Wenn ein Unternehmen mehr als 19 Jahre nach dem Börsenstart das erste Mal zu einem Kapitalmarkttag einlädt, ist das für sich schon mal eine Ansage. Aber wenn sich dann auch noch die bemerkenswerte Zahl von 55 nationalen und internationalen Investoren, Fondsmanagern und Analysten – und auch boersengefluester.de als Vertreter der Finanzpresse – am Firmensitz im münsterländischen Heek trifft, lässt sich erahnen, wie groß das Interesse der Börsenszene zurzeit an 2G Energy ist. Keine Frage: Die Resonanz wäre wohl nicht so groß, wenn 2G weiterhin primär dezentrale Stromerzeugungsanlagen für Schulen, Krankenhäuser, Hotels, die Landwirtschaft oder auch Kläranlagen fertigen würde. Doch der globale Hype um Rechenzentren für KI-Anwendungen hat eben auch 2G Energy erfasst.
Immerhin brauchen solche Rechenzentren neben Unmengen an leistungsstarken Halbleitern vor allen Dingen eins: Energie. Und in diesem Konzert spielen die Münsterländer voll mit, wie die jüngsten US-Großaufträge aus dem Bereich zeigen. „Wir sind auf dem Sprung in eine neue Dimension“, sagt CEO Pablo Hofelich. Damit die Investoren auch bei einem Börsenwert von mittlerweile 1.115 Mio. Euro entspannt bleiben, die Risiken valide einschätzen können, aber eben auch die enormen Chancen erkennen, haben die Vorstände und Geschäftsführer von 2G Energy auf dem Capital Markets Day (CMD) am 1. Oktober 2026 mehr als sieben Stunden über Trends, Zahlen, Technologien und Investitionen referiert – und auch tiefe Einblicke in die Fabrikationshallen gewährt. „Sie sollen Vertrauen in unsere Strategie bekommen“, sagt CFO Friedrich Pehle zum Auftakt des CMD.
Nun: boersengefluester.de hat sich viel umgehört auf dem Kapitalmarkttag und dem bereits am Vortag eingebetteten Rahmenprogramm, inklusive Besuch des Zwischenlagers für atomare Brennelemente in Ahaus. Tatsächlich waren wohl nahezu alle Teilnehmer positiv überrascht von dem, was sich auf dem Werksgelände in Heek alles verändert hat und noch weiter ausgebaut wird. Nur wer auf gänzlich neue Planzahlen oder Detailinfos zu einzelnen Aufträgen oder auch Segmentzahlen gehofft hatte, musste passen. Zumindest was das Prognosethema angeht, war aber wohl klar, dass Finanzvorstand Pehle es im Wesentlichen bei den gerade einmal zwei Tage zuvor kommunizierten finanziellen Zielen für 2026, 2027 und erstmals auch 2028 beließ. Dabei stufte Pehle die für 2028 avisierte Umsatzspanne zwischen 750 und 850 Mio. Euro als „ganz sexy“ ein. Sollte wirklich alles optimal laufen, könnten es theoretisch sogar bis zu 950 Mio. Euro Umsatz werden. „Am Ende müssen wir vorsichtig sein. Wir sollten es nicht übertreiben“, sagt Pehle.
