„Unser Eindruck verfestigt sich, dass die aktuelle Aktienkursentwicklung die operative Entwicklung sowie das Marktumfeld des Unternehmens nicht adäquat reflektiert“, urteilen die Analysten von Montega in ihrer jüngsten Studie zu HomeToGo und empfehlen die Aktie des Ferienportals mit einem Kursziel von 3,20 zum Kauf. Das entspricht einem knackigen Potenzial von mehr als 170 Prozent. So etwas kommt nicht häufig vor bei einem Unternehmen mit einem Börsenwert von zurzeit immerhin 210 Mio. Euro. Aber klar: Touristikaktien haben es im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld nicht leicht an der Börse. Dabei hat HomeToGo mit der Übernahme von Interhome aus der Schweiz eine ganz neue Basis geschaffen. Wir haben mit HomeToGo-Finanzvorstand Sebastian Bielski über die wichtigsten Reisetrends, die Integration von Interhome, mögliche weitere Zukäufe und auch die Kapitalstruktur gesprochen.
Herr Bielski, wir stehen vor dem Start der Sommer-Hauptreisezeit. Wie entwickelt sich die Buchungslage und welche Erwartungen hat HomeToGo als Europas führende Ferienhausgruppe generell an die Sommersaison 2026?
Sebastian Bielski: Wir blicken der anstehenden Hauptreisezeit sehr zuversichtlich entgegen. Die aktuelle Buchungslage ist sehr zufriedenstellend und zeigt, dass das Interesse an Ferienwohnungen und -häusern ungebrochen hoch ist. Dies zeigt sich auch in unserem neuen Rekord-Auftragsbestand zum Ende des ersten Quartals 2026.
Sehen Sie aktuell ein verändertes Buchungsverhalten gegenüber den Vorjahren?
Sebastian Bielski: Ja, in den Details der Buchungsdaten sehen wir durchaus feine Verschiebungen, die die aktuelle Weltlage widerspiegeln. Geopolitische Spannungen, wie der Konflikt im Iran, führen bei vielen Reisenden zu einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis. Das resultiert in einer spürbaren Verlagerung hin zu mehr Inlandsreisen und zu Urlaubszielen innerhalb Europas, die geografisch näher am Wohnort liegen. Mit unserem sehr breiten europaweiten Portfolio sind wir für diesen anhaltenden Trend zum Heimattourismus bestens aufgestellt. Zudem geht der allgemeine Inflationsdruck natürlich nicht spurlos an den Verbrauchern vorbei. Auch dies erkennen wir an einem veränderten Buchungsverhalten: Die Gäste planen vorsichtiger und buchen tendenziell später im Jahresverlauf. Wichtig ist hierbei jedoch zu betonen, dass es sich hierbei um einen Trend handelt, den wir schon seit einigen Jahren beobachten. Insofern haben wir bereits unsere Marketing- und Plattformstrategien erfolgreich daran angepasst.
Was sind die aktuellen Reisetrends?
Sebastian Bielski: Wie geschildert, beobachten wir derzeit eine Entwicklung hin zum Heimattourismus, die sich seit dem Beginn des derzeitigen Irankonflikts deutlich verstärkt hat. So ist zum Beispiel der Suchanteil für Reiseziele innerhalb Deutschlands auf unserer Plattform merklich angestiegen. Mit aktuell 27 Prozent aller Sommer-Check-ins verweist das Inland die südeuropäischen Klassiker Italien (18 Prozent) und Kroatien (14 Prozent) mit deutlichem Abstand auf die Plätze zwei und drei. Dieser Trend wird auch durch unsere jüngste repräsentative Umfrage unter 1.000 Reisenden in Deutschland untermauert: Demnach planen 36 Prozent der Familien, ihre internationalen Reisen in diesem Jahr durch einen Urlaub in Deutschland zu ersetzen.
Wegweisend für die weitere Entwicklung der HomeToGo-Gruppe war die Übernahme von Interhome. Damit stoßen Sie nicht nur in neue Umsatz- und Ergebnisdimensionen vor, zugleich haben sich auch die operativen Schwerpunkte verschoben. Wenn Sie Vorteile der „neuen HomeToGo“ in drei Sätzen beschreiben müssten – welche wären das?
