Das ist richtig viel: Mehr als 140 Teilnehmer hatten sich in den Investoren-Call der The Platform Group am 27. Januar 2026 auf der Airtime-Plattform eingewählt. Anlass waren die kurz zuvor gemeldeten operativen Eckdaten für 2025 sowie die angekündigte Übernahme des Pharmagroßhändlers AEP aus dem bayerischen Alzenau – nach einem zuvor sehr langen Akquisitionsprozess, wie Finanzvorstand Bjoern Minnier einräumte. Wenn alles glattläuft, rechnet Minnier für Ende des zweiten Quartals 2026 mit einem Closing der AEP-Transaktion. CEO Dominik Benner stuft den Deal derweil als „sehr gute strategische Akquisition“ ein. Konkrete Parameter verrät der Firmengründer und Großaktionär aber auch auf mehrfache Nachfrage nicht.
Gleichwohl betont Benner die wirtschaftliche Logik des für die Platform Group ungewöhnlich großen Zukaufs. Immerhin geht es um einen zusätzlichen Umsatz von rund 1,1 Mrd. Euro sowie ein EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von deutlich mehr als 25 Mio. Euro. „Wir decken nun die komplette Wertschöpfungskette für die Pharmabranche ab“, sagt Benner. Bis hierhin deutet alles auf einen guten Tag für Aktionäre hin, zumal auch die Vorabzahlen für 2025 im Wesentlichen im Rahmen der Erwartungen der Analysten liegen. Tatsächlich sackte die Notiz der Platform Group (TPG) scharf nach unten und verlor zwischenzeitlich um mehr als 12 Prozent an Wert und schickte den Börsenwert des im Scale-Segment gelisteten Unternehmens klar unter die für institutionelle Investoren häufig so wichtige Marke von 100 Mio. Euro.
Woran hapert es also? Natürlich fragen sich die Anleger, ob die AEP-Übernahme tatsächlich ins übliche Beuteschema passt und ob der Pharmahändler die erhofften Renditen einfährt. Und klar: Natürlich geht es auch ganz wesentlich um das Thema Refinanzierung. Insbesondere die im Sommer 2024 emittierte und im September 2025 um 20 Mio. auf 70 Mio. Euro aufgestockte Anleihe 2024/28 ist ein dauerhafter Diskussionspunkt. Bis März 2026 will das Team um Dominik Benner eine „angepasste und nachhaltige“ Finanzierungsstruktur vorlegen, die auch die Effekte der AEP-Transaktion inkludiert.
Bis dahin wird es hoffentlich auch weitere Details zu den auf dem jüngsten Airtime-Call nur in aller Kürze gestreiften zwei Kapitalerhöhungen im Umfang von insgesamt 2 Millionen Aktien mit einem Emissionserlös von 9,8 Mio. Euro vorlegen. „Zwei Langfristinvestoren haben nach einer Beteiligungsmöglichkeit angefragt. Denen wollten wir die Möglichkeit geben“, sagt Benner. „Das ist ein guter und attraktiver Weg.“ Keinesfalls handelt es sich um einen „Fire-Sale“. Summa summarum bleibt die TPG-Aktie eine doch sehr emotionale Veranstaltung mit zwei Lagern. Ein strammes Expansionstempo trifft hier auf die Angst vor einem Scheitern.
Dabei räumt Benner selbst ein, dass die Platform Group ein – insbesondere für deutsche Anleger – offenbar schwer zu verstehendes Geschäftsmodell betreibt. So geht es um sehr viel mehr als nur darum, Sachen online zu verkaufen. „Das müssen wir noch besser erklären“, weiß auch Benner. Es gibt also noch einiges zu tun, um den Aktienkurs wieder auf Nordkurs zu bringen.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
The Platform Group
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A40ZW8
DE000A40ZW88
SE & Co. KGaA
93,45 Mio. €
29.10.2020
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