The most important financial data at a glance
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Sales1
246,73
266,35
312,63
365,07
375,61
398,40
490,00
EBITDA1,2
20,11
21,87
26,63
34,30
41,11
35,30
54,00
EBITDA-margin %3
8,15
8,21
8,52
9,40
10,95
8,86
11,02
EBIT1,4
16,45
17,93
21,96
27,64
33,35
26,30
49,00
EBIT-margin %5
6,67
6,73
7,02
7,57
8,88
6,60
10,00
Net profit1
11,96
12,64
16,37
17,99
23,67
16,76
33,00
Net-margin %6
4,85
4,75
5,24
4,93
6,30
4,21
6,74
Cashflow1,7
9,79
8,86
4,98
11,72
53,35
-38,57
41,00
Earnings per share8
0,68
0,71
0,91
1,00
1,32
0,93
1,84
Dividend per share8
0,11
0,12
0,14
0,17
0,20
0,21
0,25
Denkbar aber trotzdem, dass 2G im Jahr 2028 rund 400 Mio. Euro Umsatz allein mit Rechenzentren machen wird. „Das ist schon mal eine richtige Hausnummer“, sagt Pehle. Die EBIT-Marge auf Konzernebene soll dann bei mehr als 11 Prozent liegen – nach einer für das Jahr 2026 in Aussicht gestellten operativen Rendite zwischen 9,5 und 10,5 Prozent. Derart weit nach vorn gerichtete Renditeprognosen sind aber ohnehin mit viel Unsicherheit behaftet. „Wir können nicht präziser werden. Wir müssen schauen, ob wir diese Preisniveaus in den USA wirklich auf Dauer halten können und ob der Service so läuft, wie wir es wollen“, gibt Pehle zu bedenken. Möglicherweise kommt aus dem für 2028 geplanten Uplisting vom Spezialfreiverkehrssegment Scale in den streng regulierten Prime Standard und der damit verbundenen Umstellung der Bilanzierung von HGV auf die internationale IFRS-Regelung aber noch von anderer Seite ein nicht zu unterschätzender Margenhebel. Ziel des 2G-Managements ist es, mit dem Uplisting auf jeden Fall einen direkten SDAX-Einzug zu ermöglichen.
Eher kein übermäßiger Treiber für die Performance der 2G-Aktie dürfte derweil die Dividendenstrategie sein – was aber so auch nicht zu erwarten war. Auf dem CMD betont Finanzvorstand Pehle, dass 2G mit der höheren Ertragskraft zwar bestimmt auch die absolute Dividende erhöhen wird. Andererseits ist aber eben auch nicht zu erwarten, dass die Gesellschaft signifikante Teile des Gewinns für Ausschüttungen vorsieht. Andererseits ist mit Blick auf den starken Cashflow für die vorhersehbare Zukunft auch keine Kapitalerhöhung nötig – trotz der umfangreichen Investitionen in neue Produktionskapazitäten. Deutlich relevanter für den Chartverlauf könnten da schon die zunehmenden Aktivitäten von 2G im Bergbau-Sektor sein. „Meiner Meinung nach steht unser Bergbau-Engagement ein wenig im Schatten unseres großen Erfolgs im Bereich Rechenzentren. Dabei ist auch die Mining-Präsenz ein gezielter strategischer Schritt, denn auch in der Bergbauindustrie findet derzeit eine Elektrifizierung statt“, sagt CEO Pablo Hofelich.
Losgelöst davon haben die Anleger in Sachen Aktienkursziel beinahe die freie Auswahl. Die Analysten von Cantor Fitzgerald und Berenberg haben ihre Kursziele von jeweils rund 90 Euro nach dem CMD bestätigt. Metzler liegt mit 75 Euro etwas darunter. Ein Thema auf dem Kapitalmarkttag war unter Investoren aber auch die stramme Verkaufsstudie von Parmentier mit Kursziel 39 Euro wegen der vermeintlich sportlichen Bewertung. Andererseits hat boersengefluester.de aber auch mit Investoren gesprochen, deren persönliches Kursziel auf die ganze lange Sicht eher Richtung 200 Euro geht. Nun: Am Ende wird das der Markt zeigen.
Es gibt sicher gewaltige Chancen für 2G und das Unternehmen hat sich auf dem Kapitalmarkttag in Topform präsentiert. Die größten Risiken sind für boersengefluester.de in erster Linie, dass das enorme Wachstum eben auch operativ bewältigt werden muss. Zudem kann das jetzige Top-Thema KI-Rechenzentren in zwei/drei Jahren auch ganz andere Wendungen genommen haben – auch wenn es derzeit nicht danach aussieht. Losgelöst davon ist es aber auch einfach mal gut, dass ein so geerdetes Familienunternehmen wie 2G eine derartige Story überhaupt zündet. So viele krasse Erfolgsstorys aus dem deutschen Spezialwertebereich gibt es nun schließlich auch wieder nicht.
INVESTOR-INFORMATION
©boersengefluester.de
2G Energy
WKN
ISIN
Legal Type
Marketcap
IPO
Recommendation
Located
A0HL8N
DE000A0HL8N9
AG
1.114,97 Mio €
31.07.2007
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Foto: boersengefluester.de