Sebastian Bielski: Wenn ich die enorme strategische Aufwertung durch die Akquisition von Interhome auf drei Kernaspekte verdichten müsste, lauten diese:
+ Erstens profitieren wir von einer deutlich höheren Resilienz und Planbarkeit, denn in unserem margenstarken Service-Geschäft – das nun den Großteil unserer Gruppenumsätze ausmacht – verzeichnen wir eine durchschnittliche Kundenbindung von zehn Jahren, wodurch rund 90 Prozent dieser Erlöse wiederkehrend sind.
+ Zweitens bewegen wir uns hier in einer äußerst attraktiven Wettbewerbslandschaft, da der B2B-Bereich mit Tausenden kleinen lokalen Ferienhausverwaltern hochgradig fragmentiert ist und uns somit ein enormes Konsolidierungspotenzial für weiteres Wachstum bietet.
+ Und drittens hat uns der Fokus auf unser B2B-Geschäft auch unsere Profitabilität und unseren Cashflow erheblich positiv beeinflusst. Wir haben im vergangenen Jahr auf Pro-forma-Basis ein adjustiertes EBITDA i.H.v. 42 Millionen Euro erreicht und peilen für dieses Jahr eine Steigerung auf 45 bis 47 Millionen Euro an. Beim operativen Cashflow waren wir bereits im saisonal bedingt schwächeren ersten Quartal deutlich positiv und dieser Trend wird sich in den saisonal starken nächsten beiden Quartalen noch fortsetzen und verstärken.
Haben sich Ihre Erwartungen an den Zukauf Interhome bisher erfüllt?
Sebastian Bielski: Unsere hohen Erwartungen haben sich bisher voll erfüllt und die enorme Wertschöpfung dieser transformativen Akquisition ist bereits deutlicher sichtbar: Mit der Vollkonsolidierung von Interhome hat unser B2B-Segment HomeToGo_PRO seine IFRS-Umsätze in Q1/26 im Vorjahresvergleich mehr als vervierfacht und steuert nun zwei Drittel zu unseren Gruppenumsätzen bei. Auf einer echten Like-for-Like-Basis konnten wir das bereinigte EBITDA im PRO-Segment im ersten Quartal bereits um 40 Prozent steigern. Das zeigt sehr deutlich, dass Interhome genau die strategische Dynamik entfaltet, die wir uns versprochen haben, und liefert uns das solide Fundament, um unsere ambitionierten Gesamtjahresziele für 2026 zu erreichen.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
65,86
94,84
146,84
162,03
212,28
255,48
405,00
EBITDA1,2
-13,61
-125,77
-52,69
-19,33
-6,80
-11,19
29,00
EBITDA-Marge %3
-20,67
-132,61
-35,88
-11,93
-3,20
-4,38
7,16
EBIT1,4
-17,22
-130,46
-65,67
-31,34
-29,69
-95,70
-7,50
EBIT-Marge %5
-26,15
-137,56
-44,72
-19,34
-13,99
-37,46
-1,85
Jahresüberschuss1
-23,81
-166,79
-53,72
-28,28
-28,08
-97,86
-18,00
Netto-Marge %6
-36,15
-175,87
-36,58
-17,45
-13,23
-38,30
-4,44
Cashflow1,7
-10,47
-82,09
-36,35
-8,96
5,52
-25,93
8,50
Ergebnis je Aktie8
-0,36
-2,09
-0,47
-0,25
-0,26
-0,62
-0,10
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Wie wollen Sie die im Zusammenhang mit der Integration von Interhome angestrebten Einsparungen in Höhe von 10 Millionen Euro konkret erreichen?
Sebastian Bielski: Was die angestrebten kurzfristigen Kostensynergien in Höhe von annualisiert 10 Millionen Euro betrifft, befinden wir uns mitten in der Umsetzung und nutzen dafür sehr konkrete Hebel: Ein wesentlicher Teil der Einsparungen wird durch das planmäßige Auslaufen von sogenannten Transition Service Agreements realisiert, da wir die entsprechenden Prozesse nun vollständig in unsere eigenen Strukturen überführt haben. Ergänzend konsolidieren und straffen wir unsere administrativen Funktionen gruppenweit, um Doppelstrukturen abzubauen und Größenvorteile effizient zu nutzen. Und darüber hinaus nutzen wir Interhome als starkes Fundament für unsere Roll-up-Strategie. Durch die jüngst erfolgte Übernahme von drei lokalen Agentur-Portfolios in Spanien, Italien und der Schweiz haben wir rund 200 zusätzliche Einheiten nahtlos integriert – und das zu einem äußerst attraktiven EBITDA-Multiple der Zukäufe von nur rund 1x.
