Eine Kapitalerhöhung ohne Mühe platziert, jede Menge Transaktionen, eine stabile Dividende von 2 Euro für 2025 plus sportliche Ziele bis 2030: Bei Mutares ist wie immer viel in Bewegung – und trotzdem hat der Aktienkurs der auf Restrukturierungen spezialisierten Beteiligungsgesellschaft im laufenden Jahr von 34 Euro auf zwischenzeitlich weniger als 24 Euro an Terrain eingebüßt. Anlass genug für ein Hintergrundgespräch mit Johannes Laumann, dem Investment-Vorstand (CIO) der Münchner. Woran liegt es also, dass die Notiz von Mutares zurzeit so schwächelt? „Was der Kapitalmarkt unterschätzt, ist die Werthaltigkeit des Portfolios“, sagt Laumann. Dabei bezieht sich Laumann vorwiegend auf das via Exits realisierbare Potenzial.
Öffentlich am meisten getuschelt wird über ein IPO des erst Anfang 2025 ins Portfolio gekommenen Spezialfahrzeugherstellers Magirus. Kein Wunder: Immerhin gibt es für Magirus bereits ein entsprechendes Soft-Announcement von Mutares. Vorbild ist ganz klar die für Mutares so lukrative Börsentransaktion bei Steyr Motors. Letztlich hält sich Lauman aber alle Optionen offen – möglich ist also auch ein Direktverkauf. So oder so geht es aber um einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. Dabei käme ein Exit bei Magirus sogar vergleichsweise früh. Schließlich hat das bislang auf Feuerwehrfahrzeuge fokussierte Unternehmen durch die Erweiterung des Defencebereichs ein stattliches Entwicklungspotenzial. Zudem hat Mutares die für Investoren ehemals abschreckende Verschuldung aus der Magirus-Bilanz bekommen und die Gesellschaft – nach zuvor vielen Verlustjahren – im ersten Schritt bereits auf eine schwarze Null geführt. Im zweiten Halbjahr 2026 soll Magirus dann deutlich positiv werden.
Zweiter Exit-Kandidat aus dem Mutares-Portfolio ist die NEM Energy Group – ein Anbieter von Dampferzeugern für die Wärmerückgewinnung. Operativ läuft es bei NEM bereits richtig gut. Den potenziellen Veräußerungserlös taxiert Laumann auf 100 bis 130 Mio. Euro. Ebenfalls auf der Liste für einen potenziellen Verkauf steht die im Bereich Umspanntechnik tätige Efacec Group aus Portugal. Normalerweise sollte auch hier ein dreistelliger Millionen-Euro-Betrag realisierbar sein. Zum Vergleich: Der aktuelle Börsenwert der im SDAX gelisteten Mutares SE & Co. KGaA beträgt insgesamt nur knapp 640 Mio. Euro. Dabei gibt Mutares – auch mit Hilfe der Emissionserlöse aus der jüngsten Kapitalerhöhung – in den USA gerade Vollgas. „Der SABIC-Deal war der Durchbruch. Punkt“, sagt Laumann. Hintergrund: Zum Jahresbeginn 2026 hat Mutares mit dem saudi-arabischen Chemiekonzern SABIC einen Vertrag zum Erwerb des Geschäftsbereichs Engineering Thermoplastics (ETP) – also Technische Kunststoffe – in Amerika und Europa unterzeichnet. Die bislang größte Transaktion in der Firmenhistorie.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
1.583,90
2.504,00
3.751,70
4.689,10
5.261,60
6.484,00
9.100,00
EBITDA1,2
142,70
566,50
181,50
756,90
117,10
675,30
890,00
EBITDA-Marge %3
9,01
22,62
4,84
16,14
2,23
10,42
9,79
EBIT1,4
41,20
447,30
-3,10
436,90
-346,80
92,50
285,00
EBIT-Marge %5
2,60
17,86
-0,08
9,32
-6,59
1,43
3,13
Jahresüberschuss1
19,70
442,40
-21,00
367,10
-459,90
-73,50
80,00
Netto-Marge %6
1,24
17,67
-0,56
7,83
-8,74
-1,13
0,88
Cashflow1,7
-43,00
