Charttechnik und Nebenwerte – da prallen zwei Welten aufeinander, die in der Regel nicht recht zueinander passen. Umso auffälliger, welche innige Beziehung der Aktienkurs von NFON und die 200-Tage-Linie seit nun fast zwei Monaten führen. Noch ist es der Notiz des auf Lösungen für die Geschäftstelefonie spezialisierten Unternehmens zwar nicht gelungen, signifikant über die von den Charttechnikern so stark beachtete Durchschnittskurve zu steigen und damit ein Kaufsignal auszulösen. Doch es fehlt eben nicht mehr viel für genau dieses Szenario. Das gilt umgekehrt freilich auch für die Variante, dass der NFON-Kurs nachhaltig an der 200-Tage-Linie abprallt und sich an tieferen Regionen orientiert. So gesehen dann doch wieder Kaffeesatzleserei.
Allerdings liefert auch die fundamentale Analyse vordergründig ein diffuses Bild. Die Halbjahreszahlen der Münchner liegen mit leicht rückläufigen Erlösen von 42,53 Mio. Euro sowie einem von 1,08 Mio. Euro auf minus 322.000 Euro gesunkenen EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) unter den Erwartungen von Vorstand und Analysten. Selbst das im Wesentlichen um Aufwendungen für die Reorganisation bereinigte EBITDA sieht mit 4,40 Mio. Euro (Vorjahr: 5,70 Mio. Euro) nicht wirklich gut aus und hat den Vorstand zu einer neuerlichen Prognoseanpassung für das Gesamtjahr 2026 veranlasst. Dem ist nun bei Umsätzen von 84,5 bis 86,0 Mio. Euro mit einem bereinigten EBITDA zwischen 9,50 und 10,50 Mio. Euro zu rechnen – nach bislang leicht über 12 Mio. Euro (siehe dazu auch unseren Beitrag HIER). Da liegen jetzt keine Welten zwischen, aber der Grundtenor im Newsflow der vergangenen Quartale ist eben unverändert zurückhaltend.
Dabei betonen CEO Andreas Wesselmann und CFO Alexander Beck auch im Investorencall zur Vorlage der Halbjahreszahlen 2026 beinahe gebetsmühlenartig, dass die zunehmende Verbreitung cloudbasierter Businesskommunikation und KI-gestützter Servicetools weiterhin strukturelles Wachstumspotenzial eröffnen. „Das erste Halbjahr 2026 hat unsere Einschätzung der strategischen Chancen nicht verändert“, sagt Wesselmann. Wie bei so vielen anderen Unternehmen aus dem erweiterten IT-Umfeld leidet aber auch NFON darunter, dass im Zuge der labilen Konjunktur Budgets gekürzt und Projekte verschoben werden.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
67,60
75,89
80,79
82,34
87,34
89,07
85,00
EBITDA1,2
2,32
-2,03
-5,27
6,80
10,83
11,39
9,00
EBITDA-Marge %3
3,43
-2,68
-6,52
8,26
12,40
12,78
10,59
EBIT1,4
-1,83
-8,97
-12,03
-0,52
2,66
3,93
2,30
EBIT-Marge %5
-2,71
-11,82
-14,89
-0,63
3,04
4,41
2,71
Jahresüberschuss1
-2,24
-8,91
-15,58
-0,80
0,35
2,25
0,85
Netto-Marge %6
-3,31
-11,74
-19,29
-0,97
0,40
2,53
1,00
Cashflow1,7
1,15
-1,76
-3,87
6,84
9,41
8,42
7,00
Ergebnis je Aktie8
-0,15
-0,54
-0,94
-0,05
0,02
0,14
0,05
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Bei NFON äußert sich die allgemeine wirtschaftliche Zurückhaltung insbesondere im klassischen Geschäft der Businesstelefonie mit einem Umsatzrückgang der Businesstelefonie um rund 4,5 Prozent. Für die eng damit zusammenhängende Entwicklung der Seats (Nebenstellen) ergibt sich seit Jahresende 2025 ein Rückgang um nochmals 2,7 Prozent auf knapp 630.000. Wichtig zu wissen: Ein Teil davon geht auch auf das Konto eines gestrafften Produktportfolios. Doch es gibt eben auch Entwicklungen, die der Kapitalmarkt bislang noch unterschätzt: So wachsen die Bereiche „Intelligent Assistant“ (u. a. KI-Chatbots) und „Kundenmanagement“ (Contact-Routing, Echtzeitanalysen etc.) beide deutlich zweistellig und stehen für eine sehr viel tiefere Integration von KI in die Geschäftsprozesse der Kunden, als es bei der reinen Telefonie der Fall ist.
„Wir gestalten die nächste Generation der Businesskommunikation aktiv mit und bauen unsere Position als europäischer Anbieter KI-gestützter Kommunikationslösungen konsequent aus“, sagt Andreas Wesselmann. Im Normalfall sollte diese Transformation dann auch den Umsatz pro Kunden (ARPU) perspektivisch spürbar ansteigen lassen. Interessant für Investoren: In der gegenwärtigen Darstellung des ARPU von knapp unter 10 Euro ist nur die Geschäftstelefonie inkludiert. „Wir planen, zukünftig mehr Transparenz und separate Kennzahlen für die neuen Bereiche“, verrät CFO Alexander Beck. Das wird den Blick auf die NFON-Aktie zwar nicht sofort grundlegend ändern, ist nach Auffassung von boersengefluester.de aber eine hilfreiche Erweiterung in Sachen Investor Relations.
Spätestens mit den Q3-Zahlen am 19. November 2026 und den Investorengesprächen wenige Tage später auf dem Deutschen Eigenkapitalforum in Frankfurt wird ohnehin wieder die Frage kommen, was der gesamte KI-Komplex perspektivisch an Umsatz und Ergebnis bringen wird. Die bisherige Mittelfristprognose für 2027 mit EBITDA-Margen nördlich von 15 Prozent und zweistelligem Wachstum ist formal zwar noch gültig, dürfte aber momentan von der Realität überholt sein. Bleibt abzuwarten, wann es hier eine aktualisierte Guidance gibt. Nun: Bis zur Vorlage des Geschäftsberichts für 2026 dürften die Anleger auch diesbezüglich eine valide Orientierung haben wollen – besser eher.
Bei allen Trendthemen und Möglichkeiten durch die KI. „Letztlich zählt das wirtschaftliche Ergebnis“, sagt CEO Andreas Wesselmann unmissverständlich. Dabei bringt es NFON – unter Berücksichtigung der Netto-Finanzverschuldung von derzeit rund 7,60 Mio. Euro – auf einen Unternehmenswert von momentan knapp 66,40 Mio. Euro. Das entspricht etwa dem Faktor 6 bis 7 auf das für 2026 zu erwartende EBITDA. Das ist jetzt nicht unbedingt angehoben und lässt ausreichend Spielraum für spürbar höhere Kurse. Die Analysten von NuWays setzen den fairen Wert des Smallcaps derzeit bei 5 Euro an. Das wäre dann sehr deutlich oberhalb der 200-Tage-Durchschnittslinie.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
NFON
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A0N4N5
DE000A0N4N52
AG
58,79 Mio. €
11.05.2018
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Foto: Magnific