Sie haben inzwischen ein umfangreiches Serviceangebot für Vermieter von Ferienwohnungen und -häusern. Wann sollte ich mich als Besitzer einer Ferienimmobilie an Sie wenden? Welche Vorteile würde mir das bringen?
Sebastian Bielski: Die kurze Antwort lautet: Sie sollten sich in jeder Phase Ihrer Vermieter-Reise an uns wenden – ganz gleich, ob Sie gerade erst mit einem einzelnen Objekt starten oder bereits ein großes Immobilienportfolio professionell verwalten.
Und die lange Antwort?
Sebastian Bielski: HomeToGo hat sich zur führenden Ferienhausgruppe Europas entwickelt. Wir sind der einzige Anbieter am Markt, der die gesamte Wertschöpfungskette lückenlos abdecken kann. Für den Besitzer einer Ferienimmobilie bedeutet das maximale Flexibilität aus einer Hand:
+ Die reine Vermarktung: Wir bieten über unseren globalen Marktplatz eine große Reichweite und bringen Eigentümer mit Millionen von Reisenden zusammen.
+Die digitale Verwaltung: Über unsere Software-Lösungen können private Gastgeber sowie professionelle Verwalter selbst komplexe Immobilienbestände steuern.
+ Das Full-Service-Management: Durch die Übernahme von Interhome als Europas zweitgrößtem Verwalter von Ferienunterkünften sind wir nun in der Lage, Dienstleistungen rund um das Objekt wie die Reinigung, die Wartung und die gesamte Gästekommunikation zu übernehmen.
Viele Anbieter decken einzelne Bereiche ab. Was ist der konkrete Vorteil, wenn Vermarktung, Software und Objektmanagement aus einer Hand kommen?
Sebastian Bielski: Die Kombination aus skalierbarer Technologie, der Reichweite unseres Marktplatzes und hochwertigem lokalen Service in der Ferienhausverwaltung ist ein zentraler strategischer Wettbewerbsvorteil. Mit der Einführung der neuen Dachmarke HomeToGo Originals machen wir diesen Anspruch nun noch sichtbarer. Die Bündelung unserer Property-Management-Unternehmen Interhome und Kraushaar unter dieser Dachmarke unterstreicht zugleich die Position der HomeToGo Group als führende Ferienhausgruppe Europas. Diese Stärke basiert auf einem der größten Portfolios direkt angebundener Ferienunterkünfte und einem einzigartigen Zusammenspiel von Technologie, Vertriebskraft und lokalem Know-how.
Der entscheidende Vorteil für unsere Kunden liegt dabei in unserem integrierten Ökosystem. Die Bedürfnisse eines Eigentümers verändern sich im Laufe der Zeit oder wachsen mit dem Objektbestand. Wer heute seine Ferienwohnung noch mit unserer Software selbst betreut, möchte die operative Arbeit vielleicht in einigen Jahren komplett abgeben. In unserem System ist dieser Übergang nahtlos möglich.
Sie haben weitere „wertsteigernde Akquisitionen im Bereich der Ferienhausverwaltung“ angekündigt. Wie sieht Ihre M&A-Strategie konkret aus?
Sebastian Bielski: Unsere M&A-Aktivitäten folgen einem klaren Prinzip: Wir setzen im Segment HomeToGo_PRO konsequent auf eine gezielte Roll-up-Strategie für lokale und regionale Ferienhausverwalter in Europa. Die ersten Erfolge mit dem Erwerb von Vertragsportfolios zur Verwaltung von 200 zusätzlichen Ferienunterkünften habe ich bereits zuvor skizziert. Wir haben mit diesem Roll-up-Ansatz gerade erst begonnen und gehen fest davon aus, im weiteren Verlauf des Jahres 2026 zusätzliche Portfolio-Zukäufe in Europa zu realisieren.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
HomeToGo
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A2QM3K
LU2290523658
SE
210,36 Mio. €
22.02.2021
Kaufen
Und welche Kriterien stehen bei weiteren Zukäufen im Mittelpunkt?
