Normalerweise ist der letzte Slot einer zweitägigen Kapitalmarktveranstaltung wie der Frühjahrskonferenz von Equity Forum in Frankfurt keine besonders dankbare Zeit für eine Vorstandspräsentation. Die Köpfe der meisten Investoren rauchen bereits und Teilnehmer mit einer weiteren Anreise haben sich häufig bereits auf den Heimweg gemacht. Gemessen daran war der Vortrag von YOC-Vorstand Dirk Kraus am 12. Mai 2026 ab 15.35 Uhr in der Session II dann doch wieder gut besucht und ziemlich dynamisch. Kurz die operative Ausgangslage: YOC hatte 2025 mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen und musste – nachdem die erhoffte Erholung im regelmäßig entscheidenden Abschlussquartal ausgeblieben war – am Ende einen Rückgang der Rohertragsmarge um fast fünf Prozentpunkte auf 42,4 Prozent hinnehmen. Unter dem Strich führte das zu einem Fehlbetrag von rund 410.000 Euro und einem massiven Kursrutsch an der Börse.
Immerhin: Zuletzt hatte sich die Stimmung für die YOC-Aktie wieder ein wenig gebessert. Auslöser ist der ermutigende Ausblick für 2026. So rechnet der Vorstand für das laufende Jahr mit einem EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) zwischen 3,00 und 4,50 Mio. Euro – nach 2,36 Mio. Euro für 2025. Damit würden sich die Berliner zumindest wieder dem Mittelwert der vergangenen fünf Jahre mit einem EBITDA von im Schnitt 3,65 Mio. Euro nähern. Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Gleichwohl wäre das Unternehmen noch immer ein ordentliches Stück von dem für 2024 erzielten EBITDA von 5,17 Mio. Euro entfernt. CEO Dirk Kraus betont jedoch gebetsmühlenartig, dass das fundamentale Geschäftsmodell – YOC ist eine Softwareplattform, um hochwirksame Werbemittel im digitalen Kontext auszuliefern – keinen Schaden genommen hat. Entsprechend interessant ist das weitere Entwicklungspotenzial der Aktie.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
15,49
18,84
23,43
30,63
35,01
37,13
40,00
EBITDA1,2
1,84
2,85
3,47
4,40
5,17
2,36
4,10
EBITDA-Marge %3
11,88
15,13
14,81
14,37
14,77
6,37
10,25
EBIT1,4
1,13
2,01
2,33
2,93
3,50
0,28
1,75
EBIT-Marge %5
7,30
10,67
9,95
9,57
10,00
0,76
4,38
Jahresüberschuss1
1,26
2,07
2,34
2,90
3,72
-0,41
1,15
Netto-Marge %6
8,13
10,99
9,99
9,47
10,63
-1,11
2,88
Cashflow1,7
1,02
2,72
2,45
3,91
4,10
3,76
3,40
Ergebnis je Aktie8
0,09
0,60
0,67
0,83
1,07
-0,12
0,33
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Immerhin kommt das Werbetechnologie-Unternehmen auch nach der jüngsten Erholung erst auf eine Marktkapitalisierung von knapp 24 Mio. Euro. „Aus meiner Sicht ist es lächerlich niedrig, wie die Firma gerade bewertet ist“, sagt Kraus. Aber klar: Um die Aufwärtsbewegung im Chart in einen nachhaltigen Trend nach oben zu überführen, muss YOC operativ liefern. Raum für neuerliche Enttäuschungen gibt es nicht. Entsprechend vorsichtig kommuniziert Kraus zurzeit, was Zwischenstände angeht. Wer die YOC-Historie – wie boersengefluester.de es tut – schon über viele Jahre verfolgt, weiß, dass Kraus diesbezüglich auch schon einmal forscher vorgegangen ist. „Das ist etwas, was ich aus der Vergangenheit gelernt habe. Der Markt dankt Ihnen das nicht“, sagt Kraus. Folgerichtig gibt es auf der Frühjahrskonferenz in Frankfurt auch keine direkte Wasserstandsmeldung zum Verlauf des ersten Quartals.
Mit Blick auf die 2025 im heimischen Markt zuletzt so ausgeprägte Zurückhaltung der Werbetreibenden gibt Kraus dann aber doch ein Update: „Deutschland erholt sich, kann aber noch nicht mit dem Wachstum der anderen Märkte mithalten, was das Q1 anbelangt. So viel darf ich Ihnen sagen.“ Insofern – und das ist dann im Grunde auch eine ermutigende Nachricht – bleibt es bei der bisherigen Prognose für 2026. Nun: Am 26. Mai legt YOC den Bericht für die ersten drei Monate 2026 vor. Im Hinterkopf sollten Investoren behalten, dass das erste Quartal 2025 mit einem EBITDA von nur 120.000 Euro keine besonders sportlich gelagerte Messlatte ist und es wohl zwangsläufig einen Basiseffekt geben wird. Das durchschnittliche EBITDA der Auftaktquartale von 2021 bis 2024 liegt mit 479.000 Euro deutlich darüber. Daher dient es wohl eher als sinnvoller Leistungsnachweis für ein Gesamtjahres-EBITDA in einer Größenordnung von bis zu 4,50 Mio. Euro.
Nicht zu unterschätzen dürften zudem die positiven Effekte aus dem Einstieg in den Bereich Connected TV (CTV) – also Streamingdienste – als zusätzlichen Werbekanal für Videostrategien im YOC-Portfolio sein. „CTV ist ein Bereich, der sehr stark wächst und für uns eine große Rolle spielt“, betont Kraus in Frankfurt. So lag der Videoanteil an den Gesamtumsätzen im vergangenen Jahr im Bereich um 16 bis 17 Prozent und soll 2026 Richtung 30 Prozent steigen. Die Analysten von Montega setzen das Kursziel für die YOC-Aktie zurzeit bei 15 Euro an. Das entspricht exakt dem Niveau von Mitte Mai 2025 – ist also alles andere als eine „uncharted area“ für den im streng regulierten Börsensegment Prime Standard gelisteten Titel.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
YOC
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
593273
DE0005932735
AG
23,71 Mio. €
30.04.2009
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Foto: Magnific
