Vielleicht erinnert sich der ein oder andere Nebenwerte-Investor an die Graphit Kropfmühl AG. Der Anbieter von Siliciummetall sowie veredeltem Naturgraphit galt nach seinem Börsengang Ende 1997 als krasser Exot auf dem heimischen Kurszettel. Kein Wunder, immerhin formierte sich damals die New Economy rund um angesagte Branchen wie Internet, IT, Telekom, Biotech und Medien im Neuen Markt. Das Ende ist bekannt. Es dauert jedoch bis zum Frühjahr 2008 – also zur Zeit der Finanzkrise –, bis sich das Chartbild signifikant änderte. Damals erwarb die AMG Advanced Metallurgical Group (im Mai 2023 umfirmiert in: AMG Critical Materials) rund 62 Prozent an Graphit Kropfmühl und nahm das Unternehmen im Herbst 2012 via Squeeze-out komplett von der Börse. Es folgten einige Wendungen, ehe AMG Critical Materials im Oktober 2025 durch die Veräußerung von Graphit Kropfmühl an Asbury Carbons ihren Ausstieg aus dem Naturgraphitgeschäft abschloss.
Nun: Heute wäre Graphit Kropfmühl – trotz des antiquiert anmutenden Namens – wohl eine veritable Börsenstory. Die seit Juli 2007 an der Euronext Amsterdam notierte AMG Critical Materials ist es jedenfalls definitiv und nutzt das Momentum, um die Investorenbasis auch in Deutschland auszuweiten. Das kommt gut an: Auf der von GBC veranstalteten MKK Münchner Kapitalmarkt Konferenz war die Präsentation von IR-Manager Thomas Swoboda jedenfalls extrem gut besucht. „In Deutschland wären wir knapp im MDAX“, sagt Swoboda mit Blick auf den Börsenwert von zurzeit etwas mehr als 1.400 Mio. Euro. Dahinter steht freilich ein sehr breit aufgestelltes Unternehmen mit Umsatzerlösen, die ziemlich genau der aktuellen Marktkapitalisierung entsprechen sowie einem EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von umgerechnet zuletzt knapp 141 Mio. Euro. „Wir sind ein kritischer Zulieferer für die Hightech-Industrie. Unser Geschäft boomt momentan“, sagt Swoboda.
Vor dem Hintergrund der in letzter Zeit bereits getätigten und auch der künftigen Investitionen hält er ein EBITDA-Potenzial bis hin zu 500 Mio. Dollar (430 Mio. Euro) für möglich. Dabei ist AMG Vanadium der weltgrößte Recycler von Vanadium aus Raffinerieabfällen. Eingesetzt wird Vanadium insbesondere als Legierungszusatz in der Stahlindustrie. Wohl jeder Handwerker hat die Aufschrift „Chrome Vanadium“ schon auf seinem Werkzeugset gelesen. Auch der gesamte Aerospace-Bereich wäre ohne Vanadium sowie Titan und Niobium zur Härtung nicht funktionsfähig. Treiber innerhalb des AMG-Portfolios sind aber auch chemische Elemente wie Tantalum und Antimon. Seit Mitte Mai 2026 ist die Investmentstory von AMG zudem um eine andere Facette reicher: So will das Unternehmen auch die verbliebenen rund 71 Prozent an der in London notierten Zinnwald Lithium Plc übernehmen.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
762,88
1.063,66
1.538,58
1.472,95
1.382,19
1.452,07
1.550,00
EBITDA1,2
28,03
89,02
330,01
250,40
98,66
140,84
200,00
EBITDA-margin %3
3,67
8,37
21,45
17,00
7,14
9,70
12,90
EBIT1,4
-7,52
50,45
287,58
200,90
42,46
84,60
125,00
EBIT-margin %5
-0,99
4,74
18,69
13,64
3,07
5,83
9,03
Net profit1
-34,57
12,17
178,67
92,67
-24,75
-12,17
60,00
Net-margin %6
-4,53
1,14
11,61
6,29
-1,79
-0,84
3,87
Cashflow1,7
15,97
80,16
156,94
202,03
36,01
64,71
115,00
Earnings per share8
-1,20
0,39
5,37
2,83
-0,99
-0,49
0,60
Dividend per share8
0,20
0,40
0,70
0,60
0,40
0,40
0,50
Der Kaufpreis von circa 56 Mio. Dollar soll jeweils zur Hälfte in Cash und durch die Ausgabe neuer AMG-Aktien beglichen werden. „Der Erwerb einer der größten Lithiumreserven Europas durch AMG stellt einen wichtigen strategischen Schritt zur Konsolidierung der europäischen Industrie für kritische Mineralien dar und erweitert die Ressourcenbasis erheblich“, heißt es offiziell. Spannend ist der Schritt insbesondere deshalb, weil AMG nicht nur die Batteriekompetenz ausweitet, sondern perspektivisch auch in die nukleare Wertschöpfungskette vordringt. Das gilt umso mehr, weil es bislang nur sehr wenige westliche Anbieter für isotopisch angereichertes Lithium gibt – entsprechend attraktiv das mögliche Margenpotenzial für das Projekt im Erzgebirge. Allerdings sollten Investoren hier eher in Jahren als in Quartalen denken.
„Wir werden einen stufenweisen Ansatz verfolgen und uns zunächst auf einen kleineren Umfang konzentrieren, anstatt einen einzigen Großbau zu realisieren, mit dem Ziel, die Mine schrittweise in Betrieb zu nehmen und die dazugehörige Infrastruktur aufzubauen. Dieser Ansatz wird es AMG ermöglichen, seine erstklassigen Fähigkeiten im Bergbau und in der Aufbereitung zu nutzen“, sagt CEO Heinz Schimmelbusch. Die Analysten der Deutschen Bank sehen die Transaktion entsprechend positiv und bestätigen ihre Kaufen-Einschätzung. Zuvor hatten bereits die Experten von ABN Amro ODDO BHF die Zahlen für das erste Quartal 2026 genutzt, um ihre Prognosen für das Gesamtjahr sowie das Kursziel auf 47,50 Euro heraufzusetzen. Insgesamt also eine runde Sache, die auch hierzulande mehr Aufmerksamkeit verdient hat. So sagt Thomas Swoboda gleich zu Beginn seiner MKK-Präsentation: „Sehr schade, dass AMG in Deutschland relativ unbekannt ist.“ Andererseits scheint sich das allmählich zu ändern. Die Präsenz auf Veranstaltungen wie der MKK ist jedenfalls ein deutliches Zeichen.
INVESTOR-INFORMATION
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AMG Critical Materials
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A0MWED
NL0000888691
N.V.
1.405,87 Mio €
13.07.2007
Foto: Magnific