Sebastian Bielski: Bei der Umsetzung stehen für uns zwei Kernkriterien im Mittelpunkt. Erstens eine attraktive Bewertung: Die drei jüngsten Deals waren für uns extrem wertsteigernd, da wir sie zu einem außergewöhnlich günstigen Bewertungsmultiple von weniger als 1,0x EBITDA abschließen konnten. Und zweitens eine einfache Integration: Die erworbenen Vertragsportfolios werden direkt auf die bestehende Interhome-Plattform übertragen, die als zentrale Infrastruktur für diese Roll-up-Strategie fungiert. Interhome verfügt in den entsprechenden Kernmärkten bereits über die etablierten lokalen Service-Büros, die operative Logistik und das notwendige Personal.
Im Rahmen einer Vereinfachung der Kapitalstruktur haben Sie angekündigt, die bisher noch vorhandenen Aktien der Klasse B in Aktien der Klasse A umzuwandeln. Was versprechen Sie sich von diesem Schritt?
Sebastian Bielski: 2026 ist für uns ein Jahr der weitreichenden Vereinfachung – operativ wie auch strukturell. Die Aktionäre haben auf unserer Hauptversammlung am 16. Juni 2026 mit einer Mehrheit von über 99 Prozent unserem Plan zugestimmt, die noch ausstehenden 4,6 Millionen Aktien der Klasse B in Aktien der Klasse A umzuwandeln. Für unsere bestehenden Aktionäre bietet dieser Schritt unmittelbare Vorteile: Durch die Abschläge bei der Umwandlung werden effektiv rund zwei Millionen Aktien eingezogen. Die Gesamtzahl der ausstehenden Aktien sinkt also um circa 1,1 Prozent. Daneben vereinfachen wir unsere Kapitalstruktur, was uns am Kapitalmarkt für Investoren verständlicher macht.
Kommen wir zurück auf das operative Geschäft zu sprechen: Während das HomeToGo_PRO-Segment, das B2B-Software und technologiebasierte Servicelösungen für den Reisemarkt umfasst, inzwischen für zwei Drittel der Gruppenumsätze steht und weiter dynamisch wächst, nimmt die Bedeutung des Marktplatz-Segments sukzessive ab. Wird sich dieser Trend fortsetzen?
Sebastian Bielski: Ja, dieser Trend wird sich fortsetzen, da wir HomeToGo_PRO ganz bewusst als neues Zentrum unserer Geschäftsaktivitäten etablieren. HomeToGo_PRO trägt derzeit rund Zweidrittel zum Gruppenumsatz bei und wird diesen Anteil perspektivisch weiter ausbauen. Wichtig ist jedoch: Die Bedeutung des Marktplatz-Segments nimmt nur beim reinen Umsatzvolumen ab, nicht aber bei der Profitabilität und der Generierung von Cash Flow. Wir haben dort bewusst eine strategische Neuausrichtung vollzogen und priorisieren nun konsequent Profitabilität und Cashflow vor reinem Topline-Wachstum.
Und wie wird sich diese Neuausrichtung voraussichtlich mittelfristig auf Ihre operative Marge auswirken?
Sebastian Bielski: Diese Neuausrichtung hat sich bereits positiv auf unsere operative Marge ausgewirkt. Den besten Beweis dafür haben wir bereits im ersten Quartal 2026 geliefert: Trotz der bewussten Reduktion der Marketingausgaben und des damit verbundenen Umsatzrückganges im Marktplatz, konnte das Segment-EBITDA um fast 12 Prozent gesteigert werden – bei einem gleichzeitigen Allzeithoch beim Q1-Buchungsautragsbestandes. Und wir sind zuversichtlich, dass sich diese positive Entwicklung der operativen Marge sowohl auf Segment- als auch auf Konzernebene weiter fortsetzen wird.
Herr Bielski, herzlichen Dank für das Interview.
Foto: HomeToGo


