Es ist wie verhext. Stattliche 130 Mio. Euro hat die im Bereich Vermögensmanagement tätige LAIQON in den vergangenen Jahren in den Aufbau der jetzigen Strukturen und digitalen Aufstellung investiert, steht technisch damit so gut wie nie zuvor in der Firmenhistorie da – und trotzdem will die Story am Kapitalmarkt nicht zünden. „Das einzige Problem, das wir in dieser Gesellschaft haben, ist der Aktienkurs. Das ist wie ein Mühlstein“, sagt ein zumindest diesbezüglich deprimierter CEO Achim Plate auf dem Investorencall zur Vorlage des Geschäftsberichts 2024. Dabei ist das Interesse an der LAIQON-Aktie grundsätzlich vorhanden, was schon allein die vergleichsweise hohe Teilnehmerzahl von knapp 60 in der digitalen Präsentation zeigt.
Und auch die vielen auf boersengefluester.de regelmäßig kommentierten operativen Fortschritte – insbesondere was die Digitaltochter LAIC sowie die Kooperation mit Union Invest angeht – sind unbestritten. Letztlich fehlt es aus Börsensicht an der Wandlung dieser Aktivitäten in harte Gewinne. So sorgt auch das für 2024 ausgewiesene EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von minus 3,82 Mio. Euro nicht gerade für verzückte Mienen, selbst wenn das EBITDA für 2023 mit minus 7,35 Mio. Euro noch deutlich kräftiger rotgefärbt war. Umso ergiebiger ist eine tiefere Analyse der dahinterstehenden Zahlen. So haben die für 2024 erstmals tätigen Wirtschaftsprüfer von RSM Ebner Stolz unter anderem sämtliche Firmenwerte auf ihre Vitalität geprüft. Herausgekommen ist ein Nutzungswert der drei operativen Geschäftssegmente Asset Management, Wealth Management und Digital Wealth von insgesamt annähernd 140 Mio. Euro. Das wiederum korrespondiert mit einem Buchwert der drei Segmente von zurzeit etwas mehr als 101 Mio. Euro.
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2019
2020
2021
2022
2023
2024
2025
Umsatzerlöse1
8,22
27,74
26,12
21,58
30,75
31,00
0,00
EBITDA1,2
-9,68
6,96
4,61
-9,95
-4,69
-3,82
0,00
EBITDA-Marge %3
-117,76
25,09
17,65
-46,11
-15,25
-12,32
0,00
EBIT1,4
-10,94
3,21
1,25
-14,66
-11,08
-10,31
0,00
EBIT-Marge %5
-133,09
11,57
4,79
-67,93
-36,03
-33,26
0,00
Jahresüberschuss1
-0,09
2,50
6,63
-10,54
-12,87
-7,96
0,00
Netto-Marge %6
-1,10
9,01
25,38
-48,84
-41,85
-25,68
0,00
Cashflow1,7
1,42
-0,95
19,96
-2,77
-10,74
0,00
0,00
Ergebnis je Aktie8
-0,01
-0,05
0,39
-0,67
-0,51
-0,35
-0,20
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Die Differenz kann man salopp als stille Reserven bezeichnen, wobei die Lücke de facto noch größer ist, denn der Börsenwert von LAIQON beträgt zurzeit gerade einmal knapp 86 Mio. Euro. Mit anderen Worten: Neue Aktionäre steigen mit einem erheblichen Abschlag zum eigentlichen Wert ein. Nun gehören Discounts zum Substanzwert in vielen Branchen an der Börse seit Jahren zum Normalzustand. Entsprechend wichtig wird es, endlich auch zu zeigen, dass sich auch unter dem Strich alles lohnt. „Wir beenden die Aufbauleistung und kommen in ein neues Kapitel“, sagt Plate. „Unser größtes Ziel 2025 ist die Profitabilität.“ Zur Einordnung: Die Analysten erwarten im Schnitt für 2025 ein EBITDA von 2,9 Mio. Euro, für 2026 liegt die Messlatte bei 11,1 Mio. Euro. Mit eigenen Prognosen für Umsatz und EBITDA hält sich LAIQON derzeit noch bedeckt. Im Interviewteil des Geschäftsberichts 2024 betont Plate jedoch: „Ich gehe davon aus, dass wir noch im ersten Halbjahr dieses Jahres auch eine Umsatzguidance für das Geschäftsjahr 2025 kommunizieren werden. Sowie anschließend auch eine EBITDA-Guidance.“
Mit Blick auf die derzeitige Vorschau für 2025 von 8 bis 10 Mrd. Euro für die Assets under Management (AuM) sagt Plate derweil: „Ich sehe uns gut aufgestellt, um am oberen Ende herauszukommen.“ Unmissverständlich auch das Ziel, für das Geschäftsjahr 2026 – also zur Hauptversammlung (HV) im Jahr 2027 – erstmals eine Dividende auf die Tagesordnung zu setzen. Das wäre dann in der Tat eine Zeitenwende. Nicht uninteressant auch der Hinweis, dass die Gesellschaft über Verlustvorträge von knapp 90 Mio. Euro verfügt und somit über Jahre nur eine einstellige Steuerquote anfallen dürfte. Und was weitere White-Label-Lösungen über die KI-Lösung für Union Investment hinaus angeht, scheint zurzeit ebenfalls einiges im Fluss zu sein. Die kommenden Monate werden somit spannend. Eigenes B2C-Geschäft über das Fintech LAIC forciert das Team um Achim Plate derweil nicht, auch um keine direkte Konkurrenz zu den White-Label-Partnern zu entfachen.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
LAIQON
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A12UP2
DE000A12UP29
AG
85,83 Mio. €
28.10.2005
Kaufen
Foto: Shutterstock
Nicht ausgeschlossen ist auch, dass neben der Joachim-Herz-Stiftung noch ein weiterer Ankeraktionär an Bord kommen könnte. Die dafür nötigen Stücke müssten dann aber über die Börse oder durch Umplatzierungen kommen. Eine weitere Kapitalerhöhung ist jedenfalls nicht geplant, zumal der Vorstand betont, dass LAIQON „durchfinanziert“ sei. Insgesamt müsste nach Auffassung von boersengefluester.de schon sehr viel querlaufen an den Kapitalmärkten, wenn sich die insgesamt doch so vielen positiven Veränderungen nicht endlich auch in nachhaltig höheren Aktienkursen zeigen. Der Mühlstein sich also endlich von den Hamburgern löst.