Acht Jahre Börsennotiz von NFON im Schnelldurchlauf lesen sich ungefähr so: IPO am 11. Mai 2018 zu 12 Euro. Dann brauchte es rund zwei Jahre, bis die Investoren ihre anfängliche Distanz zu dem Anbieter von cloudbasierter Business-Telefonie abgelegt hatten und sich mit der strategischen Ausrichtung „Wachstum vor Profitabilität“ immer besser anfreunden konnten. Anfang März 2021 erreichte die Notiz ihr All-Time-High bei knapp 23 Euro. Wenig später folgte eine Kapitalerhöhung zu 17,50 Euro mit einem Bruttoerlös von rund 26 Mio. Euro zur Weiterentwicklung des Produktportfolios und dem Ausbau des internationalen Netzwerks. 2022 wurde dann allerdings alles andere als ein leichtes Jahr für NFON: Das Umsatzwachstum der Münchner blieb hinter den Erwartungen zurück, der Verlust nach Steuern türmte sich auf mehr als 15,5 Mio. Euro – und der Aktienkurs knickte bis auf 5 Euro ein.
Der anschließende Transformationsprozess sorgte dann für deutlich bessere Zahlen, doch die anhaltende Marktschwäche im Nebenwertebereich verhinderte eine signifikante Erholung im Chart der NFON-Aktie. 2024 rückte dann das Thema Künstliche Intelligenz (KI) sehr viel stärker in den Fokus des Managements – insbesondere durch die Übernahme der auf KI-Lösungen spezialisierten Botario GmbH aus Bremen für einen damals vereinbarten Kaufpreis von rund 18,5 Mio. Euro. Anfang 2025 sorgte das im Zuge der KI-Strategie formulierte Update „NFON Next 2027“ dann zunächst für einen kurzen Höhenflug. Doch die aufgrund der schwachen Konjunktur im Jahresverlauf mehrmals nach unten korrigierten Prognosen für Umsatzwachstum und EBITDA waren eine zu große Last für den Titel. Zudem hat sich die Einstellung der Investoren bezüglich KI zuletzt eher von Chance in Richtung potenzielles Risiko durch mögliche Disruptionen gedreht. Insofern ist es beinahe schon ein Erfolg, dass sich der Aktienkurs von NFON auf dem stark ermäßigten Niveau zwischen 3 und 4 Euro stabilisiert.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
67,60
75,89
80,79
82,34
87,34
89,07
92,70
EBITDA1,2
2,32
-2,03
-5,27
6,80
10,83
11,39
12,15
EBITDA-Marge %3
3,43
-2,68
-6,52
8,26
12,40
12,78
13,11
EBIT1,4
-1,83
-8,97
-12,03
-0,52
2,66
3,93
4,50
EBIT-Marge %5
-2,71
-11,82
-14,89
-0,63
3,05
4,47
4,85
Jahresüberschuss1
-2,24
-8,91
-15,58
-0,80
0,35
2,25
3,00
Netto-Marge %6
-3,31
-11,74
-19,29
-0,97
0,40
2,53
3,24
Cashflow1,7
1,15
-1,76
-3,87
6,84
9,41
8,42
9,70
Ergebnis je Aktie8
-0,15
-0,54
-0,94
-0,05
0,02
0,14
0,18
Dividende je Aktie8
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
0,00
Dabei zeigt sich CEO Andreas Wesselmann zuversichtlich, dass NFON 2026 den richtigen Weg nimmt: „Wir investieren gezielt in Innovation – insbesondere in KI –, entwickeln unser Portfolio weiter und setzen ergänzend Effizienzmaßnahmen im Rahmen von NFON Next 2027 um. So verbinden wir Wachstum mit Verlässlichkeit.“ Zumindest für das laufende Jahr werden die Münchner mit einem weitgehend stabilen bereinigten EBITDA leicht oberhalb von 12 Mio. Euro (2025: 12,6 Mio. Euro) sowie einem Umsatzplus im niedrigen bis mittleren Prozentbereich keine besonders auffällige Entwicklung hinlegen. Dabei soll die Botario GmbH im zweiten Halbjahr 2026 vollständig auf die NFON AG verschmolzen sein. Dabei verändert sich das Wettbewerbsumfeld weiter dynamisch. So hat der US-Softwarekonzern NiCE im September 2025 die Übernahme des Düsseldorfer KI-Spezialisten Cognigy für rund 955 Mio. Dollar finalisiert. KI-Tools werden in immer mehr Anwendungen integriert.
Gleichzeitig gewinnen Themen wie digitale Souveränität und europäische Datenhaltung weiter an Relevanz für die Kunden. Andererseits treffen diese Entwicklungen auf eine labile globale Wirtschaft. Insofern sind große Wachstumssprünge für NFON auch gar nicht realistisch. Dafür ist der Spezialwert allerdings auch sehr moderat bewertet. Der um die Netto-Finanzverbindlichkeiten von zuletzt rund 8 Mio. Euro bereinigte Unternehmenswert von zurzeit 66,5 Mio. Euro entspricht nur etwa dem Faktor 5,5 auf das für 2026 zu erwartende EBITDA. Dabei sollte NFON auch 2026 wieder unter dem Strich positive Ergebnisse erwirtschaften – nach einem Nettogewinn von 2,2 Mio. Euro für 2025. Dabei bestätigt das Management die bislang kommunizierten Mittelfristziele für 2027 mit einem dann zweistelligen Umsatzwachstum und einer adjustierten EBITDA-Marge oberhalb von 15 Prozent (2025: 14,1 Prozent).
„Aus wirtschaftlicher Sicht gehen wir diesen Weg aus einer Position der Stärke. Wir haben eine solide finanzielle Basis, die es uns ermöglicht, unsere Innovationsagenda umzusetzen“, sagt CFO Alexander Beck. So weist NFON für 2025 eine Eigenkapitalquote von 57 Prozent aus. Der Nettoverschuldungsgrad (verzinsliche Verbindlichkeiten abzüglich Liquiditätsbestände im Verhältnis zum Eigenkapital) beträgt weniger als 16 Prozent. Eine schwer abzuschätzende Variable bleibt indes der geringe Streubesitzanteil von 14,1 Prozent für das im streng regulierten Börsensegment Prime Standard gelistete Unternehmen. Dominierende Investorengruppen sind Active Ownership Capital (29,5 Prozent) und Milestone Venture Capital (38,1 Prozent). Per saldo geht boersengefluester.de davon aus, dass der Aktienkurs von NFON in den kommenden Monaten eher erhebliches Potenzial nach oben entfalten sollte – auch wenn der Emissionskurs absehbar in weiter Ferne bleibt.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
NFON
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
A0N4N5
DE000A0N4N52
AG
58,63 Mio. €
11.05.2018
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Foto: Freepik
