrag von 2,26 Mio. Euro aus der Neubewertung von Forderungen gegen die bet-at-home.com Entertainment Ltd. Unter dem Strich weist das Unternehmen für 2025 einen Überschuss von 2,27 Mio. Euro aus – nach einem Verlust von 4,45 Mio. Euro im Jahr zuvor.
Für das Fußball-WM-Jahr 2026 rechnet die Gesellschaft mit einem Brutto-Wett- und Gamingertrag zwischen 46 und 54 Mio. Euro sowie einem bereinigten EBITDA von erneut 0 bis 4 Mio. Euro. Mit Blick auf den möglichen Umsatzanstieg mag das zunächst einmal enttäuschend aussehen, aber aufgrund der höheren Marketingaktivitäten sind Jahre mit sportlichen Großereignissen traditionell keine besonders guten Gewinnjahre. Umso interessanter wird, wie sich die bet-at-home.com-Aktie schlagen wird. Zurück auf die Beobachtungsliste gehört der freilich sehr riskante Titel für unseren Geschmack allemal.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
bet-at-home.com
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
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A0DNAY
DE000A0DNAY5
AG
17,55 Mio €
23.05.2005
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