-103,50
-20,80
-27,50
-286,90
101,80
130,00
Ergebnis je Aktie8
1,78
26,83
-0,32
18,41
-19,10
-0,70
2,90
Dividende je Aktie8
1,50
1,50
1,75
2,25
2,00
2,00
2,25
Zwar gibt es in den Vereinigten Staaten markante Unterschiede zu Europa – insbesondere was die Kaufpreise, aber auch die möglichen Exit-Erlöse angeht. Andererseits muss Mutares hier nicht mehr erklären. „Die Amerikaner verstehen unser Geschäftsmodell“, sagt Laumann. Charmant ist der ETP-Erwerb derzeit aber auch aus einem ganz einfachen Grund: Im Zuge des Ölpreisanstiegs und der allgemeinen Verknappung verteuern sich auch die ETP-Produkte wie Polycarbonat signifikant und sorgen für erhebliche Windfall-Profits. Überhaupt scheint Laumann die Zyklik im Chemiegeschäft zu gefallen: „Wir schauen uns da gerade viel an.“ Nicht einmal ansatzweise ein Diskussionspunkt ist derweil die – im Wesentlichen durch die Eigentümerstruktur – bedingt forsche Dividendenpolitik. Immerhin türmt sich die Dividendensumme zur HV am 3. Juli 2026 (inklusive der neuen Aktien aus der Kapitalerhöhung) auf mehr als 50 Mio. Euro. Das ist rund die Hälfte des Mittelzuflusses aus der jüngsten Kapitalerhöhung.
Hinzu kommt, dass Mutares erhebliche Zinslasten aus den beiden Anleihen zu schultern hat und zuletzt sogar die mit den Banken vereinbarten Verschuldungskennzahlen gerissen hat und sich im Zuge dessen mit den Bond-Gläubigern auf eine Kompensation einigen musste. Ab dem laufenden Quartal wollen die Münchner auch daher ihr ausstehendes Anleihevolumen von derzeit 385 auf 250 bis 300 Mio. Euro drücken – durch regelmäßige Rückkäufe der Anleihe 2023/27 von mindestens 25 Mio. Euro pro Quartal. Typisch Laumann sind derweil die forschen Aussagen zu den offiziellen 2026er-Zielen von 7,9 bis 9,1 Mrd. Euro Konzernumsatz sowie einer Bandbreite von 165 bis 200 Mio. Euro für den Überschuss der Mutares Holding. „Ich hätte da 200 Mio. Euro hingeschrieben“, sagt Laumann trocken. Dann hätte die Gesellschaft ihr ursprünglich erst für 2028 avisiertes Überschussziel nämlich bereits im laufenden Jahr erreicht.
Und was das damit korrespondierende Mittelfristziel von 10 Mrd. Euro angeht, hätte Laumann ebenfalls kurzen Prozess gemacht und diese Vorgabe bereits für 2026 als Messlatte gewählt – dann allerdings inklusive zu erwartender Zukäufe. Nun: Letztlich hat sich CFO Mark Friedrich mit seiner Bandbreitenprognose durchgesetzt und so für eine ausreichende Pufferzone gesorgt. Sicher nicht verkehrt in der aktuellen Zeit. Wer nicht so weit nach vorn schauen mag, wird sich als Anleger auf einen möglichen (Teil)-Exit bei Magirus fokussieren – und dann gibt es ja auch noch die Dividendenrendite von immerhin rund 8 Prozent. Losgelöst davon wird es wohl dabei bleiben, dass das Geschäftsmodell von Mutares intensiv diskutiert wird am Kapitalmarkt. So kennt boersengefluester.de sowohl eingefleischte Mutares-Fans als auch Investoren, die sich deutlich mehr Transparenz wünschen. Am Ende muss das jeder für sich entscheiden. Zumindest kauft man die Aktie momentan nicht auf dem Top.
INVESTOR-INFORMATIONEN
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Mutares
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A2NB65
DE000A2NB650
SE & Co. KGaA
637,89 Mio. €
10.06.2008
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Foto: Magnific
