Zukunftsthemen und damit potenzielle Kurstreiber für die Aktie der Smartbroker Holding gibt es mehr als genug: Jedenfalls haben CEO André Kolbinger und Thomas Soltau, Vorstand der Smartbroker AG, rund um den Neobroker Smartbroker+ auf der Investorenpräsentation zu den wichtigsten Leistungskennzahlen (KPI) für den Mai 2026 diesmal sehr viel weiter nach vorn geschaut, als gemeinhin üblich: KI-Strategie, Produktinitiativen, Heavy-Trader-Frontends und die Implikationen des staatlich geförderten Altersvorsorgedepots sind wesentliche Dinge, die die Berliner zurzeit umtreiben. Fakt ist aber auch, dass die klassischen KPIs wie die Zahl der Neukunden seit zwei bis drei Monaten kaum noch Dynamik entfalten und hinter den eigenen Erwartungen zurückbleiben. Freilich deckt sich diese Beobachtung mit der allgemeinen Börsenentwicklung und zeigt sich in vergleichbarer Ausprägung damit auch bei den Marktbegleitern.
Entsprechend cool zeigt sich André Kolbinger: „Wir glauben, dass Ende des Jahres viel passieren wird – weil wir dann unsere Werbeaktivität anders gestalten und weil der Markt, auch getrieben durch das Altersvorsorgedepot, anders sein wird. Bisher haben wir keinen Grund, an unserer Prognose zu schrauben.“ Demnach bleibt es das Ziel, wonach für das Gesamtjahr mit rund 100.000 Neukunden zu rechnen ist. Bezogen auf Umsatz und Ergebnis sollen die neuen Frontends für die kleine, dafür aber umso relevantere Gruppe der Heavy-Trader ab Q4 2026 sichtbare Effekte liefern und ab dem kommenden Jahr gar signifikant zum Wachstum beitragen. Nochmals interessanter könnten perspektivisch die Auswirkungen des 2027 startenden Altersvorsorgedepots werden. Zwar werden Anbieter wie der Smartbroker grundsätzlich deutlich weniger pro Kunde verdienen als mit den bisherigen Depotinhabern. Andererseits dürften die Akquisitionsaufwendungen für diese Gruppe auch niedriger sein.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
28,21
48,20
52,79
46,54
52,48
68,90
69,50
EBITDA1,2
4,52
3,56
8,77
1,35
8,97
-0,10
1,50
EBITDA-Marge %3
16,02
7,39
16,61
2,90
17,09
-0,15
2,16
EBIT1,4
2,03
0,35
-8,41
-5,22
-1,70
-10,40
-8,40
EBIT-Marge %5
7,20
0,73
-15,93
-11,22
-3,24
-15,09
-12,09
Jahresüberschuss1
3,55
-0,54
-10,07
-5,92
-1,39
-10,40
-8,80
Netto-Marge %6
12,58
-1,12
-19,08
-12,72
-2,65
-15,09
-12,66
Cashflow1,7
1,18
13,93
5,04
0,19
9,99
4,30
7,00
Ergebnis je Aktie8
0,25
-0,04
-0,64
-0,38
-0,08
-0,62
-0,52
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Zudem deutet einiges darauf hin, dass die ETF-Anbieter – ähnlich wie in ausländischen Referenzmärkten – künftig eine Art Bestandspflegevergütung auf das investierte Volumen an die Broker zahlen. Der Hebel liegt also in der Masse – bei einer mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr loyalen Kundschaft. Mit anderen Worten: Das Geschäft rund um die staatlich regulierten Förderprogramme steht für die an der Börse im Normalfall so sehr geschätzten wiederkehrenden Erlöse. „Aus Sicht des Kapitalmarkts ist es so, dass die Broker weltweit, die sich mit Altersvorsorge-Sparprodukten befassen, mit einem relativ hohen KGV bewertet werden“, betont Kolbinger. Die Marschroute für die kommenden Jahre ist also klar. Um ans gewünschte Ziel zu kommen, muss das Unternehmen jedoch auch ordentlich in Vorleistung gehen. Entsprechend werden dem Vernehmen nach zurzeit auch Gespräche mit Banken bezüglich Fremdkapital geführt. Eine Barkapitalerhöhung zur Stärkung des Eigenkapitals hatte Kolbinger in den vergangenen KPI-Calls schließlich stets verneint.
Per saldo überwiegen für boersengefluester.de auf dem aktuellen Chartniveau von 11 Euro klar die positiven Aspekte für die Aktie der Smartbroker Holding. Die Analysten von Montega sehen den Titel ohnehin erst bei 18 Euro für fair bewertet an. Letztlich kämpft Smartbroker aber mit den üblichen Schwierigkeiten eines Nebenwerts, der bei vielen institutionellen Investoren erst gar nicht auf dem Radar erscheint. So ist der Börsenwert des MDAX-Wettbewerbers flatexDEGIRO mit 4.081 Mio. Euro rund 22-mal so hoch wie der der Smartbroker Holding. Entsprechend schwierig ist es, die nötige Sichtbarkeit zu bekommen. Dabei agieren die Berliner mit ihren monatlichen KPI-Calls schon ungewöhnlich transparent in ihrer Investor-Relations-Kommunikation. Einfache Erfolgsrezepte gibt es nicht. Ausdauer ist gefragt. „Da müssen wir uns rausarbeiten“, sagt Kolbinger mit Blick auf den auch für ihn als größten Aktionär unbefriedigenden Kursverlauf.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Smartbroker Holding
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A2GS60
DE000A2GS609
AG
184,59 Mio. €
22.02.2006
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