Wohl kaum ein Investor hätte zu Jahresbeginn gedacht, dass der Aktienkurs von SFC Energy 2026 so eine Aufwärtsdynamik hinlegen würde. So liegt die Notiz per Mitte Mai um mehr als 70 Prozent über dem Jahresschlusskurs von 2025 und hat den Börsenwert des Herstellers von Brennstoffzellensystemen und damit verbundener Leistungselektronik wie Spannungswandler auf rund 366 Mio. Euro befördert. Innerhalb des SDAX gehört SFC Energy damit zwar weiterhin zu der momentan nur fünf Titel umfassenden Gruppe von Unternehmen mit Marktkapitalisierung von weniger als 400 Mio. Euro. Doch das Momentum ist enorm – zurzeit laufen innerhalb des Smallcap-Index nur Halbleiterwerte wie SUSS MicroTec, Siltronic oder PVA Tepla besser.
Tatsächlich sieht es sogar so aus, als ob für SFC Energy sogar die Chartmarke von 25 Euro vor dem Test steht. Eine Hürde, die der Aktienkurs 2023, 2024 und auch 2025 nicht nachhaltig überwinden konnte. Umso interessanter die aktuelle Gemengelage, denn die Kombination aus rasantem Ölpreisanstieg und anhaltender Nachfrage aus dem Defencebereich haben die Parameter spürbar verändert. Und so wirkt es beinahe wie perfekt orchestriert, dass SFC Energy zeitgleich mit den eher matten Zahlen für das erste Quartal 2026 den bedeutendsten Auftrag der Firmenhistorie präsentiert: So liefert das Unternehmen noch in diesem Jahr moderne Brennstoffzellensysteme im Volumen von rund 42,7 Mio. Euro in die Ukraine. Eingebettet ist die Transaktion in die bereits 2016 initiierte Ertüchtigungsinitiative der Bundesregierung. Ziel des Programms ist es, überregionale Krisen zu entschärfen und die Eigenverantwortung der Partner zu stärken. Quasi: Hilfe zur Selbsthilfe. Die Finanzierung läuft jedenfalls über den Bundeshaushalt.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
53,22
64,32
85,23
118,15
144,75
143,27
172,00
EBITDA1,2
-0,99
-0,80
8,59
14,62
20,19
12,22
32,00
EBITDA-Marge %3
-1,86
-1,24
10,08
12,37
13,95
8,53
18,60
EBIT1,4
-4,50
-5,11
3,60
9,16
13,74
4,48
22,00
EBIT-Marge %5
-8,46
-7,95
4,22
7,75
9,49
3,13
12,79
Jahresüberschuss1
-5,18
-5,83
2,02
21,06
9,36
-0,89
15,00
Netto-Marge %6
-9,73
-9,06
2,37
17,83
6,47
-0,62
8,72
Cashflow1,7
-0,60
1,08
-4,76
3,58
14,46
-4,94
18,00
Ergebnis je Aktie8
-0,39
-0,40
0,07
1,18
0,54
-0,03
0,86
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Das klingt jetzt sehr bürokratisch, umso spannender dazu die Ausführungen von SFC Energy-CEO Peter Podesser im Hintergrundgespräch mit boersengefluester.de. Immerhin war Podesser zuvor nach Kiew in die Ukraine gereist, um die Details des komplexen Abkommens endlich unter Dach und Fach zu bringen. „Das hat für uns positive Abstrahlwirkung. Da schauen jetzt viele hin“, sagt Podesser. Ein nicht zu unterschätzender Punkt. Denn bei der Order geht es eben nicht nur um klassische militärische Optionen wie etwa Drohnen. Es geht auch um eine intelligente dezentrale Energieversorgung, die dafür geeignet ist, zivile Systeme zu unterstützen. Tatsächlich drängte allmählich die Zeit. Immerhin hatte SFC Energy für den erhofften Ukraine-Auftrag zuletzt Kapazitäten an anderer Stelle freigehalten. Vor diesem Hintergrund sind jedenfalls auch die Q1-Zahlen mit einem unerwartet deutlichen Umsatzrückgang von 11,7 Prozent auf 34,1 Mio. Euro zu sehen.
Zumindest erklärungsbedürftig ist freilich auch die im Zuge des Ukraine-Auftrags neu formulierte Konzernprognose für das Gesamtjahr 2026. Demnach avisiert Vorstand Peter Podesser nun bei Erlösen zwischen 163 und 175 Mio. Euro (zuvor: 150 bis 160 Mio. Euro) ein um Sonderfaktoren bereinigtes EBITDA in einer Bandbreite von 29 bis 34 Mio. Euro (zuvor: 20 bis 24 Mio. Euro). Mit anderen Worten: Trotz des gewonnenen Auftragsvolumens von fast 43 Mio. Euro liegt die Umsatzspanne im Mittel nur um 14 Mio. Euro über der bisherigen Erwartung. Bezogen auf das adjustierte EBITDA ergibt sich immerhin eine Anpassung um im Schnitt 9,5 Mio. Euro. Hintergrund ist, dass SFC den schon so lange in der Mache gewesenen Ukraine-Auftrag zumindest teilweise in der Planung inkludiert hatte. „Wir haben darauf gesetzt, dass wir einen ersten Einstieg schaffen – aber eben nicht in der jetzt erreichten Größenordnung“, sagt Podesser.
Gleichwohl kann er die Diskussionen der Analysten im Investoren-Call nachvollziehen, die eine noch höhere Umsatz-Guidance für 2026 vermutet hätten. „Da sind wir für die letzten Monate des Jahres bewusst vorsichtig reingegangen. Es gibt schon noch Luft nach oben“, sagt Podesser. Fakt ist aber ebenfalls, dass auch Podesser das Lieferkettenthema umtreibt. Ein Aspekt, der nach Corona beinahe vergessen schien, den wir auf der von Equity Forum veranstalteten Frühjahrskonferenz in Frankfurt jetzt aber von so manchem Vorstand wieder gehört haben.
Die Analysten von First Berlin haben ihr Kursziel für die SFC-Aktie von 22 auf 31 Euro heraufgesetzt. Mit ein Grund für die spürbar zuversichtlichere Einschätzung ist, dass der Ukraine-Auftrag sich über Schulungen, Support und sonstige Services nachhaltig positiv in den Zahlen niederschlagen sollte. So rechnet First Berlin bis 2028 mit einem Gewinn nach Steuern von 20,7 Mio. Euro. Bezogen auf den aktuellen Börsenwert wäre das ein KGV von knapp 18. Das sieht vordergründig zwar nicht supergünstig aus. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass SFC Energy eine Netto-Liquidität von mehr als 42 Mio. Euro in der Bilanz stehen hat.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
SFC Energy
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
756857
DE0007568578
AG
366,23 Mio. €
25.05.2007
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Foto: SFC Energy AG
