Gerade einmal 15 Minuten dauerte die Präsentation von CEO Julian Cassutti zur Vorlage des Geschäftsberichts 2025 von Steyr Motors. Nun: Die wesentlichen Eckdaten hatte der Anbieter von Spezialmotoren – vorzugsweise für den Einsatz im militärischen Bereich – auch bereits Anfang Februar kommuniziert. Insofern ist der durch die Verzögerung von einigen Aufträgen ausgelöste Rückgang des EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) um 10,8 auf 5,78 Mio. Euro auch keine Überraschung mehr. Einen Tick unter unseren Erwartungen liegt freilich der durch ein gegenüber dem Vorjahr deutlich schlechteres Finanzergebnis um etwa 20 Prozent auf 3,88 Mio. Euro gesunkene Jahresüberschuss. Das korrespondiert mit einem Ergebnis je Aktie von 0,75 Euro – nach 0,94 Euro für 2024. Ein Drittel des Gewinns bekommen Investoren in Form der Dividende von 0,25 Euro (Vorjahr: 0,55 Euro) ausgezahlt.
Die eigentliche Botschaft von Cassutti ist jedoch: „2025 war durch temporäre Effekte belastet. Es gibt jedoch keine strukturellen Probleme.“ Insofern sind alle bislang aufgezeigten Wachstumstreiber um die zahlreichen internationalen Rahmenverträge sowie die Ausweitung des Produktportfolios – etwa um die mobile Energieerzeugung (Mobile Power) sowie unbemannte Wasserfahrzeuge (USVs) – intakt. Tatsächlich wollten es die Analysten und Investoren aber genau wissen und haben Cassutti nach der Präsentation noch 45 Minuten mit Fragen gelöchert. Unverändert ein Thema sind der enorme Gesamtauftragsbestand von mehr als 300 Mio. Euro bis 2030 sowie die damit einhergehenden Planungen für Umsatz und EBIT. Auf immerhin 45 Mio. Euro taxiert Cassutti dabei das gesicherte Mindestvolumen für 2026. Der Umsatz soll dabei im laufenden Jahr auf eine Spanne von 75 bis 95 Mio. Euro steigen. Die EBIT-Marge soll bei mindestens 15 Prozent liegen – nach 11,9 Prozent für 2025.
Das obere Ende der Erlösspanne wird Steyr Motors aber wohl nur dann erreichen, wenn weitere Zukäufe neben dem zuletzt akquirierten dänischen Rettungsbootanbieter BUKH erfolgen. Doch Cassutti lässt sich diesbezüglich nicht in die Karten schauen: „Zukäufe sind kein Muss. Wir machen sie nur, wenn es passt.“ Tatsächlich hatte boersengefluester.de den Eindruck auf dem Investoren-Call, dass zu rege Akquisitionsaktivitäten nicht zwingend gut ankommen müssen. Immerhin steht das Unternehmen auch rein organisch vor großem Wachstum, was es erst einmal zu bewerkstelligen gilt. Um hier möglichst gut aufgestellt zu sein, will das im Frankfurter Scale-Segment notierte Unternehmen eine Holding-Struktur auf die Schiene setzen und das operative Geschäft im Zuge dessen abspalten. Der Beschluss dazu soll auf der Hauptversammlung (HV) am 10. April 2026 fallen.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
0,00
40,40
28,05
38,13
41,66
48,48
89,00
EBITDA1,2
0,00
2,90
1,38
-1,44
7,40
6,78
14,75
EBITDA-Marge %3
0,00
7,18
4,92
-3,78
17,76
13,99
16,57
EBIT1,4
0,00
2,00
0,39
-5,78
6,47
5,78
13,50
EBIT-Marge %5
0,00
4,95
1,39
-15,16
15,53
11,91
16,57
Jahresüberschuss1
0,00
1,50
0,19
-9,13
4,88
3,88
9,60
Netto-Marge %6
0,00
3,71
0,68
-23,94
11,71
8,01
10,79
Cashflow1,7
0,00
0,90
-5,80
1,88
2,03
4,47
7,00
Ergebnis je Aktie8
0,00
0,29
0,04
-1,76
0,94
0,75
1,85
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,55
0,25
0,30
Für 2027 bleibt es bei der bisherigen Planung, wonach die Umsätze bis in den Bereich um 140 Mio. Euro und das EBIT auf 40 Mio. Euro klettern sollen. Das würde auf eine operative Marge von mehr als 28 Prozent hinauslaufen. Wesentlicher Treiber des vermuteten scharfen Renditeanstiegs sind Volumeneffekte sowie Projekte, die dann in die Produktionsphase übergehen. Nicht minder spannend sind die Einschätzungen von Cassutti, wonach die neuen Aktivitäten in den Bereichen USV und Mobile Power bis 2030 für ein zusätzliches Potenzial von in Summe rund 250 Mio. Euro sorgen könnten. Rund 150 Mio. Euro davon sollen die ferngesteuerten Boote für Überwachungs- und Aufklärungsmissionen beisteuern. Die Analysten von NuWays setzen das Kursziel für die Aktie von Steyr Motors zurzeit bei 59 Euro an. Andere Experten siedeln den fairen Wert sogar leicht oberhalb von 60 Euro an.
Nach dem Kursrücksetzer vom November 2025 – damals musste das Unternehmen die Prognosen nach unten anpassen – hält sich der Titel vergleichsweise stabil und baut ganz allmählich sogar relative Stärke auf. Mit der Chartmarke von 45 Euro tut sich der Titel aber noch ein wenig schwer. Insgesamt sieht boersengefluester.de das Unternehmen aber gut aufgestellt, so dass sich der Aktienkurs mittelfristig den genannten Kurszielen nähern sollte. Die Dividendenrendite von weniger als 0,6 Prozent ist dabei allerdings keine große Unterstützung. Der aktuelle Börsenwert beträgt rund 223 Mio. Euro – bei Netto-Finanzverbindlichkeiten von etwas mehr als 6 Mio. Euro. Wirklich attraktiv wird die Bewertung bei der Betrachtung von Unternehmenswert (Enterprise Value, kurz: EV) zu EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) also erst mit Blick auf 2027. Auf dieser Basis wird Steyr Motors gerade einmal mit dem Faktor 5,5 bewertet, für 2026 liegt dieses Multiple noch bei über 15. Investoren sollten also die nötige Zeit für ein Engagement mitbringen.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Steyr Motors
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A40TC4
AT0000A3FW25
AG
223,08 Mio. €
30.10.2024
Foto: Freepik
