Veranstaltungen wie die von Montega organisierten Hamburger Investorentage (HIT) sind immer eine gute Gelegenheit, sich Unternehmen anzusehen, die zuletzt etwas unter unserem Radar geflogen sind. Dazu gehört auch der Dämmstoffhersteller Steico. Die gute Nachricht vorweg: Nach allem, was wir vom HIT an Gesprächen mitgenommen haben, scheint Steico auf einem guten Weg zu sein und auch dem Kapitalmarkt treu zu bleiben. Zumindest am letzten Punkt gab es nach der mehrheitlichen Übernahme (61,1 Prozent) durch den irischen Baustoffhersteller Kingspan Group im Sommer 2023 einige Zeit gewisse Zweifel. Bei seiner Präsentation auf dem HIT im Februar 2026 sprach Steico-CFO Georg Faller diesen Punkt zwar nicht explizit an. Doch allein seine Teilnahme am HIT ist ein Signal Richtung Börse.
Dabei scheint die häufigste Frage der Investoren an den Steico-Finanzvorstand momentan ohnehin eine ganz andere zu sein – nämlich die nach der Aussicht auf einen nachhaltigen Stimmungswandel in der Bauwirtschaft. Allzu weit möchte sich Faller zwar nicht aus dem Fenster lehnen. Grundsätzlich zeigt er sich aber „vorsichtig optimistisch“ und betont einen anderen wichtigen Aspekt: „Unsere Produkte gehen nicht nur in den Neubau, sondern auch in Renovierungen.“ Entsprechend schaffte es Steico auch in schwierigen Jahren, auf Wachstumskurs zu bleiben. Die bereits Mitte Januar vorgelegten Eckdaten für 2025 zeigen mit Erlösen von 382,9 Mio. Euro sowie einem EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) ein zweigeteiltes Bild: Der Umsatz blieb durch einen feuerbedingten Produktionsausfall leicht hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Beim EBIT hat das Unternehmen dagegen das obere Ende der zuvor kommunizierten Bandbreite von 30 bis 35 Mio. Euro übersprungen.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
308,77
388,18
445,16
365,29
376,28
382,90
410,00
EBITDA1,2
57,02
91,31
90,05
57,86
79,83
69,00
77,00
EBITDA-Marge %3
18,47
23,52
20,23
15,84
21,22
18,02
18,78
EBIT1,4
33,58
67,61
65,20
30,38
36,03
35,90
44,00
EBIT-Marge %5
10,88
17,42
14,65
8,32
9,58
9,38
10,73
Jahresüberschuss1
25,43
48,16
47,86
16,88
19,32
18,60
24,00
Netto-Marge %6
8,24
12,41
10,75
4,62
5,13
4,86
5,85
Cashflow1,7
42,91
85,76
65,63
51,65
58,64
50,00
57,50
Ergebnis je Aktie8
1,81
3,42
3,40
1,18
1,37
1,32
1,65
Dividende je Aktie8
0,30
0,40
0,40
0,00
0,20
0,20
0,30
Ein Grund hierfür ist freilich die Versicherungsleistung für das Feuer in dem Produktionswerk. Das komplette Zahlenwerk wird das Unternehmen aus Feldkirchen, östlich von München, vermutlich in der zweiten Aprilhälfte veröffentlichen – zeitgleich mit dem Zwischenbericht für das erste Quartal 2026. Grundsätzlich sollten für das im Münchner Spezialsegment m:access notierte Unternehmen EBIT-Margen von 10 Prozent eine Art Mindestanforderung für das laufende Jahr sein – selbst wenn das Thema Preisdruck noch immer nicht vollständig gelöst ist. Trotzdem: Mit einem KGV von rund 13 ist die Aktie beim aktuellen Kurs von gut 24 Euro nach Auffassung von boersengefluester.de sehr moderat bewertet, zumal die Gesellschaft auch noch über eine solide Bilanz verfügt.
Die Analysten von Montega setzten das Kursziel momentan bei 32 Euro an. Einzig für dividendenorientierte Investoren ist der Spezialwert nicht überdurchschnittlich interessant. Losgelöst von den auf dem HIT präsentierten Mikrodaten könnte die Steico-Aktie aber auch ein indirekter Profiteur des jüngsten Kurs-Comebacks von großen Immobilienwerten wie Vonovia oder auch TAG Immobilien sein. Jedenfalls scheint sich das Sentiment in dem Sektor zu verbessern. Und die KI-Welle wird die Dämmung von Wänden in Häusern mit Sicherheit auch nicht überflüssig machen. Die Chancen stehen also gar nicht so schlecht, dass Steico im Aktienchart endlich eine nachhaltige Bewegung Richtung Norden schafft.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Steico
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A0LR93
DE000A0LR936
SE
339,40 Mio. €
25.06.2007
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Foto: Freepik
