Anfang Juli 2026 war es dann erstmals passiert: Der Aktienkurs von HomeToGo hatte die psychologisch wichtige Marke von 1 Euro gerissen und ist ins ungeliebte Penny-Stock-Terrain abgerutscht. Die vor rund einem Jahr abgeschlossene – und mit so viel Zuversicht eingefädelte – Übernahme der Schweizer Ferienhausgruppe Interhome hat die Investoren also noch nicht abgeholt. Dabei betont der Vorstand regelmäßig, wie gut sich die beiden Unternehmen ergänzen und welche Fortschritte der Integrationsprozess macht. Nun: Wachstum ist die eine Sache. Klar ist aber auch, dass die Investoren ihr besonderes Augenmerk auf Profitabilität und Cashflow legen. Eine Botschaft, die vom Vorstand so auch beherzigt wird (siehe dazu unser Interview mit CFO Sebastian Bielski HIER).
Nicht gänzlich lösen kann sich eine Reiseplattform wie HomeToGo freilich von dem in der Touristik üblichen saisonalen Ertragsprofil. Bezogen auf das Kalenderjahr sind Q1 und auch Q2 eher maue Monate. Hier buchen die meisten Kunden zwar ihre Ferien, tatsächlich gezahlt und die Reise angetreten wird aber in den Sommermonaten. Entsprechend fallen Marketing- und Vertriebskosten überwiegend im ersten Halbjahr an, während das große Geld erst in Q3 hereinkommt bzw. verbucht wird. Das Abschlussquartal ist dann bereits wieder deutlich schwächer. Vor diesem Hintergrund sind dann auch die frisch vorgelegten Halbjahreszahlen der HomeToGo-Gruppe zu sehen.
So kletterten die Umsatzerlöse in den ersten sechs Monaten 2026 sehr deutlich um knapp 72 Prozent auf 160,08 Mio. Euro. Bemerkenswert dabei ist, dass der Bereich B2B-Software und Services für die Immobilienverwaltung von Ferienwohnungen – zusammengefasst in HomeToGo_PRO – bereits für rund zwei Drittel der Konzernerlöse steht. Das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) verbesserte sich dabei zwar um rund 4,75 Mio. Euro – blieb mit minus 26,41 Mio. Euro aber noch tief im negativen Terrain. Bereinigt um die bilanziellen Sondereffekte aus aktienbasierter Vergütung sowie übernahmebedingten Einmaleffekten bleibt zum Halbjahr 2026 ein adjustiertes EBITDA von minus 15,11 Mio. Euro (Vorjahr: minus 20,57 Mio. Euro) stehen. Aufgrund signifikant höherer Finanzierungsaufwendungen bleibt unter dem Strich allerdings ein von minus 42,98 auf minus 58,12 Mio. Euro erhöhter Fehlbetrag stehen. Eine Kennzahl, die weiterhin viele Investoren irritieren dürfte.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
65,86
94,84
146,84
162,03
212,28
255,48
405,00
EBITDA1,2
-13,61
-125,77
-52,69
-19,33
-6,80
-11,19
29,00
EBITDA-Marge %3
-20,67
-132,61
-35,88
-11,93
-3,20
-4,38
7,16
EBIT1,4
-17,22
-130,46
-65,67
-31,34
-29,69
-95,70
-7,50
EBIT-Marge %5
-26,15
-137,56
-44,72
-19,34
-13,99
-37,46
-1,85
Jahresüberschuss1
-23,81
-166,79
-53,72
-28,28
-28,08
-97,86
-18,00
Netto-Marge %6
-36,15
-175,87
-36,58
-17,45
-13,23
-38,30
-4,44
Cashflow1,7
-10,47
-82,09
-36,35
-8,96
5,52
-25,93
8,50
Ergebnis je Aktie8
-0,36
-2,09
-0,47
-0,25
-0,26
-0,62
-0,10
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Umso bemerkenswerter, dass der Free Cashflow zum Halbjahr 2026 von minus 5,01 auf plus 48,22 Mio. Euro gedreht ist. Der operative Cashflow kam dabei von 646.000 Euro auf 55,30 Mio. Euro voran. Wesentlicher Treiber sind laut Zwischenbericht die Konsolidierung von Interhome, saisonale Schwankungen im Cashflow sowie ein optimiertes Working-Capital-Management. Für das Gesamtjahr bleibt der Vorstand bei seiner bisherigen Prognose, wonach bei Erlösen zwischen 400 und 410 Mio. Euro mit einem bereinigten EBITDA in einer Bandbreite von 45 bis 47 Mio. Euro zu rechnen ist. Zur weiteren Einordnung: Im für die Rentabilität so wichtigen dritten Quartal 2025 kam HomeToGo auf ein positives bereinigtes EBITDA von knapp 43 Mio. Euro, wobei Interhome hier erstmalig (ab 28. August) konsolidiert wurde.
„Mit der rasanten Skalierung von HomeToGo_PRO, einer starken Marketingeffizienz im Marktplatz, der laufenden Interhome-Integration, der Beschleunigung unseres Geschäfts durch AI und einem deutlich verbesserten Free Cashflow sind wir gut aufgestellt, um unsere Ziele zu erreichen“, sagt CEO Patrick Andrae. Das sollte dem Aktienkurs normalerweise wieder Auftrieb verleihen, zumal der aktuelle Börsenwert von 171 Mio. Euro nicht einmal mehr dem zum Halbjahr 2026 ausgewiesenen Eigenkapital der Anteilseigner von 181 Mio. Euro entspricht. Im Penny-Stock-Bereich und unter Buchwert ist die Aktie von HomeToGo nach Auffassung von boersengefluester.de jedenfalls falsch untergebracht. Zeit für ein deutliches Chart-Upgrade also.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
HomeToGo
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A2QM3K
LU2290523658
SE
171,14 Mio. €
22.02.2021
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