Es gibt da ein Zitat von Wolf Lotter in einem Text des Wirtschaftsmagazins brand eins, das uns schon immer gut gefallen hat – und sich auch auf den Kapitalmarkt übertragen lässt: „Ungeduld treibt uns voran. Aber Geduld führt uns zum Ziel.“ Tatsächlich entstehen viele Investmentideen aus dem Drang, immer neue Storys mit kurzfristigem Momentum zu entdecken. Am Ende sind es aber häufig die langfristigen Investmentstrategien, die sich dann am meisten auszahlen. Dazu gehört dann allerdings auch, die Basisannahmen für eine Aktienanlage immer wieder zu überprüfen. Bezogen auf die zuletzt mit Margenproblemen konfrontierte YOC AG ist der jetzt vorgelegte Zwischenbericht für die ersten drei Monate 2026 so ein Belastungstest.
Immerhin hatte CEO Dirk Kraus Anfang April mit einer durchaus ansehnlichen Prognose für das Gesamtjahr für neue Zuversicht im Aktienchart gesorgt. Demnach ist für 2026 bei Erlösen zwischen 39 und 41 Mio. Euro mit einem EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) in einer Bandbreite von 3,0 bis 4,5 Mio. Euro zu rechnen. Tatsächlich hat die auf die Auslieferung hochwirksamer Werbemittel spezialisierte Softwareplattform den Umsatz im ersten Quartal 2026 um 9,7 Prozent auf 8,01 Mio. Euro gesteigert. Verglichen mit der mauen Erlösdynamik von 3,1 Prozent aus dem Auftaktviertel 2025 ist das zwar eine ordentliche Verbesserung. Von den deutlich kräftigeren Umsatzsteigerungen der Jahre 2022 bis 2024 von im Schnitt mehr als 25 Prozent ist YOC aber weit entfernt. Und auch Dirk Kraus betont im Investorencall, dass der eigene Anspruch eher im Bereich von mindestens 15 Prozent liegt.
Nach dem insbesondere im Heimatmarkt Deutschland erschreckend schwachen vierten Quartal 2025 dauert es aber offenbar seine Zeit, bis die Geschäfte auch hierzulande wieder an Tempo gewinnen. „Man darf hier keine Wunderdinge erwarten“, sagt Kraus. Umso wichtiger, dass die internationalen Erlöse mit einem Plus von 22,0 Prozent auf knapp 3,80 Mio. Euro für ein erkennbares Rauschen sorgen. Noch wichtiger aus Anlegersicht ist derweil die Entwicklung der 2025 um immerhin 4,9 Prozentpunkte auf 42,4 Prozent eingeknickten Rohertragsmarge: Hier blieben die Berliner im Auftaktquartal 2026 mit 43,2 Prozent zwar spürbar unter dem vergleichbaren Vorjahreswert von 44,9 Prozent. Mit Blick auf die drei unmittelbaren Vorquartale (Q4 2025: 41,6 Prozent, Q3 2025: 42,4 Prozent, Q2 2025: 41,4 Prozent) ergibt sich aber zumindest eine Trendumkehr nach oben.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
15,49
18,84
23,43
30,63
35,01
37,13
40,00
EBITDA1,2
1,84
2,85
3,47
4,40
5,17
2,36
4,10
EBITDA-Marge %3
11,88
15,13
14,81
14,37
14,77
6,37
10,25
EBIT1,4
1,13
2,01
2,33
2,93
3,50
0,28
1,75
EBIT-Marge %5
7,30
10,67
9,95
9,57
10,00
0,76
4,38
Jahresüberschuss1
1,26
2,07
2,34
2,90
3,72
-0,41
1,15
Netto-Marge %6
8,13
10,99
9,99
9,47
10,63
-1,11
2,88
Cashflow1,7
1,02
2,72
2,45
3,91
4,10
3,76
3,40
Ergebnis je Aktie8
0,09
0,60
0,67
0,83
1,07
-0,12
0,33
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
„Das erste Quartal 2026 war keine Offenbarung. Wichtig ist zu sehen, dass es in die richtige Richtung geht“, resümiert Kraus auf der Airtime-Plattform. „Es braucht aber seine Zeit.“ Dabei ist der Firmengründer fest davon überzeugt, dass YOC bei der Rohertragsmarge nicht nur zurück in die früher übliche Bandbreite von 45 bis 47 Prozent kommt, sondern mittelfristig sogar eine Spanne von 49 bis 51 Prozent möglich sei: „Wir haben dieses Ziel nicht aufgegeben.“ Für Anleger mit Geduld ist das die wohl entscheidende Botschaft – mehr noch als die aktuellen Wasserstandsmeldungen um den Einsatz von KI-Modulen oder auch die – an sich durchaus spannende – Erweiterung des Portfolios um den Werbekanal Connected TV.
Zur Einordnung: Die Analysten von Montega kalkulieren zurzeit für 2028 mit einer Rohertragsmarge von 49 Prozent und halten daraus – bei Nettoerlösen von 54 Mio. Euro – ein EBITDA von etwas mehr als 7 Mio. Euro für möglich. Bei einem aktuellen Börsenwert von knapp 22 Mio. Euro wäre das ein verlockendes Szenario. Entsprechend großvolumig auch das Kursziel von 15 Euro (aktueller Kurs: 6,32 Euro). Bis dahin muss YOC sich aber kräftig strecken, um überhaupt erst einmal die nach Q1 für das Gesamtjahr bestätigten Gesamtjahresziele zu erreichen. Insbesondere das traditionell so wichtige Abschlussviertel darf nicht erneut eine Schwäche zeigen. Insofern ist YOC auch eine massive Wette auf eine Konjunkturerholung im Jahresverlauf.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
YOC
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
593273
DE0005932735
AG
21,97 Mio. €
30.04.2009
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Foto: Magnific
