Auf große Zustimmung wird der zur Hauptversammlung (HV) am 26. Juli 2026 vorgeschlagene Rechtsformwechsel der Bauer AG in eine KGaA – Kommanditgesellschaft auf Aktien – bei den verbliebenen Streubesitzaktionären sicher nicht stoßen. Immerhin werden die Mitbestimmungsrechte der Investoren damit erheblich beschnitten. Für Aktionärsschützer regelmäßig ein Grauen. Andererseits firmieren auch Unternehmen wie der DAX-Konzern Merck als KGaA – und es funktioniert. Der eigentliche Punkt ist aber, dass der Tiefbauspezialist aus Schrobenhausen börsentechnisch ohnehin ein Sonderfall ist: Seit Juni 2023 ist die Bauer-Aktie formal delistet, gehandelt wird der Titel nur noch im Hamburger Freiverkehr. Dominierender Anteilseigner ist der Münchner Bauunternehmer Alfons Doblinger, der zurzeit auch bei dem traditionsreichen Kaufhaus Ludwig Beck auf ein Delisting zusteuert.
Zudem hebt sich Bauer aus dem großen Kreis der Delisting-Unternehmen in puncto Transparenz positiv hervor. Sämtliche Geschäftsberichte sind auch nach dem Rückzug aus dem Prime Standard für alle Interessierten frei zugänglich im Investor-Relations-Bereich auf der Bauer-Webseite. Da präsentieren sich viele andere Unternehmen ungleich verschlossener. Tatsächlich zeigt die operative Entwicklung bei Bauer auch 2025 deutlich nach oben. So kam das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) – trotz der im Wesentlichen aufgrund eines fertiggestellten Großprojekts deutlich rückläufigen Umsätze – von 89,07 auf 102,97 Mio. Euro voran. Unter dem Strich bleibt ein um fast 29 Prozent verbesserter Jahresüberschuss von knapp 12,51 Mio. Euro stehen. Mit Abstand wichtigster Ergebnisbringer war 2025 der Bereich Spezialtiefbau – gefolgt vom Dienstleistungsgeschäft rund um Aktivitäten wie Brunnenbau oder Umwelttechnik. Im Maschinen-Segment musste das Unternehmen dagegen deutlich Federn lassen.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
1.343,24
1.433,07
1.630,14
1.698,19
2.035,88
1.627,91
1.660,00
EBITDA1,2
165,25
153,46
60,52
209,81
223,93
234,70
240,00
EBITDA-margin %3
12,30
10,71
3,71
12,36
11,00
14,42
14,46
EBIT1,4
55,54
36,03
-68,02
95,23
89,07
102,97
109,00
EBIT-margin %5
4,14
2,51
-4,17
5,61
4,38
6,33
6,57
Net profit1
-8,22
3,99
-94,02
7,48
9,70
12,51
13,80
Net-margin %6
-0,61
0,28
-5,77
0,44
0,48
0,77
0,83
Cashflow1,7
168,15
82,92
100,99
150,85
194,22
172,50
160,00
Earnings per share8
-0,48
-0,02
-3,66
0,02
0,21
0,26
0,31
Dividend per share8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Unbedingt erwähnenswert ist zudem, dass sich die Netto-Finanzverschuldung – früher regelmäßig ein kritisches Thema – im vergangenen Jahr von 375,26 Mio. auf nun 293,34 Mio. Euro ermäßigt hat. Die Relation von Netto-Finanzverschuldung zum EBITDA hat sich damit auf den „historisch niedrigen“ Wert von 1,25 verbessert, wie die Gesellschaft betont. Und mit einer Eigenkapitalquote von 32,6 Prozent bewegt sich Bauer erstmals seit 2012 wieder oberhalb der Marke von 30 Prozent. Der Buchwert je Aktie beträgt auf Basis der Bilanzzahlen für 2025 nun 11,50 Euro und ist damit also genau doppelt so hoch wie der Aktienkurs. Eine Relation, die für Bauer-Verhältnisse zwar nicht ungewöhnlich ist. Mit Blick auf die mittlerweile deutlich verbesserten Bilanzrelationen wäre ein deutlich höheres Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) nun aber wohl mehr als gerechtfertigt – trotz des Delisting-Malus.
Derweil kommt der Ausblick des Vorstands eher unspektakulär daher: So sollen Gesamtleistung, EBIT und Ergebnis nach Steuern 2026 leicht über den vergleichbaren Vorjahreswerten liegen. Nun: Das dürfte zwar eher konservativ formuliert sein. Doch selbst wenn man die Kennzahlenprognosen auf diese Basis stellt, bestätigt sich die fundamental günstige Bewertung der Bauer-Aktie – auch ohne Dividendenfantasie. Summa summarum findet boersengefluester.de den Investmentcase hochinteressant. Aber klar: Der Hamburger Freiverkehr als einziger Handelsplatz ist natürlich nicht jedermanns Sache.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
Bauer
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A40ETC
DE000A40ETC9
AG
253,92 Mio €
04.07.2006
Halten
Fotoquelle: BAUER Gruppe
