Vielleicht auch das ein Zeichen für frischen Wind in der Aktienstory der Mühlbauer Holding: Nach zuvor sieben Jahren mit einem identischen Cover kommt der jetzt veröffentlichte Geschäftsbericht 2025 des Spezialmaschinenbauers in neuer Aufmachung daher – und erstmals auch mit einem von der zweiten Generation der Mühlbauer-Familie geschriebenen Vorwort, nachdem der langjährige Vorstand und Gründer Josef Mühlbauer nach der HV 2024 in den Aufsichtsrat gewechselt war. Inhaltlich hat sich die Botschaft der neuen Vorstände Josef Markus Mühlbauer und Stefan Mühlbauer nicht geändert: „Wir verfolgen konsequent unsere drei Kernwerte: Vertrauen, Unabhängigkeit und Verlässlichkeit.“ Gleichzeitig spricht die Mühlbauer-Familie aber auch von „nie dagewesenen Herausforderungen“, die es zu meistern gilt.
Mit Umsatzerlösen von zuletzt 484,58 Mio. Euro sowie einem EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) von 51,20 Mio. Euro ist Mühlbauer dabei ein gewichtiger Player in der Branche. Das Unternehmen stellt unter anderem Anlagen zur Produktion von Chipkarten und auch Ausweisdokumenten her, entwickelt biometrische Lösungen zur Authentifizierung von Personen – und ist zudem in der bildbasierten Messtechnik unterwegs. Im Bereich Halbleiter ist Mühlbauer in den Fertigungsschritten nach der eigentlichen Chipproduktion auf dem Wafer tätig – etwa der Trennung und Sortierung der einzelnen Chips. Daneben bieten die Oberpfälzer aber auch Systeme für die Batteriezellenmontage sowie die Automatisierung von Brennstoffzellen-Produktionslinien an. Ziemlich viel High-Tech unter einem Dach – mit dann aber einer enorm volatilen Ergebnisentwicklung und kontinuierlich hohen Investitionen in die Technologiekompetenz.
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben; Zahlen für 2026 geschätzt
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
2020
2021
2022
2023
2024
2025
2026
Umsatzerlöse1
283,06
343,01
324,47
464,41
522,46
484,58
490,00
EBITDA1,2
58,16
92,98
33,41
94,63
46,38
76,18
78,00
EBITDA-Marge %3
20,55
27,11
10,30
20,38
8,88
15,72
15,92
EBIT1,4
43,67
76,73
8,08
66,32
15,11
51,20
53,00
EBIT-Marge %5
15,43
22,37
2,49
14,28
2,89
10,57
10,82
Jahresüberschuss1
34,66
58,93
-3,02
48,41
11,54
24,69
26,50
Netto-Marge %6
12,25
17,18
-0,93
10,42
2,21
5,10
5,41
Cashflow1,7
67,95
59,18
39,68
38,76
55,69
42,04
45,00
Ergebnis je Aktie8
2,43
4,13
-0,21
3,35
0,80
1,74
1,80
Dividende je Aktie8
1,50
1,50
1,00
1,00
1,50
1,50
1,50
Nach dem heftigen Ergebniseinbruch von 2024 – unter anderem ausgelöst durch die Insolvenz zweier Kunden – ist Mühlbauer für 2025 zwar wieder deutlich in die Spur zurückgekommen und knüpft fast schon wieder an das hohe EBIT-Niveau von 2023 an. Trotzdem stuft der Vorstand die Gesamtentwicklung per saldo als „nicht zufriedenstellend“ ein. Kein Wunder: Im „Automation“-Segment knickten die Erlöse 2025 um fast 36 Prozent auf 170,64 Mio. Euro ein. Und ohne den Umsatzanstieg um 20 Prozent auf 219,63 Mio. Euro im „Tecurity“-Bereich (ID-Systeme für Regierungen und Behörden) wäre der Rückgang der Konzernumsätze noch sehr viel krasser ausgefallen. Zudem bleibt abzuwarten, wie sich die 2025 kräftig rückläufige Materialaufwandsquote im laufenden Jahr entwickeln wird. Unter dem Strich rechnet der Vorstand für 2026 mit einem leichten Umsatzplus und einem moderat steigenden operativen Ergebnis.
Das ist jetzt sicher kein Ausblick zum Abheben – vor dem Hintergrund der globalen Konjunkturlage aber doch eine recht ordentliche Perspektive. Das gilt umso mehr, weil die Bewertung der nur noch im Freiverkehr notierten Mühlbauer-Aktie ziemlich moderat ist. Unter Berücksichtigung der Netto-Liquidität von rund 70 Mio. Euro bringt es die Gesellschaft auf einen Unternehmenswert (Enterprise Value) von etwa 500 Mio. Euro. Das ist weniger als das 6,5-fache des von boersengefluester.de für 2026 erwarteten EBITDA. Zudem steht die zur Hauptversammlung (HV) am 29. Juli 2026 erneut vorgeschlagene Dividende von 1,50 Euro je Aktie für eine Dividendenrendite von fast 3,9 Prozent. Last but not least gibt es die Anfang 2026 beim Gericht in South Jakarta in Indonesien von Mühlbauer angestrengte Klage gegen den ehemaligen indonesischen Geschäftspartner. Das Unternehmen macht dabei Schäden von rund 250 Mio. Euro geltend. Damit liegen sich nun beide Parteien im Clinch. Eine Never-Ending-Story sozusagen.
In der Mühlbauer-Bilanz ist eine Rückstellung in Höhe von gut 24 Mio. Euro für den schon seit Jahren laufenden Prozess enthalten. Nun: Jede sinnvolle Annäherung in der Fehde sollte vorteilhaft für den Aktienkurs von Mühlbauer sein. Kann aber auch sein, dass sich das Verfahren weitere Jahre zieht. Insgesamt bleiben wir bei unserer grundsätzlichen Einordnung: Mühlbauer ist ein qualitativ sehr hochwertiges Familienunternehmen, das (leider) den Kontakt zum Kapitalmarkt auf ein Mindestmaß reduziert hat. Insofern werden wir nicht müde, zumindest den Jahresbericht auf boersengefluester.de regelmäßig (HIER) zu kommentieren.
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Mühlbauer Holding
WKN
ISIN
Rechtsform
Börsenwert
IPO
Einschätzung
Hauptsitz
662720
DE0006627201
AG
570,21 Mio. €
10.07.1998
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Foto: Magnific

